Kontrolle bleibt: Um Mitternacht werden Barrikaden an kleinen Grenzübergängen abgebaut

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser:Stichprobenartig soll die Polizei weiter den Grenzverkehr kontrollieren. Hier ein Blick auf die österreichischen Polizeibeamten am Grenzübergang in Reit im Winkl. hauser
  • Michael Weiser
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Punkt Mitternacht endet der Spuk: Beamte der Bundespolizei räumen in der Nacht auf Samstag die Sperren an den kleineren Grenzübergängen zu Österreich wie an der Staatsstraße Kiefersfelden und in Sachrang/Wildbichl.

Rosenheim – Bereits am Donnerstag hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Bundespressekonferenz verkündet, dass zwar einerseits die Kontrollen unter anderem der Grenzen zu Österreich, bis 15. Juni verlängert werden, dass aber gleichzeitig die Kontrollen gelockert werden.

Stichprobenartige Kontrollen

Seehofer kündigte an, dass stichprobenartige Kontrollen die systematischen Kontrollen ablösen. Dazu gehört, „dass wir alle Grenzübergangsstellen öffnen“, nachdem in den vergangenen Wochen der Grenzverkehr zu Zwecken der lückenlosen Kontrolle „kanalisiert“ worden sei.

Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei Rosenheim, betonte, dass man in Grenznähe in der Tat mit Kontrollen rechnen und sich auf einen wichtigen Grund berufen können müsse. Berufspendler und Güterverkehr dürfen weiterhin passieren, ab Samstag auch Menschen, die Familie oder ihren Lebenspartner besuchen wollen. „Wer aus touristischen Gründen reist oder aus Österreich kommt, um in der Rosenheimer Innenstadt einzukaufen, müsste abgewiesen werden“, sagt Scharf.

Golfplatz in Reit im Winkl bleibt geteilt

Keine Erleichterung verspürt Martin Scholtys, Clubmanager des Golfplatzes Reit im Winkl, der zu zwölf Löchern in Bayern, zu sechs Löchern aber in Tirol liegt. Ob mit gelockerten Kontrollen oder nicht, der Platz ist noch immer geteilt. „Die Deutschen dürfen zwölf Loch spielen“, sagt Martin Scholtys, „die Österreicher sechs Loch.“

Momentan überwiege die Freude, überhaupt wieder spielen zu dürfen, sagt der Platz-Manager, „ich höre aber mitunter auch Unverständnis: Seit 20 Jahren gibt’s Europa, und bei der ersten Krise wird die Grenze gleich zu gemacht.“

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Als großen Freund der bayerisch-tirolerischen Gemeinschaft bezeichnet sich Hajo Gruber, Bürgermeister von Kiefersfelden. Die Nachbarn in Tirol und Oberbayern begreifen einander mehr oder weniger bereits als eine Region. Das Gefühl der Gemeinsamkeit ist in Zeiten von Corona ein wenig abgekühlt, die Grenze war eben auf einmal nicht nur wieder sichtbar, sondern auch spürbar. „In Tirol haben‘s Corona ja mittlerweile auch ganz gut im Griff“, sagt Gruber.

Natürlich sei der Austausch für Kieferer und Kufsteiner fast lebensnotwendig, fügt er hinzu. Bei aller Sehnsucht nach alter Gemeinsamkeit, bei allem wirtschaftlichen Druck auf Händler und Gastronomen aber rät er zur Vorsicht: „Es ist so viel im Fluss, und Corona muss man ernst nehmen. Es wäre eine ganz schlechte Nachricht, wenn man wieder zu den strengen Beschränkungen zurückgehen müsste.“

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Horst Seehofer sprach am Donnerstag von politischen Einigungen. Noch nicht ganz klar war gestern, wie die Politik von der Polizei auf beiden Seiten der Grenze umgesetzt werden wird. Die Bundespolizei spricht von der Notwendigkeit „triftiger Gründe“, muss da aber vorerst vage bleiben. Man werde Vorgaben umsetzen, sobald sie kommen, heißt es. Seehofer kündigte an, dass derlei auf „Staatssekretärsebene“ zwischen den Deutschland und seinen Nachbarn besprochen werde.

In Tirol ist die Zahl der Neuinfektionen stark gesunken, die Region Rosenheim dagegen gilt noch immer als Corona-Hotspot. „Da weiß die Polizei manchmal vermutlich auch nicht mehr, was sie machen soll“, sagt Golfplatzmanager Scholtys. Er hat von einem Grenzgänger gehört, der von Beamten auf bayerischer Seite durchgewunken wurde, nur um ein paar Meter weiter von den Österreichern aufgehalten worden zu werden. „Die haben ihm gesagt: Hier ist für Sie Feierabend!“

Unklar ist auch, wie sich die Fortdauer der Kontrollen bis zum 15. Juni auswirken wird. Die wirtschaftliche Lage sei schwierig, man werde sparen müssen, sagt Scholtys. Dass die Hotels Ende Mai wieder aufmachen dürfen: Ob das ohne Gäste von der anderen Seite der Grenze so viel bringt?

Was Martin Scholtys sicher weiß: Die kuriose Geschichte seines geteilten Golfplatzes hat in Medien in ganz Europa die Runde gemacht.

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