OVB-Serie Herbstfest-Erinnerungen

Große Rosenheimer Wiesn-Sünden: Nicht alle kehren den feinen Maxe heraus

Heimat, die unter die Haut geht.  Stuffer, Heuser, Simeth
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Heimat, die unter die Haut geht. Stuffer, Heuser, Simeth
  • Ludwig Simeth
    vonLudwig Simeth
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Sehen und gesehen werden. Auffallen, eine gute Figur machen und herzeigen, was man hat. Das gibt es nicht erst seit Facebook, Instagram und Twitter. Auf dem Rosenheimer Herbstfest gehört das schon immer dazu.

Rosenheim – Seit 160 Jahren ist die Wiesn ein großes Sammelbecken der Sitten und Unsitten, der Geschmäcker und Mode-Verweigerer, von Tradition und Moderne. Die einen kehren den feinen Maxe heraus, die anderen wollen auffallen um jeden Preis – und so ist die Wiesn seit jeher ein Königreich für Gscheidhaferl, Ratschkathln und Zwiderwurzn, um sich das „Mei“ zu zerreißen über so manche „Bagasch“.

Bildergalerie: Rosenheimer Wiesn-Sünden

Keine Sünde – aber Straftat.
Gewagtes Gelb: BVB-Look.
Hoppala: Stilloser Auftritt.
Ein Flop: Wiesn-Flip-Flops.
Bildergalerie: Rosenheimer Wiesn-Sünden

Sicher der Wiesn-Sünder schlechthin: der unbekannte Mann, der im August 2000 in der Badehose einen Bummel über die Loretowiese machte. Ob er direkt vom Simssee oder Happingerausee kam? Das lässt sich 20 Jahre danach ebenso wenig klären wie die Frage, ob sein Besuch störungsfrei verlief. Der strenge Blick eines Mannes Hutträgers auf dem Bild historischen Schwarz-Weiß-Bild von 2000 deutet jedenfalls darauf hin, dass der Millenniums-Textilverweigerer mit seinem eigenwilligen Outfit baden gegangen sein könnte.

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Vielleicht aber auch nicht. Schließlich ist das Herbstfest eine traditionsbewusste Wiesn, aber auch ein weltoffenes Spektakel. Sich mitten in Oberbayern im knallgelben Dortmunder Trikot des ewigen FCB-Rivalen ins Getümmel stürzen – hier geht das. Einen Masskrug mitzunehmen und ans Fahrrad zu hängen, ist allerdings keine Mini Wiesn-Sünde. Das ist Diebstahl und bringt Ärger mit der Polizei.

Fake-Tracht gibt es auch

Was verboten ist und was erlaubt – das ist im Gesetzbuch festgeschrieben. Nicht so bei der Mode. So gehört auch die Minderheit im großen, bunten Wiesn-Volk, die auf Stilsicherheit, Moden und Traditionen zumindest rein äußerlich pfeift, immer schon dazu: die Männer und Frauen, die Cowboystiefel, Turnschuhe oder Flip-Flops zur Tracht anziehen, glänzende Strumpfhosen unterm Glitzer-Dirndl tragen und Neon-Daunenjacken darüber, oder in Karohemden mit aufgedruckten Hosenträgern schlüpfen. Diese kleinen und großen Modesünden zeigen vor allem eins. Die Fake-Tracht gab es schon vor den Fake-News.

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