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„Regionale Produkte sind lebenswichtig“

Hat Rosenheim das Zeug zur Öko-Modellregion? Expertin mit klarer Meinung

Liebt, was sie tut: Stefanie Adeili ist die Projektmanagerin der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein.
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Liebt, was sie tut: Stefanie Adeili ist die Projektmanagerin der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Rosenheim – Die Stadt Rosenheim soll sich als Öko-Modellregion bewerben. Das haben Grüne und ÖDP in einem Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gefordert. Doch während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses wurde deutlich, dass es hierzu noch viele offene Fragen gibt. Einige davon beantwortet jetzt Stefanie Adeili, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein.

Welche Ziele verfolgen Ökomodell-Regionen?

Stefanie Adeili: Die insgesamt 27 bayerischen Öko-Modellregionen sind ein Baustein des Landesprogramms Bio-Regio 2020, das das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2013 ins Leben gerufen hat. Damals lautete das Ziel Verdoppelung der Bio-Anbaufläche in Bayern. Dieses Ziel wurde nahezu erreicht, sodass mittlerweile elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern biologisch bewirtschaftet wird. Das Folgeprogramm Bio-Regio 2030 hat 30 Prozent Biofläche bis 2030 zum Ziel. Ambitioniert, aber in unserer Ökomodell-Region mit Stand heute 24 Prozent Bio-Fläche durchaus erreichbar.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach auf regionale Produkte zu setzen?

Adeili: Gerade die derzeitigen Krisen, sei es die Corona-Krise und ganz aktuell und erschreckend der Krieg in der Ukraine, zeigen uns deutlich, welch fatale Folgen es haben kann, nicht auf regionale Produkte zu setzen. Aus meiner Sicht ist es essenziell wichtig regionale Strukturen zu erhalten, verdrängte wieder aufleben zu lassen und neue zu schaffen. Nicht nur im Bereich der Landwirtschaft, sondern auch in der Lebensmittelverarbeitung. Hier geht es nicht nur darum regional und dezentral Lebensmittel zu produzieren und damit die Nahversorgung zu sichern, sondern auch um Know-How, das verloren geht, wenn ein Handwerk, wie zum Beispiel das Metzgerhandwerk, ausstirbt oder nur noch in sehr großen Strukturen vorhanden ist. Meiner Meinung nach sind regionale Produkte in Zeiten wie diesen lebenswichtig.

Glauben Sie, es würde Sinn machen, dass sich Rosenheim als Öko-Modellregion bewirbt?

Adeili: Leider ist es nicht so, dass man sich einfach so als Öko-Modellregion bewerben kann. Dazu muss erneut ein Wettbewerb vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ausgewiesen werden. Zuletzt war dies 2018 der Fall. Bei diesem Wettbewerb hat sich die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein beworben. Ob und wann erneut ein Wettbewerb stattfindet, kann ich leider nicht sagen. Wenn, dann ist es aus meiner Sicht schon sinnvoll, dass sich die Stadt Rosenheim bewirbt. Es gibt viele Themenfelder in den Öko-Modellregionen, denen man sich auch in Städten sehr gut widmen kann. Zum Beispiel sind auch die Städte Würzburg, Nürnberg und Regensburg Öko-Modellregionen.

Was braucht es, um als Öko-Modellregion in Frage zu kommen?

Adeili: Das wichtigste ist das Bekenntnis zur Bio-Landwirtschaft und zu Bio-Lebensmitteln. Und ein gutes und schlüssiges Bewerbungskonzept, das die Ziele und die umzusetzenden Projekte der zukünftigen Öko-Modellregion beschreibt. Der erste Schritt aus meiner Sicht ist aber die Kontaktaufnahme mit dem Amt für ländliche Entwicklung, das für die Betreuung der Öko-Modellregionen zuständig ist und sicherlich Informationen zu einer möglichen weiteren Wettbewerbsrunde geben kann.

Wäre es prinzipiell vorstellbar, dass sich Rosenheim der Öko-Modellregion „Hochries-Kampenwand-Wendelstein“ anschließt?

Adeili: Prinzipiell ist das vorstellbar, die Entscheidung, ob sich unsere Öko-Modellregion vergrößern möchte, liegt aber in erster Linie bei den Bürgermeistern der sieben Gemeinden und der Stadt Bad Aibling, die sich zur Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein zusammengeschlossen haben. Für die Stadt Rosenheim würde dies bedeuten, dass meine Kollegin und ich Ansprechpartnerinnen für die Rosenheimer Bio-Erzeuger und -Verarbeiter wären, dass wir Projekte im Rosenheimer Stadtgebiet umsetzen würden, aber auch, dass sich die Stadt an der Finanzierung der Projektmanagementstelle beteiligen müsste.

Ein Kritikpunkt im Umweltausschuss war der enorme Personal- und Sachaufwand, der aus einer Teilnahme resultieren würde.

Adeili: Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen, denn bei der 75-prozentigen Förderung einer Projektmanagementstelle und eines Sachkostenbudgets, das ebenfalls gefördert wird, bleiben „nur“ noch die Ausstattung und die zur Verfügungstellung eines Arbeitsplatzes sowie die Bereitstellung der restlichen 25 Prozent der Personalkosten. Meine Erfahrung ist hier aber auch deshalb so positiv, weil die Arbeit von mir und meinen Kolleginnen bisher sehr stark unbürokratisch und wertschätzend von den Bürgermeistern unserer Öko-Modellregion unterstützt wurde. Vor allem die Gemeinde Frasdorf, bei der wir angestellt sind und die unseren Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, hält uns den Rücken frei, sodass wir uns auf unsere inhaltliche Arbeit konzentrieren können. In unserer Öko-Modellregion verteilen sich die 25 Prozent Eigenfinanzierung aber auch auf insgesamt acht Parteien, was die Kosten pro Mitgliedsgemeinde/ -stadt natürlich verringert. Um die Kosten überschaubar zu halten, wäre es im Fall von Rosenheim ja auch denkbar, sich mit ans Stadtgebiet anschließenden Gemeinden zu einer Öko-Modellregion zusammenzuschließen. An unsere ÖMR wurde schon aus mehreren Gemeinden Interesse an einem Beitritt bekundet, sodass ich mir durchaus vorstellen kann, dass Rosenheim Mitstreiter finden würde.

Welchen Mehrwert hätte die Stadt Rosenheim davon, wenn Sie zur Ökomodell-Region wird?

Adeili: Die Stadt könnte sich aktiv um das Themen Bio-Landwirtschaft, Nahversorgung mit regionalen Bio-Lebensmitteln und Nachhaltigkeit kümmern. Es stünden mit dem Projektmanagement Ansprechpartner für alle Anfragen von Verbrauchern, Erzeugern, Verarbeitern und Akteuren zum gesamten Themenkomplex zur Verfügung. Und die Stadt könnte sich für die Zukunft aktiv nach dem bestehenden Trend in Richtung Bio und Nachhaltigkeit ausrichten.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen der Öko-Modellregion „Hochries-Kampenwand-Wendelstein“?

Adeili: Aus meiner Sicht sind die Erfahrungen natürlich gut Es bereitet mir unglaubliche Freude Landwirte und Direktvermarkter zu unterstützen und ihnen bei ihren Anliegen weiterzuhelfen. Natürlich gibt es aber auch dickere Bretter zu bohren. Zum Beispiel die Vermarktung von Bio-Rindfleisch nachhaltig voranzubringen. Aber auch hier wurden Projekte bereits erfolgreich umgesetzt. Ganz aktuell arbeite ich gemeinsam mit dem Bergbauernmodell Sachrang und Aschau am Aufbau einer Vermarktung für regionales (Bio-)Weidefleisch aus dem Priental.

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