Geständnis aus Bub (14) herausgeprügelt: Gericht schickt Kolbermoorer (29) ins Gefängnis

Weil er einen 14-Jährigen geschlagen hatte, musste sich jetzt ein 29-jähriger Kolbermoorer in Rosenheim vor Gericht verantworten.
+
Weil er einen 14-Jährigen geschlagen hatte, musste sich jetzt ein 29-jähriger Kolbermoorer in Rosenheim vor Gericht verantworten.
  • vonChrista Auer
    schließen

Weil der 14-jährige Sohn seiner Lebensgefährtin ihm einen Schaden am Auto verschwiegen hatte, prügelte ein 29-jähriger Kolbermoorer ein Geständnis aus dem Buben heraus. Für diese Gewalttat bekam der bereits polizeibekannte Kolbermoorer jetzt vor Gericht die Quittung.

Rosenheim – Das Jugendschöffengericht Rosenheim verurteilte einen 29-jährigen Kolbermoorer wegen gefährlicher Körperverletzung eines Jugendlichen in drei tatmehrheitlichen Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Der Kolbermoorer war am 5. November des letzten Jahres außer sich. Am Vortag hatten der Sohn seiner Freundin und dessen damals 14-jähriger Kumpel unerlaubter Weise eine Spritztour mit dem Wagen der Frau unternommen und dies wohl auch dem Angeklagten gegenüber angedeutet. Dabei war der 14-Jährige beim Rangieren dann offensichtlich angeeckt. Am Fahrzeug entstand ein Schaden von 2900 Euro.

Lebensgefährtin verdächtigt

Dieses Malheur verschwiegen die Buben jedoch, und so fiel der Verdacht der Fahrzeuginhaberin zuerst auf ihren Lebensgefährten. Deshalb sei es zu einem heftigen Streit gekommen, sagte der Angeklagte vor dem Jugendschöffengericht und räumte den Tatvorwurf der Anklage damit auch gleich weitgehend ein. Demnach war er wegen der Auseinandersetzung und auch wegen des Verhaltens der Buben sehr aufgebracht.

Lesen Sie auch: Fiskus um 1 Million Euro geprellt? Rosenheimer (61) muss sich vor Gericht verantworten

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch habe er den 14-Jährigen zur Rede gestellt. Doch der habe anfangs alles geleugnet. Da habe er rot gesehen und ihm ein paar Schläge verpasst, sagte der Angeklagte. Das sei ein großer Fehler gewesen. Gleich nach der Tat sei er zur Mutter des Buben gegangen und habe ihr die Tat gestanden. Ebenso wie wenig später der Polizei.

Abweichend zur Anklage beteuerte der 29-Jährige jedoch, dass er zur Tatzeit seine Motorradhandschuhe getragen habe – schwarz mit hellem Muster. Der Geschädigte und zwei Zeuginnen berichten jedoch von Boxhandschuhen. Eine der Frauen hatte den Vorfall am Bahnhof beobachtet, eine Nachbarin hatte sich vor dem Wohnhaus in die Auseinandersetzung eingemischt.

Einige Schläge ins Gesicht

Demnach soll der Angeklagte dem Buben erst vor dessen Wohnhaus einige Schläge ins Gesicht verpasst, ihn dann bis zum Bahnhof und wieder zurück zum Wohnhaus verfolgt und weiter auf ihn eingeschlagen haben. Der Angeklagte habe sich wie ein Boxer „warm gemacht“ und schon vom ersten Schlag ins Gesicht sei er benommen gewesen, sagte der Geschädigte, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat.

Nach seinen Angaben hatte er erfolglos versucht, zu fliehen und sich am Ende zwischen Hausmauer und Tür gedrückt, um sich vor weiteren Schlägen zu schützen. Bei dem Angriff erlitt der 14-Jährige diverse Schwellungen und Hämatome im Kopfbereich, eine kleine Platzwunde an der Unterlippe, Kopf- und Nackenschmerzen sowie Herzbeschwerden, Übelkeit und Schwindel. Dies könnten auch Folgen des Unfalls sein, betonte Verteidigerin Susanne Hartlage.

1200 Euro Schmerzensgeld angeboten

Unabhängig davon wurde dem Geschädigten im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs eine Schmerzensgeldzahlung von 1200 Euro angeboten. Rechtsanwalt David Schietinger, dem Vertreter des Nebenklägers erschien der Betrag nicht ausreichend. Vor Gericht wurde schließlich ein Vergleich geschlossen, der eine Schadenswiedergutmachung von 2200 Euro vorsieht. Bei pünktlicher Ratenzahlung werden dem Angeklagten 500 Euro erlassen.

Lesen Sie auch: Mord an französischer Studentin in Kufstein – 43-Jähriger für Tat im Jahr 2014 verurteilt

„Mein Mandant hat nichts davon, wenn der Angeklagte ins Gefängnis muss“, betonte der Vertreter des Nebenklägers. Zielführender seien strenge Bewährungsauflagen und gemeinnützige Arbeit. Die Verteidigerin plädierte für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Ihr Mandant sei von Anfang an geständig gewesen, sozial eingebunden und der Nachweis, dass er Boxhandschuhe getragen habe, sei nicht erbracht.

Für die Anklagevertretung bestanden daran keine Zweifel, zumal die Zeugen den Tatvorwurf glaubhaft bestätigt hätten. Die Aussage des Geschädigten sei dabei schon kritisch bewertet worden, „denn der hat selbst Dreck am Stecken“, stellte der Staatsanwalt klar. Dennoch glaube er nicht, dass er die Geschichte mit den Boxhandschuhe erfunden habe.

Vielmehr habe der Angeklagte mit seiner rücksichtslosen Tatausführung, hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt und die Handschuhe verwendet, um fester zuschlagen zu können. Damit sei der Tatbestand des „Werkzeugs“ erfüllt. Auch aufgrund der zahlreichen Vorahndungen sei eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten tat- und schuldangemessen.

Unter Forderungen der Anklage geblieben

Das Jugendschöffengericht blieb zwar mit seinem Strafmaß unter dieser Forderung, eine Strafaussetzung zur Bewährung war jedoch keine Option. „Da müssen die Interessen des Geschädigten zurücktreten, sagte Richterin Verena Köstner in der Urteilsbegründung.

Lesen Sie auch: Gewalt an Schulen – Die Polizei setzt zur Prävention auf das sogenannte Olweus-Programm

Der mehrfach vorgeahndete Angeklagte habe keine Argumente dafür geliefert, dass er künftig wahrscheinlich ein straffreies Leben führen werde. Gerade mal drei Monate nach seiner Haftentlassung habe er zugeschlagen. Auch wenn er sich in einem emotionalen Ausnahmezustand befunden habe, hätte er als Erwachsener nicht mit Schlägen gegenüber einem 14-jährigen reagieren dürfen. Es habe sich um ein geplantes Vorhaben gegen einen viel jüngeren und unterlegenen Gegner gehandelt, der sich nicht gewehrt habe und weggelaufen sei.

Kommentare