FBI gibt entscheidenden Hinweis: Kolbermoorer (45) wegen Kinderpornographie verurteilt

Hat sich ein 45-jähriger Kinderpornografie auf den PC geladenund an andere Menschen weiterverbreitet? Das Gericht beurteilte diese Frage mit einem Ja und verurteilte den Kolbermoorer zu einer Bewährungsstrafe. dpa
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Hat sich ein 45-jähriger Kinderpornografie auf den PC geladenund an andere Menschen weiterverbreitet? Das Gericht beurteilte diese Frage mit einem Ja und verurteilte den Kolbermoorer zu einer Bewährungsstrafe. dpa
  • vonTheo Auer
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Er bestritt vehement, für die auf seinem Computer gefundenen Dateien mit kinderpornografischen Inhalten verantwortlich zu sein. Doch das Rosenheimer Amtsgericht sprach den 45-jährigen Mann aus Kolbermoor letztlich schuldig und verurteilte ihn zu einer Haftstrafe auf Bewährung.

Rosenheim/Kolbermoor – Das amerikanische FBI durchforstet das Internet systematisch nach kinderpornografischen Inhalten und ist in der Lage solche Downloads den entsprechenden IP-Adressen zuzuordnen. So auch von April bis August 2017. Dabei konnten sie eine Empfänger- und Versenderadresse in Deutschland ermitteln und reichten diese Erkenntnisse an das deutsche Bundeskriminalamt weiter.

IP-Adresse führt zum Angeklagten

Die IP-Adresse führte zu einem 45-jährigen Kolbermoorer. Die Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim erstattete Anzeige wegen Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie gegen den Mann. Dessen PC wurde beschlagnahmt und an einen Gutachter weiter gegeben.

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Dieser bestätigte, dass in den Jahren 2017 und 2018 mehrere kinderpornografische Bilder und Dateien auf dem Computer empfangen und weitergeleitet worden waren. Er berichtete von 144 Pornografien. Mit neun Chatpartnern seien derartige Bilder ausgetauscht worden. Unberechtigte Fremdzugriffe habe er nicht festgestellt.

Der Angeklagte bestritt vor Gericht entschieden, dass er damit etwas zu tun habe. Zu den angegebenen Zeiten, an denen er solche Bilder ausgetauscht haben solle, sei er gar nicht zuhause, sondern in der Arbeit gewesen. Das könne er anhand seiner Dienstzeit-Belege beweisen. Darüber hinaus habe er an seinem Computer mehrere Gast-Zugänge eingerichtet, die er nicht kontrolliere. Er sei der Meinung, dass er von Unbekannten gehackt worden sei. Keinesfalls könnten die Pornografien durch ihn auf seinen Computer gekommen sein.

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Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Baron von Koskull, stellte das Gutachten insgesamt infrage, weil dabei auf die Zugriffszeiten nicht eingegangen worden sei. Deshalb vertagte sich das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Verena Merklin, um der Frage nachzugehen, ob der Mann während der Arbeitszeit Zugriff auf ein Wlan-Netz gehabt habe, um dieses für solche verbotenen Aktivitäten per Smartphone zu nutzen.

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Am zweiten Verhandlungstag wurde der IT-Beauftragte des Arbeitgebers befragt. Dieser konnte jedoch auch keine endgültige Klärung des Sachverhaltes herbeiführen. Zwar habe der Angeklagte über das Firmen-Laptop keinen direkten Zugriff auf das Internet. Auch sei die Nutzung des privaten Smartphones während der Arbeitszeit verboten. Jedoch könne man nicht verhindern, dass derlei verbotenerweise geschehe.

Nach einem Rechtsgespräch bot der Staatsanwalt an, im Falle eines Geständnisses auf eine Strafe mit Bewährung zu plädieren. Dies lehnte der Verteidiger mit dem Hinweis ab, dass er im vorliegenden Fall einen Freispruch beantragen werde.

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Eine weitere Untersuchung ergab, dass der Angeklagte zu fast allen angegebenen Kontaktzeiten per Smartphone Gelegenheit zum Zugriff auf das Internet hatte. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb im Schlussantrag den Angeklagten zu 18 Monaten Gefängnis – ohne Bewährung – zu verurteilen. Die Verteidigung beantragte, wie angekündigt, Freispruch.

Verteidiger fordert Freispruch

Das Rosenheimer Gericht vermochte dem nicht zu folgen. „Tatsache ist, dass auf Ihrem Computer diese kinderpornografischen Bilder vorhanden waren. Tatsache ist auch, dass sie nicht nachweisen konnten dass nicht sie selber dies Bilder empfangen und versendet haben. Der Gutachter hat glaubhaft versichert, dass irgendwelche Hacker-Aktivitäten nicht erkennbar seien“, sagte Merklin bei der Urteilsverkündung. Das Gericht verurteilte den Mann zu zwölf Monaten Gefängnis, setzte die Haftstrafe aber zur Bewährung aus.

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