Grassau:35-jähriger wegen Körperverletzungen, Bedrohung, Beleidigungen vor dem Schöffengericht Traunstein

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Unklar blieben die Hintergründe für eine Reihe von Straftaten, die einem 35-jährigen Grassauer zur Last liegen. In insgesamt vier Anklagen ging es um Streitereien, Körperverletzungen, Bedrohung, Beleidigungen und Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz.

Traunstein/Grassau – Das Schöffengericht Traunstein mit Vorsitzendem Thilo Schmidt hörte ein Dutzend Zeugen an und setzt die Hauptverhandlung am Montag, 3. August, um 10 Uhr mit noch fünf Zeugen fort.

Neun Einzeltaten sollte der arbeitslose Angeklagte mit zehn Einträgen im Bundeszentralregister laut Vorwürfen von Staatsanwältin Ulrike Lechner begangen haben. Dabei spielt die Haupttat im Umkreis von Bekannten des 35-Jährigen. Mit einem anderen Mann (49) und einer Frau soll er nach dem gemeinsamen Einkaufen am 19. Oktober 2019 durch eine eingetretene Haustüre in das Untermietzimmer eines 50-Jährigen Staudachers eingebrochen sein, in dem sich auch gerade eine 17-Jährige aufhielt.

Neun Einzeltaten werden vorgeworfen

Die Begleiterin des Angeklagten war die Ex-Frau des Geschädigten, die einen angeblich ihr gehörenden Fernseher, Playstation-Spiele und andere Sachen zurück haben wollte. Dabei soll der 35-Jährige mit der Faust zugeschlagen haben. Der 50-Jährige trug eine Platzwunde über einem Auge, ein Monokelhämatom und einen Nasenbeinbruch davon. Seine Vermieterin brachte den Blutüberströmten zu der jungen Frau und ihrem Vater, die die Polizei verständigten. Der Angeklagte mit Verteidiger Michael Vogel aus Traunstein zur Seite behauptete gestern, er habe das Haus gar nicht betreten.

Zwei Schläge bestätigt

Der 50-Jährige indes schilderte das Gegenteil. Allerdings räumte er ein, dass zumindest einige der Dinge tatsächlich seiner Ex-Frau gehört hätten. Er bestätigte zwei Schläge.

Mit dem Angeklagten, so der Zeuge, habe er sich inzwischen ausgesprochen und deshalb seinen Strafantrag zurückgenommen. Die damals mit in dem Zimmer anwesende 17-Jährige schilderte, es habe am Fenster geklopft. Der Angeklagte sei reingestürmt – „total aggressiv“. Der 50-Jährige und sie seien zu der Vermieterin geflüchtet. Hinterher sei dessen Zimmer „total verwüstet“ gewesen. Eine 50-jährige Zeugin beteuerte wortreich, der Angeklagte sei nicht in dem Haus gewesen und bezichtigte andere Leute der „Lüge“.

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In weiteren Anklagepunkten ging es um Körperverletzungen. Dabei erlitt einer am 29. November 2019 kurz vor Mitternacht in Marquartstein Prellungen. Mit einem anderen soll der 35-Jährige am Nachmittag des 25. Januar 2020 ein Treffen „in Frieden und ohne Gewalt“ mit zwei Jugendlichen (16 und 15 Jahre alt) vereinbart haben. Das Trio soll auf den von Freunden begleiteten 16-Jährigen losgegangen sein, ihm einen Kniestoß gegen den Körper, Tritte sowie Schläge mit einer 65 Zentimeter langen Zaunlatte versetzt haben. Während einer der Angreifer trat und schlug, soll der Angeklagte den Geschädigten festgehalten haben. Dieser erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Nasenfraktur, einen Bluterguss an einem Auge und Prellungen. Danach wandten sich die Angreifer laut den Vorwürfen der Staatsanwältin der 15-Jährigen zu, rissen sie an den Haaren, traten, schlugen und bespuckten sie. In einem Whats App-Chat soll der 35-Jährige das Mädchen zusätzlich noch beleidigt haben.

Notwehr bei Pfefferspray-Fall?

Die dritte Anklageschrift galt einer weiteren gefährlichen Körperverletzung – durch eine Attacke mit einem Pfefferspray ins Gesicht eines Mannes am Abend des 1. April 2020 in Grassau. Weitere Attacken mit Verletzten sollen sich am 27. September 2919 in Staudach-Egerndach und am 29. November 2019 in Marquartstein zugetragen haben. Die Hintergründe der Taten wurden gestern nicht klar. Eine 23-Jährige hatte einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz mit einem Kontaktverbot erwirkt.

Freund im Fadenkreuz

Dennoch soll der Angeklagte sie am 26. Mai 2020 in Grassau angesprochen haben. Ihr damaliger Freund fand sein mit einem Fadenkreuz versehenes Konterfei im Internet wieder. Außerdem soll der 35-Jährige die 23-Jährige am 22. August 2019 angerufen und sie auf einer Parkbank in Grassau am 13. September 2019 angeschrien haben. Soweit die Zeugen schon ausgesagt haben, deckten sich ihre Angaben fast ausnahmslos mit dem Sachverhalt der Anklage. Der 35-Jährige selbst machte überwiegend von seinem Schweigerecht Gebrauch, berief sich lediglich in dem „Pfefferspray“-Fall auf „Notwehr“. kd

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