+++ Eilmeldung +++

DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Starkregen, Sturmböen und Hagel

DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Landkreis Rosenheim – Der DWD veröffentlichte am Sonntagabend (26. September) eine amtliche …
DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim
Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Corona-Pandemie

„Wir haben keine Munition“: Wie Hausärzte in der Region auf Corona-Impfungen vorbereitet sind

Zielführendes Pilotprojekt: Hausärztin Birgitt Lucas (rechts) verabreicht einer Patientin in Hof, wo Anfang März ein Modellversuch gestartet wurde, eine Schutzimpfung. Ab April soll das in ganz Bayern möglich sein.
+
Zielführendes Pilotprojekt: Hausärztin Birgitt Lucas (rechts) verabreicht einer Patientin in Hof, wo Anfang März ein Modellversuch gestartet wurde, eine Schutzimpfung. Ab April soll das in ganz Bayern möglich sein.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Wenig Informationen, noch weniger Nachschub an Impfstoffen: Am 1. April sollen die Hausärzte in Bayern damit beginnen, ihre Patienten gegen Corona zu impfen. Doch wie das ablaufen soll, wie viele Impfdosen zur Verfügung stehen: Da rätseln auch die Hausärzte in der Region Rosenheim .

Rosenheim – Die Hausärzte werden impfen dürfen, womöglich schon ab 1. April. So war es vom Bayerischen Gesundheitsministerium verkündet. worden Doch in welchem Umfang, das ist weiter ungewiss. Der Beginn des nächsten Kapitels in der Impfkampagne könnte zäh ablaufen, das zumindest schwant Hausärzten aus der Region Rosenheim.

An die Hausärzte werde an Impfstoffen zunächst verteilt, was übrig sei, sagt Dr. Florian Bonke, Allgemeinarzt mit Corona-Schwerpunktpraxis im Inntal. Er geht von zwei, drei Impfungen am Tag aus, „wenn es optimal läuft“.

Hervorragend gerüstet, doch keine Munition

Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim, kann etwas konkretere Zahlen nennen. Mit 3.000 Praxen in Bayern habe das Gesundheitsministerium die Lieferung von zweimal zehn Dosen im Abstand von einer Woche vereinbart, meldete er gestern. Wie viele Praxen in der Region Rosenheim zum Zuge kommen? Da gibt es noch keine tragfähigen Informationen. Weil es am Impf-Nachschub hapert, so wie eigentlich schon seit Beginn der Impfungen Ende des Jahres 2020. „Wir sind hervorragend gerüstet, aber wir haben keine Munition“, sagt Ihler.

Verteilt wird über die Apotheken

Das bayerische Gesundheitsministerium konnte gestern auch auf mehrere Nachfragen hin keine genaueren Informationen liefern. Bekannt ist, dass der Impfstoff Astrazeneca an die Apotheken geliefert wird. Die verteilen ihn weiter an die Hausärzte.

Wie es dann genau weitergehen soll, wie etwa Fragen der Priorisierung beantwortet werden sollen: Auch das ist noch nicht wirklich klar. Die Hausärzte werden sich zunächst wohl an den bereits geltenden Richtlinien orientieren. „Mit gewissen Spielräumen“, sagt Dr. Nikolaus Klecker, oberbayerischer Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbands. „Ich habe eine Patientin mit COPD“, sagt er. Die Frau mit der schweren Lungenerkrankung werde er so schnell wie möglich impfen. „Und wenn Impfstoff übrig ist, werden wir den auch nicht wegschütten.“

Verzögerungen kosten Leben

Fritz Ihler hat sich bei den Kollegen in der Region umgehört. Resultat: „Die Ärzte stehen bereit.“ „Wir sind die, die das Impfen können“, sagt auch Kollege Klecker. „Und wir scharren mit den Hufen.“ Um so mehr zeigen sich die Mediziner von Verzögerungen genervt. Der zwischenzeitliche Stopp für Impfungen mit Astrazeneca war „eine Hiobsbotschaft“, sagt Klecker.

Auch Bonke sieht darin einen schweren Rückschlag: „Ich glaube, dass diese Impfverzögerung zu Beginn der dritten Welle (Pay-Artikel ovb-online) Leben kostet.“ Dass Patienten, die er gut kenne, schwer krank im Klinikum gelandet seien, ist für ihn bitter: „Es ist für mich nicht zu akzeptieren, dass die mit Impfung nicht ins Klinikum hätten eingeliefert werden müssen.“

Vertrauen als großer Vorteil

„Wir dürfen nun reparieren, was am Ruf von Astrazeneca beschädigt wurde“, sagt Ihler mit Galgenhumor. Immerhin: Die Hausärzte trauen sich diese Ehrenrettung am ehesten zu. Nicht nur, dass sie ihre Patienten kennen oder auf kurzen Wegen zu erreichen sind. „Wir genießen auch das Vertrauen unserer Patienten“, sagt Dr. Christoph Habersetzer, der seine Praxis in Samerberg hat.

Auch Florian Bonke sieht einen Vertrauensvorschuss für die Praxis vor Ort. „Ich glaube, die Hausärzte könnten das noch mal effizienter machen“, sagt er daher, auch wenn das Impfzentrum einiges leiste. Auf 30 bis 50 Impfungen könne er täglich kommen, schätzt er, allerdings an beiden Praxis-Standorten in Flintsbach und Raubling. Christoph Habersetzer sieht seine Kapazität bei 20 Impfungen pro Tag, vielleicht auch mehr. „Andererseits muss man sicherlich auch mit dem einen oder anderen reden und Aufklärung leisten.“

Lesen Sie auch: Corona-Impfung: Testlauf in Mühldorfer Praxen (Pay-Artikel ovb-online)

Was die Mediziner nervös macht, ist der zu erwartende Mehraufwand. „Ich fürchte mehr Papierkram, habe Angst, dass das bürokratisch überfrachtet wird“, meint Bonke. Genaues über den Ablauf weiß man noch nicht, doch auch Klecker schwant Böses. 90 Prozent Literatur zum Steuerwesen weltweit seien in deutscher Sprache, schimpft er: „Das sagt doch alles.“ Der Titel des Bürokratie-Weltmeisters schmeckt den Medizinern jedenfalls nicht. „Manchmal schäme ich mich schon für Deutschland“, sagt Klecker.

Impfen in Deutschland: Da geht zu viel schief

75 von 300 Ärzten in der Region Rosenheim wären nach Ihlers Worten sofort bereit, sich an der Impfkampagne zu beteiligen. Der Anteil dürfte nach seiner Einschätzung gehörig steigen, wenn sich die Befürchtungen vor bürokatischem Aufwand nicht bewahrheiten. Eine gewisse Skepsis könnten viele Ärzte nicht ablegen, gerade weil der Motor der Kampagne so stottert. Was da alles schiefgelaufen sei, sagt Ihler „das ist wahrlich kein Ruhmesblatt für Deutschland“.

Mehr zum Thema

Kommentare