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„SO ENG MITEINANDER VERBANDELT“

Grenzschließung zwischen Tirol und Bayern ist für die Wirtschaft im Grenzraum fatal

Sie schildern die akuten Probleme in der Arbeitswelt im Grenzraum: IHK-Vize Georg Dettendorfer, Präsident der Euregio Inntal Professor Walter Mayr, Kammerobmann Manfred Hautz sowie Firmenchef Wolfgang Engl aus Tirol und Geschäftsführer Heinz Ritzer aus Bayern.
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Sie schildern die akuten Probleme in der Arbeitswelt im Grenzraum: IHK-Vize Georg Dettendorfer, Präsident der Euregio Inntal Professor Walter Mayr, Kammerobmann Manfred Hautz sowie Firmenchef Wolfgang Engl aus Tirol und Geschäftsführer Heinz Ritzer aus Bayern.

Die Grenzregion zwischen dem Tiroler Unterland und Bayern bildet seit vielen Jahren eine Euregio-Region, wirtschaftliche Verbindungen werden täglich gelebt und gepflegt. Was jedoch derzeit politisch abläuft, bereitet Unternehmern und Menschen beidseits der Grenzen größte Sorgen. „Wir fordern von der Politik mehr Empathie der Wirtschaft gegenüber“, so Manfred Hautz, Obmann der Wirtschaftskammer (WK) Kufstein.

Rosenheim/Kufstein – Bei einem Pressegespräch in der WK Kufstein schilderten Unternehmer ihre Probleme. Georg Dettendorfer, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern und selbst Speditions- und Frachtunternehmer: „Die Bürokratie ist mittlerweile unüberwindbar.“ Um alle Regeln einhalten zu können, müsse man 47 Seiten an Vorschriften täglich durcharbeiten. Mitarbeiter und Fahrer seien am Verzweifeln.

Die langen Wartezeiten an Grenzen und an Teststationen würden die Güterbeförderung unberechenbar machen. Lieferketten könnten nicht mehr eingehalten werden, manche Produktion müsse eingeschränkt oder ausgesetzt werden aufgrund fehlender Rohstoffe aus Italien. „Wir machen teilweise Umwege über die Schweiz oder über Tarvis“, so der Unternehmer. Durch Testungen und Bürokratie entstünden Kosten, die nicht weiterverrechnet werden können. Dettendorfer befürchtet, dass etliche Transportunternehmen schließen werden.

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Tirol machte Test für bayerische Lkw-Fahrer möglich

Als Vizepräsident der IHK für München und Oberbayern bedankte sich Dettendorfer bei Tirol, das dazu beigetragen habe, dass für die bayerischen LKW-Fahrer das Testen möglich war. Von bayrischer Seite wurden Test zwar innerhalb kürzester Zeit verlangt, es gab aber keine Infrastruktur dafür. „Das alles zieht einen Rattenschwanz nach sich, von dem die Politiker keine Vorstellung haben“, kritisiert er und fordert die sofortige Aufhebung der Grenzkontrollen oder zumindest die Wiederherstellung des Grenzregimes wie vor dem 14. Februar. Auch der Abbau bürokratischer Hürden und die Einrichtung zentraler Melderegister seien sofort in Angriff zu nehmen.

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In der Firma Halton Foodservice GmbH in Reit im Winkl arbeiten 70 Mitarbeiter aus Tirol. Durch gute Kontakte zu den Landratsämtern wurde der Betrieb als systemrelevant eingestuft und damit die Einreise der Mitarbeiter möglich. „Es beschäftigen sich mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen in der Firma ganztägig mit der Abwicklung der Grenzübertritts- und Testbürokratie,“ so Geschäftsführer Heinz Ritzer, der auch die gesellschaftliche Spaltung der Belegschaft in der Firma in getestete Tiroler und ungetestete Bayern bemerkt.

Spezialbauunternehmer hat täglichen Schaden im fünfstelligen Bereich

Wolfgang Engl hat sein Kran- und Spezialtiefbauunternehmen in Schwoich, 50 Prozent seines Umsatzes macht er in Bayern. Über mehrere Tage seien sie nicht mehr zu ihren Baustellen und Lagerplätzen in Bayern gekommen. „Der wirtschaftliche Schaden für meine Firma bewegt sich pro Tag in einem fünfstelligen Euro-Bereich,“ berichtet Engl. Er sieht die Willkür an der Grenze als sehr problematisch. Manche Mitarbeiter kämen über die Grenze, manche würden abgewiesen. Eine große Maschine habe man zur Reparatur verladen müssen, sie sei im Grenzraum von einem deutschen Servicemitarbeiter repariert worden. Sehr große Probleme bereitet ihm auch fehlende Planbarkeit zukünftiger Projekten. Langjährige Kunden gäben keine Aufträge mehr, weil unsicher sei, ob und wann er wieder ungehindert in Bayern arbeiten darf.

„Unsere Region ist so eng miteinander verbandelt. Es kann doch nicht das Ziel der Politik sein, dass Arbeitsplätze verbrannt werden“, zeigt sich Hautz entrüstet. „Es gibt fast keine Möglichkeit mehr für Handwerker, beidseits der Grenze Aufträge auszuführen beziehungsweise angefangene Aufträge fertigzustellen.“ Das Bild von einer Grenze zwischen Tirol und Bayern, bei der die Polizei und das Militär mit Sturmgewehren Kontrollen durchführt, werde nachhaltig extrem negative Auswirkungen haben.

Mangelnde Abstimmung macht es auch für Landratsämter schwierig

Auch Dettendorfer kritisiert die mangelnde Abstimmung zwischen München, Innsbruck, Berlin und Wien. „Die Verantwortlichkeiten werden hin und her geschoben. Die Landratsämter wissen oft gar nicht Bescheid“, sagt er. Fast 50 Prozent der bayerischen und 85 Prozent der Tiroler Unternehmen sind negativ von der Grenzschließung betroffen, zeigen Blitzumfragen.

Laut Professor Walter Mayr, Präsident der Euregio Inntal, pendeln 6000 Arbeitnehmer täglich nach Bayern. Es sei wichtig, einen Grenzbezirk zu definieren, in dem man sich frei bewegen kann. re

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