Hamsterkäufe verursachen Engpässe bei den Tafeln in der Region

Sie zählten zur Helferschar, die am Freitag bei der Bad Aiblinger Tafel für die Bedürftigen Lebensmittelpakete zusammenstellten: Janina Bolze, Regina Altenburger, Burgl Mayr, Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel und Winfried Summerer (von links). Reisner

Die Auswirkungen der Corona-Krise bekommen in zunehmenden Maß auch die Tafeln in der Stadt und im Landkreis Rosenheim zu spüren. Die Lebensmittel, die an Bedürftige ausgegeben werden können, werden deutlich knapper.

Rosenheim – „Wegen der Hamsterkäufe haben unsere Zulieferer kaum mehr Ware“, weiß Dr. Stefan Stöckel, der an der Spitze des Tafelteams in Bad Aibling steht. Rund 70 Kunden haben er und seine Helferschar am Freitag versorgt – 40 Kunden kamen direkt zur Tafel, etwa 30 wurden beliefert. Erste Engpässe zeichneten sich insbesondere bei Frischgemüse, Obst und Milch ab. Etwas besser sieht die Situation in der Kurstadt noch bei der Abgabe von Reis, Mehl und Nudeln aus. „Da haben wir noch eigene Vorräte, die wir hernehmen können“, nennt Stöckel den Grund hierfür.

Tafelhelfer versuchen, Wünsche zu erfüllen

Bei der Lebensmittelausgabe haben die ehrenamtlichen Helfer wegen Corona mittlerweile Sicherheitsmaßnahmen ergriffen ¨– zu ihrem eigenen Schutz und auch zum Schutz der Kunden. Die durften am Freitag nicht wie sonst üblich in das Tafelgebäude und sich aus dem Bestand ihr Sortiment großteils nach eigenen Wünschen zusammenstellen, sondern erhielten eine Tüte mit Lebensmitteln durch ein Fenster überreicht. Änderungswünsche konnten sie dennoch äußern. Wenn möglich, gingen die Tafelhelfer auch auf diese Wünsche ein. „Wir sind weiter für die Bedürftigen da, solange wir den Betrieb irgendwie aufrechterhalten können und genügend Waren haben“, verspricht Stöckel.

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Der Tafelleiter weiß, dass seine Kolbermoorer Kollegin Dagmar Badura mittlerweile auch an das Offenhalten der Tafel denkt, obwohl deren vorübergehende Schließung eigentlich schon beschlossene Sache war. Bei der Wasserburger Tafel hat man einen „Notfallplan“ erarbeitet, weiß deren Leiterin Renate Steinbichler. „Für uns ist es wichtig, die Tafel geöffnet zu halten, um die sozial Schwächsten nicht alleine zu lassen“, betont Steinbichler.

Tafeln wollen Grundversorgung aufrecht erhalten

Sie will mit ihrem Team eine gewisse Grundversorgung der Menschen aufrechterhalten. Dies ist auch dank vieler Spender möglich, auf die die Tafel zurückgreifen kann. Bei der Warenausgabe – in dieser Woche nur in reduzierter Form – hat auch die Wasserburger Tafel strenge Sicherheitsvorschriften beachtet. 130 Personen versorgt derzeit die Tafel in Prien. Deren Leiterin Susanne Blöchinger darf sich über eine Spontanhilfe der Kommune freuen. Aus einem Sozialfond schießt sie der Tafel einen fünfstelligen Betrag zu. Blöchinger hat allerdings noch eine andere Sorge: Sie würde noch zehn bis 20 ehrenamtliche Helfer benötigen, um den Tafelbetrieb leichter schultern zu können.

Quellen der Tafel versiegen langsam

Vorerst kapituliert haben mittlerweile die Helfer der Bruckmühler Tafel. Dort wurden am vergangenen Donnerstag zum letzten Mal Lebensmittel ausgegeben. Deren Chefin Christine Stieber und ihre Helfer können im Normalfall bei ortsansässigen Firmen Lebensmittel für den zu versorgenden Personenkreis abholen. „Diese Quellen sind erst einmal versiegt“, erzählt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Für den „Schlussverkauf“ – in Bruckmühl werden 320 Bedürftige versorgt – tat sich dafür eine ganz neue Quelle auf. Da die IHK-Akademie in Westerham ihr Tagungshotel schließen musste, spendete sie ihre restlichen Lebensmittel für die Tafel. Die Spende umfasste einen vollen Anhänger.

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