Nach ersten warmen Frühlingstagen hält die Erdkröten nichts mehr im Winterquartier

Gierig, giftig und gefräßig

Schutzzäune sollen den Weg zu den Laichgewässern sichern. Hier ein 800 Meter langes Exemplar an der Straße zwischen Oberaudorf und Kiefersfelden, das der Bund Naturschutz betreut. Das Straßenbauamt hat den Zaun finanziert, damit die Kröten gesund und munter zur Paarung (oben) kommen.  Fotos: Hoheneder
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Schutzzäune sollen den Weg zu den Laichgewässern sichern. Hier ein 800 Meter langes Exemplar an der Straße zwischen Oberaudorf und Kiefersfelden, das der Bund Naturschutz betreut. Das Straßenbauamt hat den Zaun finanziert, damit die Kröten gesund und munter zur Paarung (oben) kommen. Fotos: Hoheneder

Jetzt kommt wieder die Zeit, in der die Erdkröten (Bufo bufo) aus ihren frostsicheren Winterquartieren kriechen. Kröten sind leicht von ihren Verwandten, den Fröschen, zu unterscheiden. Der gedrungene, massige Körper mit den kurzen Beinen lassen sie fett und plump erscheinen. Ihr Aussehen variiert von hellbraun bis grünbraun mit schwarzen Flecken. Die trockene Haut ist übersät mit Warzen und kleinen Knoten. Bei unseren heimischen Erdkröten werden die Weibchen etwa zwölf Zentimeter, die Männchen nur acht Zentimeter groß. Kröten sind Landbewohner und suchen nur zur Fortpflanzung Laichgewässer auf.

Besonders, wenn im März die ersten warmen Regentage kommen, wandern die Tiere von den Überwinterungsgebieten, ohne Nahrung aufzunehmen zu den bis zu zwei Kilometer entfernten Tümpeln. Tritt eine Kältewelle ein, unterbrechen die Kröten den Laichzug, graben sich ein und warten auf wärmere Zeiten. Auch wenn auf dem Weg ein passendes Laichgewässer ist, ziehen sie meist ihr Geburtsgewässer vor.

Dieser Weg ist voller Gefahren, vor allem, wenn sie vielbefahrene Straßen kreuzen. Naturschützer engagieren sich am Kirnsteiner Altwasser (Gemeinde Oberaudorf) oder in Kiefersfelden mit einem Amphibienzaun. Allerdings wird der fleißige Einsatz nicht immer vom gewünschten Erfolg begleitet. Liest man die Statistik der Ortsgruppen des Naturschutzes zwischen Flintsbach und Kiefersfelden, so geht es mit dem Bestand am Kirnsteiner Gewässer stetig bergab. Gab es 1986 noch etwa 3000 Erdkrötenmännchen und 500 Weibchen, so waren es 2009 nur noch 250 Männchen und 50 Weibchen. Was sind die Ursachen? Ein Hauptgrund dürfte die nicht kontrollierte Rückwanderung der Jungkröten sein, die dem vermehrten Verkehrsaufkommen Tribut zahlen müssen.

Wenn die Männchen auf dem Zug zum Wasser an Land auf ein Weibchen treffen, wird es umklammert und es geht Huckepack zum Laichen. So hat man sich schon im Vorfeld ein Weibchen gesichert, das dann auch vehement mit heftigen Tritten der Hinterfüße verteidigt wird. Überall im Wasser hört man jetzt ein eintöniges "üg, üg, üg", den Paarungsruf. Es herrscht große Rivalität unter den Männchen. Das Geschlechterverhältnis liegt bei bis zu 6:1. Alles, was sich im Wasser bewegt, wird von den liebestollen Männchen, die mit Brunftschwielen an drei Fingern ausgestattet sind, aggressiv umklammert - und das sind nicht immer nur die begehrten Weibchen. Man klammert sich auch versehentlich an Männchen, die dann einen Abwehrruf ausstoßen, der etwas schneller ist als der übliche Paarungsruf. Abwehrrufe sind in gut besuchten Gewässern oft mehr zu hören als der eigentliche Hochzeitsruf.

Fangen die Krötenweibchen zu laichen an, spannen sie zwischen Wasserpflanzen und im Wasser befindlichen Ästen mehrere Meter lange Laichschnüre, die von dem auf dem Weibchen sitzenden Männchen unmittelbar nach Ausstoß des Laichs befruchtet werden. In den gallertartigen Schnüren sind in Zweier- oder Viererreihen schwarze Eier angeordnet. Bis zu 5000 Eier produziert ein Weibchen, das erst mit drei Jahren geschlechtsreif wird. Die Altersgrenze in freier Natur liegt bei rund zehn Jahren, in Gefangenschaft bis über 30 Jahren. Haben die Weibchen den Laichvorgang nach etwa zehn Stunden beendet, verlassen sie als Erste das Gewässer und beziehen ihren Sommereinstand.

Die befruchteten Eier entwickeln sich rasch, schon nach zehn Tagen schwimmen kleine schwarze Kaulquappen umher. Ihre Hauptnahrung sind Algen, aber auch eingegangene Kollegen werden nicht verschmäht. Ende Juni, Anfang Juli - je nach Temperatur - folgt die Umwandlung zum landlebenden Vierbeiner. Bei günstigem regnerischem Wetter verlassen die einen Zentimeter kleinen Kröten oft massenhaft ihr Geburtsgewässer. Geschieht dies tagsüber, so spricht der Volksmund vom "Froschregen", weil man sich früher nicht erklären konnte, von woher plötzlich die vielen kleinen Tiere kommen.

Im Sommer leben Erdkröten vor allem in Laub- und Mischwäldern, Wiesen, Hecken, Parks, aber auch in naturnahen Hausgärten oder Bauernhöfen. Wenn die nötigen Laichgewässer nicht vorhanden sind, nützt auch der beste Lebensraum nichts. Für Erdkröten unbewohnbar sind intensiv bewirtschaftete Äcker oder Fichtenmonokulturen. Die Wechselblüter verbringen den Tag unter Steinen, am Boden liegenden Baumstämmen, Holzhaufen, in Mauslöchern oder aber sie graben sich ein. Zur Dämmerung verlassen sie ihr Tagesversteck und begeben sich auf die Jagd. Erdkröten sind sehr gefräßig. Sie verschmähen nichts, was sie im Ganzen verschlingen können, unter anderem Nacktschnecken, Würmer, Käfer, Spinnen und Asseln. Unbewegliches Futter können sie trotz ihrer großen orangen Augen, die eine waagrecht geschlitzte Pupille besitzen, nicht erkennen. Die Beute muss in Bewegung sein. Wird ein Opfer mehrere Sekunden lang fixiert, schnellt die Zunge hervor und das Opfer wird verschlungen. Dies geschieht innerhalb einer Zehntelsekunde.

Alle fünf bis sieben Tage häuten sich die Erdkröten, die alte Haut wird dabei restlos aufgefressen. Ihre Hautdrüsen, aber insbesondere die großen Drüsen hinter den Augen, sondern bei Gefahr Gifte ab. Sie können lähmend auf Gehirn und Rückenmark ihrer Fressfeinde wirken. Wer einen jungen Hund abführt, kennt sicher die Situation: Beim abendlichen Spaziergang quert eine Erdkröte den Weg des Junghundes und voller Interesse wird das Objekt untersucht mit dem Ergebnis, dass der Hund kopfschüttelnd und das Maul voller Schaum, als hätte er Tollwut, zum Herrn zurückkommt. Hier erhielt der Junghund eine Prise Hautgift und die Lektion erteilt, dass sich die Neugierde auf Erdkröten nicht lohnt. Trotzdem gibt es genügend Fressfeinde, die anscheinend gegen dieses Gift gefeit sind, so zum Beispiel Graureiher, Raben- und Greifvögel sowie Schlangen. Bei Letzteren können sich Erdkröten aufpumpen und hochstellen, so dass sie um einiges größer erscheinen. Eine Besonderheit ist der Iltis, der sich lebende Fraßvorräte aus Erdkröten beschafft, indem er sie nicht tötet, sondern sie mit Nackenbiss lähmt und in ein sicheres Versteck schleppt.

Im Oktober ziehen sich die Erdkröten in ihre Winterquartiere zurück. Sie gehen in frostsichere tiefe Löcher, in Tierbaue oder graben sich an geeigneten Stellen selber Löcher. Erst im Frühjahr, wenn steigende Temperaturen und warmer Regen die Kröten aktivieren, kommen sie wieder zum Vorschein.

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