„Uns wurde Hilfe verweigert“

Nach Corona-Ausbruch in Gollenshausener Pflegeheim: Heimleiter klagt Behörden an

 Von einem massiven Corona-Ausbruch betroffen war das Pflegeheim „Haus Chiemsee – Wohnen & Pflege“ in der Lienzinger Straße im Ortsteil Gollenshausen in der Gemeinde Gstadt am Chiemsee. 
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 Von einem massiven Corona-Ausbruch betroffen war das Pflegeheim „Haus Chiemsee – Wohnen & Pflege“ in der Lienzinger Straße im Ortsteil Gollenshausen in der Gemeinde Gstadt am Chiemsee. 
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Für Aufsehen – aber auch Verwirrung hat am Freitag ein Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Gstadter Ortsteil Gollenshausen gesorgt. Betroffen war das Pflegeheim „Haus Chiemsee – Wohnen & Pflege“ in der Lienzinger Straße. Der Heimbetreiber übt harte Kritik: „Die Heimaufsicht hat uns Hllfe verweigert.“

Gstadt - Der Hintergrund der Aktion war zunächst unklar, auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd konnte auf Anfrage keine genaueren Angaben machen. Behörden waren zu dem Zeitpunkt für weitere Anfragen nicht mehr erreichbar.

Alle 54 Bewohner wurden positiv auf Covid-19 getestet.

Aufklärung zu dem Einsatz brachte am Samstagvormittag eine Presseerklärung des Rosenheimer Landratsamtes mit folgendem Wortlaut: „Seit Freitagnachmittag wird das Pflege- und Serviceteam in einem Pflegeheim in Gollenshausen in der Gemeinde Gstadt unterstützt. Bewohner und Personal sind massiv von Covid-19 betroffen. Alle 54 Bewohner wurden positiv getestet. Elf davon waren in Krankenhäuser verbracht worden, die übrigen 43 halten sich im Pflegeheim auf, eine Vielzahl ist auf dem Weg der Besserung. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich infiziert, zwölf waren am Freitag in Quarantäne.“

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Katastrophenschutz organisiert Einsatz

Da in Bayern der Katastrophenfall gelte, habe der Katastrophenschutz im Landratsamt Rosenheim eine örtliche Einsatzleitung organisiert, hieß es weiter. Darüber hinaus habe ein Team aus einem leitenden Notarzt und zwei Ärzten jeden Bewohner gesichtet und sich, wenn nötig, um dessen medizinische Versorgung gekümmert. Und weiter: „Der Rettungsdienst stellte Personal, um im Service zu unterstützen und das Pflegepersonal zu entlasten. Mitglieder der Feuerwehr halfen unter anderem durch Besorgungen. Ziel ist, dem Personal so unter die Arme zu greifen, dass der Betrieb im Heim aufrechterhalten wird.

Schwere Vorwürfe vom Heimbetreiber

„Der Einsatz kam eigentlich zu spät“, sagte gestern Heimbetreiber Thomas Mühlnikel auf Anfrage den OVB-Heimatzeitungen. Er bestätigte den Corona-Ausbruch in dem Heim, „allerdings war der bereits vor mehr als zwei Wochen. Wir sind mittlerweile komplett durch, alle Bewohner sind laut Testungen negativ, unser Heim läuft wieder im Normalbetrieb“.

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„Wir haben sie angefleht, uns irgendeine Hilfestellung zu geben“

Der Infektionsausbruch sei sofort dem Landratsamt gemeldet worden. „Wir hatten nach eigenen Schnelltests bei den Bewohnern Landratsamt, Gesundheitsbehörde und Heimaufsicht informiert und um Hilfe gebeten, auch mit dem Hinweis, dass unsere Mitarbeiter betroffen sind“, sagte der Heimbetreiber gestern unserer Zeitung. „Die Heimaufsicht hat darauf aber nicht reagiert. Wir haben sie angefleht, uns irgendeine Hilfestellung zu geben, bekamen von einem Mitarbeiter aber immer nur dumme Sprüche, wie er sei nicht zuständig und wir sollten doch umliegende Heime um Unterstützung fragen. In unserer Verzweiflung haben wir sogar bei der Bundeswehr angerufen, ob sie uns Sanitätspersonal schicken könnte.“

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„Heimaufsicht hat Hilfe verweigert“

Das hochbelastete Personal habe zusammengehalten und mit eigenen Kräften die Problemlage in dem Heim bewältigt, „und jetzt sind wir durch. Obwohl einige von uns – auch ich und meine Frau – an Corona erkrankt sind, haben wir es geschafft, wir haben wieder einen vollkommen ruhigen Heimbetrieb“, so Mühlnikel. „Der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes, Dr. Hierl, hat uns am Freitag bestätigt, dass im Haus alles passt und die Bewohner alle gut versorgt sind.“ Dann geht Mühlnikel mit der Heimaufsicht hart ins Gericht: „Ich werfe der Behörde komplettes Versagen vor – sie hat uns jegliche Hilfe verweigert. Wir haben stattdessen nur Formulare und Statistiken per E-Mail bekommen.“ Er kündigt Konsequenzen an: „Derzeit protokollieren wir alle Telefonate, Emails und Schriftstücke für eine Dienstaufsichtsbeschwerde.“

Keine Stellungnahme seitens der Behörden

Für Anfragen waren die Behörden gestern sonntagsbedingt nicht erreichbar. Rettungsdienstleiter Thomas Neugebauer vom Kreisverband Rosenheim des Roten Kreuzes verwies auf die Pressestelle des Landratsamtes, auch Gstadts Bürgermeister Bernhard Hainz lehnte eine Stellungnahme ab.

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