Mit Klaus Wöhrl vom ADAC-Pannendienst unterwegs auf der Autobahn

Hamster hinter den Armaturen

Keine guten Nachrichten überbrachte der Pannenhelfer den Besitzern dieses Wohnmobils. Das Auto musste abgeschleppt werden.
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Keine guten Nachrichten überbrachte der Pannenhelfer den Besitzern dieses Wohnmobils. Das Auto musste abgeschleppt werden.

Rosenheim - Weit ist Familie Adamann nicht gekommen: Nach knapp 60 Kilometern ist ihre Urlaubsreise nach Kroatien beendet. Die Münchner haben das ganze Auto voll gepackt, die Kinder Paul und Tobias freuen sich schon aufs Baden im Meer.

Und dann das: Ein Warnlämpchen des Opel leuchtet auf, und wenn Vater Eric Gas geben will, beschleunigt der Wagen nicht. "Wir haben ja noch so viele Kilometer vor uns und bekamen einfach Angst, dass das Auto noch komplett kaputt geht", drückt Mutter Katja die Sorgen aus, die der ganzen Familie ins Gesicht geschrieben sind. "Also sind wir gleich von der Autobahn runtergefahren", erklärt sie. So sind sie auf einem Parkplatz in Übersee am Chiemsee gelandet, wo sie auf ihren Helfer in der Not warten.

Die heutige Schicht von ADAC-Pannendienst-Mitarbeiter Klaus Wöhrl hat gerade begonnen, als ihm sein Bordcomputer Familie Adamann als erste "Kundschaft" ankündigt. Also geht die erste Fahrt des Rosenheimer "Gelben Engels" über die Autobahn A8 Richtung Chiemsee. Wöhrl ist Kfz-Meister und schon seit 15 Jahren für den ADAC-Pannendienst unterwegs. Sein Einsatzgebiet reicht von München nach Salzburg und von Wasserburg nach Kufstein. "An einem Samstag in den Ferien ist da natürlich jede Menge los", sagt er. Sein Auftragssystem habe um kurz vor 9 Uhr bereits über 1000 Einsätze verbucht.

"Meistens liegt es an der Batterie, wenn ein Auto liegenbleibt", erklärt der Fachmann. Weitere häufige Gründe seien Störungen am Motor oder Marderbisse. Meist könne er die Fahrzeuge richten, wenn auch manchmal nur provisorisch. Stolz berichtet er von einer 85-prozentigen Erfolgsquote. Dafür hat er eine gut ausgestattete kleine Werkstatt in seinem Einsatzfahrzeug. Doch wenn man für die Reparatur bestimmte Ersatzteile braucht, dann kann auch der Pannenhelfer nichts tun.

Das ist bei Familie Adamann zum Glück nicht der Fall. Wöhrl hat bereits seinen Laptop angesteckt und liest die Daten des Opel aus. Ein Signalfehler im Rußpartikel-Differenzdrucksensor wird angezeigt. Da das Auto fahre und nichts Schlimmeres kaputt gehen könne, rät er den Münchnern zur Weiterfahrt. Die sind erleichtert und froh, dass es weitergehen kann.

"Natürlich sind die Leute, zu denen ich komme, oft verzweifelt", sagt Wöhrl. Schließlich sei das, was er täglich mache, für sie eine Ausnahmesituation. Hin und wieder erlebt der Kfz-Meister dabei auch kuriose Dinge. So habe er schon einmal einen Hamster befreien müssen, der sich hinter den Armaturen versteckt habe. "Der ist über die Lüftungsschlitze reingekrabbelt, unter dem Schaltknüppel habe ich ihn dann gefunden", erzählt er schmunzelnd. Außerdem habe sich einmal in einer Verkettung unglücklicher Zufälle eine Frau in ihrem modernen und hochtechnischen Auto eingesperrt. "Sie hatte auch kein Handy dabei und musste erst jemanden draußen auf sich aufmerksam machen, der uns dann verständigt hat", so Wöhrl.

In einer misslichen Lage stecken auch Aylahan und Mustafa Kaman. Sie haben es mit ihrem Wohnmobil gerade noch hinter die Absperrung einer Baustelle mitten auf der Autobahn geschafft. "Der Motor geht immer wieder aus und springt dann auch nicht gleich wieder an", erklärt Aylahan Kaman. Das Ehepaar hat gerade eine dreiwöchige Reise quer durch Südosteuropa hinter sich und war auf dem Heimweg nach Tübingen, als sein Fahrzeug auf der A8 liegen blieb. "4000 Kilometer sind wir gefahren, und jetzt muss so etwas passieren", sagt Mustafa Kaman kopfschüttelnd. Pannenhelfer Wöhrl hat für die beiden keine guten Nachrichten: Sie müssen abgeschleppt werden. "Weiterfahren wäre viel zu gefährlich, wenn der Motor spinnt", erklärt er. Direkt auf der Autobahn sei es außerdem zu riskant, eine lange Fehlerdiagnose zu starten.

Wöhrl hat da schon einige schlechte Erfahrungen gemacht. "Die Autofahrer achten überhaupt nicht darauf, wenn hier jemand steht", sagt er. Zu schnell und mit zu wenig Abstand würden sie an einem vorbeirauschen. Ihm sei zwar noch nie etwas passiert, oft habe ihn aber nur ein Schritt in letzter Sekunde vor Schlimmeren bewahrt. Wöhrl organisiert einen Abschlepper für das Wohnmobil, und das Ehepaar Kaman wird die Heimreise voraussichtlich in einem Leihwagen fortsetzen müssen. "Da rentiert sich die ADAC-Mitgliedschaft", so Wöhrl. Denn Pannendienst, Abschleppen und Leihwagen, das würde sonst sehr teuer werden.

Schon beim nächsten Einsatz kann er für die Weiterfahrt der Betroffenen aber wieder grünes Licht geben. Die Stuttgarter René Haugk und Tanja Krug-Haugk sind mit ihren Kindern Patrick und Nick auf der Heimfahrt vom Waginger See bei Bernau liegengeblieben. Der Mercedes kann nicht mehr beschleunigen. Kfz-Meister Wöhrl steckt seinen Kopf unter die Motorhaube, steckt seinen Laptop an und hat das Problem schnell gefunden. "Das Abgasrückführungsventil ist verklemmt, der erstickt an seinen eigenen Abgasen", erklärt er. Mit einem Hammer schlägt er ein paarmal leicht auf das Ventil - und schon läuft wieder alles rund.

Ein bisschen tüfteln und bei jedem Einsatz etwas Neues - das macht für Wöhrl die Faszination seines Berufes aus. Allerdings müsse man heute auch mit dem Hilfsmittel Computer zurechtkommen. "Die Autos sind inzwischen komplexe, fahrende PC", sagt er. Generell seien die Fahrzeuge heute sehr zuverlässig, doch würden auch mehr Kilometer und mit höherer Geschwindigkeit gefahren. Leicht rückläufig seien die Einsatzzahlen der ADAC-Pannenfahrer, erklärt Wöhrl. Davon ist an einem Samstag in den Ferien nichts zu spüren. Denn der Bordcomputer von Klaus Wöhrl kündigt schon die nächste Panne und einen weiteren Einsatz an.

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