OVB-Leser erzählen

Pendler und Schüler verzweifeln an der Grenze zu Tirol an Ein- und Ausreisebestimmungen

Bei den Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich bleiben für viele Pendler Fragen offen, ob sie nach der Rückreise in Quarantäne müssen oder nicht.
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Bei den Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich bleiben für viele Pendler Fragen offen, ob sie nach der Rückreise in Quarantäne müssen oder nicht.
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Seit der Nacht auf Sonntag (14. Februar) herrschen strenge Regeln bei der Ein- und Ausreise nach Tirol - sowohl von deutscher als auch von österreichischer Seite. Die Klagen häufen sich, dass vieles nicht so läuft, wie von der Politik geplant. Manche hat man wohl einfach nur vergessen.

Rosenheim– Es herrscht gelinde gesagt Verwirrung an der deutsch-österreichischen Grenze. Die seit der Nacht von Samstag auf Sonntag geltenden Regeln für den Grenzübertritt nach Deutschland sorgen gerade bei Pendlern inzwischen für haufenweise Ärger. Und für mitunter absurde Situationen. Eine OVB-Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, schildert, dass sie darum bangen musste, ihren vierjährigen Enkel nicht vom Kindergarten Niederndorf auf Tiroler Seite abholen zu dürfen.

Falsche Auskunft von der Polizei?

Beim Grenzübergang Oberaudorf in Richtung Niederndorf habe sie von der dortigen Grenzpolizei die Auskunft erhalten habe, sie könne mit einem negativen Corona-Test nicht älter als 48 Stunden zurück nach Deutschland einreisen, ohne sich anschließend in Quarantäne begeben zu müssen. Umso überraschter war sie über eine E-Mail des hiesigen Gesundheitsamts.

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In dieser forderte die Behörde sie auf, sich zehn Tage in Quarantäne zu begeben – entgegen der vermeintlichen Auskunft der Grenzbeamten. Diese Beobachtung kann das Polizeipräsidium Oberbayern Süd nicht nachvollziehen. Die Landespolizei nimmt an einzelnen Grenzübergängen die Kontrollen vor. Dort ist man sich sicher, dass die Kollegen an besagtem Grenzübergang bestens geschult seien, was die geltenden Einreisebestimmungen angeht. Möglicherweise handle es sich um ein Missverständnis, wie ein Präsidiumssprecher vermutet.

Automatisierte E-Mails vom Landratsamt

Auch für die E-Mail gibt es eine Erklärung: Deren Versand erfolge automatisiert über eine Software des Bundes, wie das Rosenheimer Landratsamt auf Anfrage schildert. In diesem Schreiben sei jedoch eines vermerkt: die Möglichkeit der Empfänger, sich von der Quarantänepflicht zu befreien, indem sie der Behörde die Voraussetzungen hierfür nachweisen. Und dieser Personenkreis ist nicht mal sonderlich auserelesen: Gemäß der Bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung (EQV), auf der die geltenden Regeln fußen, gehören auch Personen dazu, die sich weniger als 72 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten haben und Verwandte ersten oder zweiten Grades besuchen. Damit könnten auch Großeltern ihre Enkel Problemlos aus der Kita auf der Tiroler Seite zurück nach Deutschland holen, ohne sich in Quarantäne begeben zu müssen.

Probleme auch für Pflegekräfte

Zu besagtem Kreis gehören auch Personen, „deren Tätigkeit für die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens sowie für die Pflege und Betreuung Pflegebedürftiger und von Menschen mit Behinderung dringend erforderlich und unabdingbar ist“, sprich: Pflegekräfte. Doch auch hier hakt es offenbar noch an der ein oder anderen Stelle, wie beispielsweise Angelika Resch berichtet. Sie arbeitet als stellvertretende Pflegedienstleiterin bei einem ambulanten Pflegedienst in Oberaudorf und schildert einen bürokratischen Wahnsinn, den sie, vor allem aber ihre Mitarbeiter inzwischen zu stemmen hätten. An der Grenze habe noch zu Wochenbeginn große Verwirrung geherrscht.

Einige dürfen passieren, andere nicht

Einige ihrer Mitarbeiter hätten die Grenze nach Deutschland passieren können, anderen habe man die Einreise verweigert. Und die besagte automatische E-Mail an die Pflegekräfte habe die Situation nicht unbedingt erleichtert. Zwar habe Resch für alle ihre Mitabeiter die notwendigen Bescheinigungen bekommen, doch bis dahin sei es ein weiter Weg gewesen. „Es gab keine Rückmeldung, wie lange es dauert“, klagt sie. Sie habe den halben Tag in telefonischen Warteschleifen verbracht.

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Sie zeichnet für sechs Pendler aus Tirol verantwortlich, die bei ihrem Pflegedienst beschäftigt sind. Und die müssten inzwischen ordnerweise Unterlagen mit sich führen, um die Grenze tatsächlich passieren zu dürfen. Hinzu kommen die geforderten Corona-Tests alle zwei Tage und die längere Fahrtzeit durch die Grenzkontrollen. „Wir sind am Limit“, sagt Resch von sich und ihren Kollegen.

Langer Weg nach Hause

Auch Alexandra Huber vom Haus Christopherus in Brannenburg wird „langsam müde“ von der zunehmenden Bürokratie, mit der auch die Leiterin der Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche in Coronazeiten kämpfen muss. Auch sie berichtet von einer Mitarbeiterin aus Tirol, die nach ihrer Anmeldung zur Einreise nach Deutschland auf elektronischem Wege Post vom Rosenheimer Landratsamt bekam – mit der Aufforderung sich in häusliche Quarantäne zu begeben.

Ausnahmen im Kleingedruckten

Die Option, dieser Quarantäne zu entgehen, sei eher im „Kleingedruckten“ zu finden gewesen. Die Wartezeiten an den Grenzübergängen täten ihr Übriges, um ihren Mitarbeitern die Freude zu vergällen. Jenseits der Pflegekräfte sind Berufspendler nach Tirol einigermaßen mit den Nerven am Ende: Auch, weil die Befürchtung besteht, am Ende in Österreich unter Quarantäne zu stehen und nicht mehr ins Heimatland Deutschland zurückkehren zu dürfen.

Regeln gefährden Schulabschlüsse

Für Schüler gestaltet sich die derzeitige Situation ebenso schwierig. Oberaufdorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt hat sich inzwischen in einem offenen Brief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Kultusminister Michael Michael Piazolo gewandt. Für sich und seinen Kiefersfeldener Amtskollegen Hajo Gruber moniert er, dass 80 Schüler der Gemeinden nicht zu ihrem Gymnasium in Kufstein durchgelassen würden. „Für diese Schüler steht momentan de fakto der erfolgreiche Abschluss ihrer Schulkarriere auf dem Spiel“, mahnt er.

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Noch am Montag teilte die Münchner Bundespolizei mit, dass die Aus- und Einreise für Schüler, Auszubildende und Studenten möglich sei. Tatsächlich sieht die Einreise-Quarantäne-Verordnung in ihrer derzeitigen Form keine Ausnahmen für Schüler vor, wie inzwischen auch die Bundespolizei bestätigt. Das bedeutet auch für den 19-jährigen Nicolas Süs aus Niederndorf: Sein Abitur steht womöglich auf der Kippe. Er besucht die Berufliche Oberschule in Wassserburg, kann aber derzeit nicht nach Deutschland einreisen, um die nötigen Prüfungen für die Abiturzulassung ablegen zu können.

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