Streit um die Brennerstudie: Wussten die Demonstranten, für was sie auf die Straße gehen? 

Schlecker

Großkarolinenfeld –  Beide engagieren sich in der Kommunalpolitik, beide bezeichnen sich als überparteilich. Da enden derzeit aber auch schon die Gemeinsamkeiten von Großkarolinenfelds Bürgermeister Bernd Fessler und seinem Stephanskirchener Amtskollegen Rainer Auer.

Man streitet. Und zwar über die Vieregg-Rössler-Studie für den Brennerzulauf. Fessler sagt, die Bürgerinitiativen hätten die Bürger aus Großkarolinenfeld nicht ausreichend und vor allem rechtzeitig informiert.

Das bestreitet Auer als einer der Auftraggeber der Studie. Und jetzt verwende Fessler die Studie für politische Manöver. In aller Kürze: Fessler mahnt „Transparenzbedarf“ an, Auer beklagt „Wahlkampfgetöse“.

Viele Bürger stehen den Plänen der Bahn skeptisch gegenüber, lehnen den Bau einer neuen Strecke mit zwei zusätzlichen Gleisen ab und machen sich stattdessen für den Ausbau der bestehenden Strecke stark.

Die Befürworter dieser Bestandsstrecke haben sich in einer Vielzahl von Bürgerinitiativen organisiert, rund 3000 von ihnen nahmen Mitte Februar an einem Sternmarsch mit Protest-Kundgebung auf dem Max-Josefs-Platz in Rosenheim teil.

Gut oder schlecht für Großkarolinenfeld?

Viele Menschen aus Großkarolinenfeld und Umgebung aber, so sieht es Bernd Fessler, seien unter falschen Voraussetzungen auf die Demo gegangen. Sie hätten gedacht, so sagt es Fessler, dass unter Bestandsstrecke die gegenwärtige Strecke zu versehen sei, mitten in Großkaro gelegen, mit Bahnhof im Herzen der Gemeinde.

Dem ist aber nicht so. Eine Version der Vieregg-Rössler-Planung führt links herum, die andere rechts herum. 

Die Trassen aus der Vieregg-Rössler-Planung.

Die Großkarolinenfelder, mit denen er nach dem Protestmarsch gesprochen habe, berichtet Fessler, fühlten sich „verarscht“, ja gar „missbraucht“. Man muss dazu sagen, dass die Vieregg-Rössler-Trasse tatsächlich einschneidende Folgen für Großkarolinenfeld hat. 

Ob eher positiv oder eher negativ, kommt auf den Standpunkt an.

Bahnhof außerhalb von Großkarolinenfeld

Vor allem die westliche Trasse würde bedeuten, dass der Bahnhof weit von Großkarolinenfeld wegrückt. „Der Bahnhof ist jetzt fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar“, sagt Fessler. „Künftig müssen die Menschen mit dem Auto hinfahren.“ Die vorgesehenen Verlagerungen des Bahnhofs in den Außenbereich würde die Nahverkehrssituation für Pendler aus Großkarolinenfeld also „tendenziell verschlechtern“.

Und: Vor allem die Großkarolinenfelder, auf deren Grundstücke die neuen Gleise verlegt werden müssten, reagierten irritiert bis verärgert, sagt Fessler.

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Andererseits, so sagt es Rainer Auer, biete die Planung große Vorteile gegenüber der jetzigen Situation. „Wir haben sogar gedacht, wir tun Großkarolinenfeld einen Gefallen.“ 

Für Großkarolinenfeld sei in den Planungen der Bahn schließlich ein „Verknüpfungspunkt“ vorgesehen, ein zweistöckiges Monstrum in der Mitte der Gemeinde. „Wenn mir schon die Verlagerung des Bahnhofs Panik einflößt“, sagt Auer, „dann würden mich die Planungen der Bahn gleich noch viel panischer machen.“ Mitten durch den Ort? „Das wäre um ein Vielfaches schlimmer“, sagt auch Thomas Riedrich. Als Vorsitzender der Bürgerinitiative Brennerdialog gehört er wie Auer zu den Auftraggebern der Studie.

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Erst zu spät und dann zu früh

In dem Streit geht es aber natürlich nicht nur um planerische Details, sondern mindestens ebenso stark auch darum, wer was verkünden darf und soll. Und vor allem: wann.

Wer so etwas plane, „muss die jeweils betroffenen Bürger auch entsprechend informieren“, sagt Fessler. Was so viel bedeutet: rechtzeitig, also vor dem Aufruf zum Protestmarsch.

Was ja geschehen sei, wie Rainer Auer sagt. Den Entwurf der Studie habe er im Januar an seinen Amtskollegen weitergereicht, „eben weil wie gesehen haben, dass Großkarolinenfeld ziemlich betroffen ist“. Allerdings habe er dann wochenlang nichts mehr gehört. Vier Tage nach der Demo habe er Fessler über den neuen Planungsstand informiert und ihn um Geuld gebetene. „Es wäre vermutlich klug, das noch abzuwarten, weil Du dann wesentlich genauere Infos (auch eine schriftliche Beschreibung) hättest“, zitiert Auer aus seiner E-Mail an Bernd Fessler. Dass Fessler jetzt über den Entwurf informiere, sei nichts als Wahlkampf. „Er macht ein CSU-Ding draus, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich‘s ihm nicht erlaubt.“

Bernd Fessler hat für Donnerstag, den 5. März, um 13 Uhr einen Info-Rundgang am Bahnhof Großkarolinenfeld (13 Uhr) angesetzt. „Auch die Landratskandidaten sind herzlich eingeladen.“ 

Rainer Auer aber, als Landratskandidat der ÜWG, der habe leider nicht zugesagt. Stimmt, sagt Rainer auf und verweist auf die offizielle Vorstellung der Studie am 10. März: „Wir wollen nichts Halbfertiges präsentieren.“

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