Hängt den Wolf beim „Putzigkeitsfaktor“ um Längen ab: Spektakulärer Besuch in Bad Feilnbach

Griaß eahna! Ein Murmeltier entdeckte Michael Stumpf kürzlich in seinem Garten in Bad Feilnbach. Eigentlich gelten die Tiere als scheue Bewohner von Hochgebirgsregionen. Nun wagen sie sich auch schon ins Tal.
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Griaß eahna! Ein Murmeltier entdeckte Michael Stumpf kürzlich in seinem Garten in Bad Feilnbach. Eigentlich gelten die Tiere als scheue Bewohner von Hochgebirgsregionen. Nun wagen sie sich auch schon ins Tal.

Die ganze Region spricht über den möglichen Wolf, der in der Region Schafe gerissen haben könnte. Dabei hat sich leise, still und heimlich ein Tier nach Bad Feilnbach geschlichen, das dort auch niemand erwarten würde. Und noch dazu den Wolf beim Putzigkeitsfaktor um Längen schlägt.

Von Kathrin Gerlach

Bad Feilnbach – Und plötzlich grüßt das Murmeltier. Michael und Karin Stumpf staunten nicht schlecht, als sie kürzlich in ihrem Garten in Bad Feilnbach ein waschechtes Murmeltier entdeckten. Denn eigentlich kommt das Mankei, wie das Tier in Bayern auch genannt wird, nur in den Gebirgshöhenlagen der Alpen vor. „Auch am Wildalpjoch und in der Nähe des Wendelsteins wurde er schon gesehen“, weiß Josef Hoheneder, Berufsjäger aus Brannenburg. Nun wagt sich das Murmeltier auch ins Jenbachtal hinab.

In Feiln-, Flints- und Fischbach gesichtet

Das Anwesen der Stumpfs liegt am Ortsrand auf einer Höhe von 529 Metern. Hier erkundete der seltene Besucher in aller Ruhe den Garten. „Wir haben einen verlassenen Dachsbau und einen Wallnussbaum – vielleicht hat ihn das ja angelockt“, vermutet Stumpf.

Dass immer öfter Murmeltiere den Berg verlassen und in die Dörfer kommen, hat Sepp Hoheneder auch schon aus Großholzhausen und Flintsbach gehört. „Erst vor wenigen Tagen soll in Fischbach ein Murmeltier in einem Garten beim Äsen von Blumen und Gräsern beobachtet worden sein“, berichtet er. „Doch wieso die Murmeltiere jetzt auch in den Tälern angetroffen werden, dafür habe ich wirklich keine Erklärung. In meiner langen Berufsjägerlaufbahn habe ich so etwas in 50 Jahren nicht erlebt.“

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Helmut Schwentner aus dem grenznahen Ebbs hat eine Vermutung. Er kennt das Murmeltier aus vielen Berufsjahren als Förster und Jäger. „Jetzt ziehen die Murmeltiere ihre Jungen auf und vertreiben die Zweijährigen aus dem Familienverbund“, erklärt er. „Kein Wunder also, dass sie auf der Suche nach neuem Territorium auch mal bis in die Niederungen heruntergehen, dann aber schnell wieder verschwinden.“ Inzwischen sei es keine Seltenheit mehr, typische Bergbewohner in den Tälern anzutreffen. „Selbst Gamswild überquert schon den Inn“, so Schwentner. Dass Murmeltiere wie Füchse, Waschbären oder Marder auch in die Städte einziehen, glaubt er genauso wenig wie Hoheneder.

Ganzjährige Schonzeit in Deutschland

Während die Murmeltiere in Deutschland ganzjährige Schonzeit haben, dürfen sie in Österreich bejagt werden. Nach einem strengen Abschussplan soll die Population so reguliert werden. „Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass das Murmeltier auch künftig in all seinen angestammten Revieren noch anzutreffen ist und wildern Murmeltiere dort aus, wo sie fehlen“, erklärt Schwentner.

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In Österreich ranken sich um den Mankei traurige und drollige Nachrichten. Auf den Almen kann er mit seinen ausgedehnten Gangsystemen und Bauen auch großen Schäden anrichten. Deshalb soll ein Bauer im Zillertal vor zwei Jahren absichtlich Gülle in einen Murmeltierbau eingeleitet haben, um die Tiere zu ertränken.

Tiere lassen sich Kekse der Touristen schmecken

Da sind die Geschichten von den putzigen Bettlern an der Großklockner-Hochalpenstraße schon erfreulicher, wo sie sich die Kekse der Touristen schmecken lassen. „So drollig das auch sein mag. Ich kann das nicht gutheißen“, betont Schwentner. Denn: „Wild soll Wild bleiben.“

Wurzeln, Gräser, Blätter, Blüten und Kräuter haben es dem Murmel angetan. Und so ist es durchaus verständlich, wenn sich das eigentlich menschenscheue Tier heimlich in den saftigen Gärten am Fuße der Berge labt. Schließlich muss er sich ordentlichen Winterspeck anfressen, um für den Winterschlaf von September bis April gerüstet zu sein.

Eine neue Attraktion für Touristen?

Ute Preibisch, die Leiterin von Kultur und Tourismus in Bad Feilnbach, ist hellauf begeistert, als sie vom Feilnbacher Murmeltier hört. Könnte das vielleicht eine neue Touristenattraktion in der Gemeinde werden? „Dafür müsste sich das Murmeltier wohl öfter und planbarer zeigen“, sagt sie lachend. Die sensationelle Beobachtung von Michael Stumpf greift sie sofort auf und initiiert eine Aktion: „Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr Fotos von Murmeltieren in unserer Gemeinde bekämen“, ruft sie die OVB-Leser auf. Wer den seltenen Gast entdeckt, kann sein Foto unter der E-Mail info@bad-feilnbach.de an die Touristinformation senden und darf sich im Gegenzug über eine kleine Überraschung freuen. Und vielleicht avanciert das Murmel ja so zum neuen Glücksbringer von Bad Feilnbach.

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