"Gnadenfrist" für Obstbrenner

Christian Eder aus Bad Feilnbach ist einer von fünf Edelbrand-Someliers im Landkreis Rosenheim. Die Obst- und Kleinbrenner sind von der ab heute geltenden Kappung des Branntwein-Monopols nicht betroffen. Stichtag für sie: 1. Januar 2018. Foto  Mischi
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Christian Eder aus Bad Feilnbach ist einer von fünf Edelbrand-Someliers im Landkreis Rosenheim. Die Obst- und Kleinbrenner sind von der ab heute geltenden Kappung des Branntwein-Monopols nicht betroffen. Stichtag für sie: 1. Januar 2018. Foto Mischi

"Schnaps, du edler Götterfunke", lautet ein Trinkspruch aus dem Volksmund. Doch diesem Getränk geht es sprichwörtlich an den Kragen. Wie berichtet, kappt die EU das Branntwein-Monopol in Deutschland. Erste Konsequenz: Ab dem heutigen Dienstag gilt das Monopol nicht mehr für sogenannte landwirtschaftliche Verschlussbrennereien mit ihrem aus Kartoffeln und Getreide erzeugten Schnaps. Bayernweit bedeutet dies das Aus für über 200 Brennereien. Eine "Gnadenfrist" bis zum 1. Januar 2018 haben indes die Obst- und Kleinbrenner. Über 360 gibt es im Landkreis Rosenheim, alleine 125 in Bad Feilnbach.

Bad Feilnbach - Warum sich ausgerechnet Bad Feilnbach im Laufe der Zeit als Brennerdorf entpuppt hat, hat einen Grund: die dort seit Jahrhunderten gepflegten Streuobstwiesen. Heute gehören sie zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Denn sie werden ohne Einsatz synthetischer Behandlungsmittel bewirtschaftet. "Bio pur", erklärt Schnapsbrenner Christian Eder, bis vor kurzem Vorsitzender des Südostbayerischen Verbands der Obst- und Kleinbrenner. Und dieses Prädikat schmecke man - im Obst und auch im Schnaps.

Lange haben die Schnapsbrenner für den Erhalt des Monopols gekämpft - vergebens. "Jetzt heißt es für uns, sich für die Zukunft rüsten", appelliert Eder an seine Kollegen. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringe nichts. Die Schnapsbrenner müssten sich in den kommenden fünf Jahren Stück für Stück auf den regionalen Märkten etablieren. Gleichzeitig seien aber auch Gastronomie und Kunden in der Pflicht.

"Wer gesunden Schnaps ohne Zusatzstoffe aus heimischen Produkten trinken will, muss sich auch dafür einsetzen", so Eder. Er lasse sich, wenn er auswärts esse und ein Schnapserl trinke, immer die Schnapsflasche zeigen, denn: "Oft wird mit einem regionalen Schnapsbrenner geworben, im Glas ist aber ein Schnaps von sonstwoher." Außerdem: Nur wo Brand oder Geist draufstehe, sei auch die Frucht drin. "Anders ist es bei Spirituosen, dort sind nur Geschmacksstoffe, aber niemals die Frucht selbst drin", erläutert der Feilnbacher Edelbrand-Somelier. Neben ihm haben noch vier weitere Personen im Landkreis diese Ausbildung. Maria Messerer (Feldkirchen-Westerham), Margot Westner (Rohrdorf), Christian Stocker (Großkarolinenfeld) und Johann Guggenbichler (Frasdorf).

2018 und damit nach 99 Jahren endet das deutsche Branntwein-Monopol auch für die Obst- und Kleinbrenner. Kaiser Wilhelm II. hatte damals das erste Branntweinmonopolgesetz unterzeichnet. Dieses trat am 1. Oktober 1919 in Kraft. Es umfasste ein Bezugsmonopol bestimmter Rohstoffe, ein Reinigungsmonopol, ein Zwischenhandelsmonopol und ein Monopol zur Herstellung und zum Vertrieb einfacher Trinkbranntweine.

Die Besonderheit dabei ist - bis heute - eine Steuervergünstigung und die Erhebung der Steuer nach Ausbeutesätzen pro 100 Liter Maische. Aufgrund dieser Steuervergünstigungen war aber ein Verkauf dieser Obstbrände außerhalb Deutschlands nicht möglich.

Mit der Kappung des Monopols müssen die Kleinbrenner sehen, ob ihr Betrieb noch rentabel ist. "Wenn dies nicht der Fall ist, kann dies zu einer Vernachlässigung der Streuobstwiesen führen", so Eder. Für Bad Feilnbach wäre dies schlimm, doch gleichzeitig auch eher unwahrscheinlich. Denn mit dem Apfelmarkt - über die Freistaat-Grenzen hinaus bekannt - habe man in der Kommune ein Forum für biologisches Obst und mit rund 30000 Besuchern am Marktwochenende eine große Klientel, die die Regionalität und auch die Vielzahl der aus dem heimischen Obst gewonnenen Produkte zu schätzen wisse.

Und so sei es nur selbstverständlich, dass sich auch die Schnapsbrenner am kommenden Apfelmarkt vom 11. bis 13. Oktober beteiligen. Sobald dann auch die letzten Arbeiten auf den Feldern erledigt sind, beginnt die Brennsaison 2013. Und hier ist wieder einmal besondere Sorgfalt gefragt. Schließlich werden die Jahrgänge 2013 und 2014 in die Medaillenbewertung im kommenden Jahr einfließen.

Fingerspitzengefühl, Erfahrung und ein Auge fürs Obst sind bei der Brennerei wichtig. Nachdem die jeweilige Frucht samt Stein im Fass mit Gärhefe eingemaischt wurde, heißt es Ruhe bewahren. Drei bis vier Wochen dauert die Gärung. "Dann erst beginnt das eigentliche Brennen", so Eder. Dabei werde bei 78 Grad Celsius zwischen sogenannten Vor-, Mittel- und Nachläufen unterschieden. "Wobei nur der Mittellauf trinkbar ist", betont Eder. Dieser umfasse bei 100 Kilogramm Frucht etwa 6,4 Liter Ertrag bei 40 Prozent Alkoholgehalt und zirka 4,6 Liter bei einem Alkoholgehalt von 100 Prozent. "Bei einem halben Liter Schnaps muss man dabei mindestens 14 Euro verlangen, um kostenmäßig bei plus/minus Null zu landen", so Eder.

Klein- und Obstbrenner sind vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz heimisch und waren schon immer in Verbänden organisiert. "Nur so war es möglich, diese alten Rechte über Jahrzehnte im Kern zu erhalten", weiß Eder.

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