Gesprächsbedarf auch über Personal

Selbst wenn ein paar Stimmbezirke in Großkarolinenfeld noch nicht ausgezählt sind: Das Wählervotum hat die Sitzverteilung im Kreistag ganz schön durcheinandergewirbelt.

Absturz der CSU, Höhenflug der Grünen, die AfD in Fraktionsstärke und etwas überraschend auch die Linke im Gremium – so groß war die Vielfalt noch nie.

CSU und SPD müssen mit für sie besonders schmerzhaften Ergebnissen leben. Bei den Christsozialen schlägt die Talfahrt mit dem Verlust von rund zehn Prozent der Stimmen und damit knapp einem Fünftel ihrer Mandate zu Buche. Der Traum von der Wiedererlangung einer eigenen Gestaltungsmehrheit ist damit in weite Ferne gerückt. Bei der SPD hält der freie Fall in Richtung kommunalpolitische Bedeutungslosigkeit an. Ein Jammer für die stolze alte Volkspartei, dass sie mittlerweile kaum stärker als die AfD ist.

Auers Kandidatur kein Gewinn

Wenig Grund zum Jubeln haben auch die Parteiunabhängigen. Ihr im Vorfeld des Urnengangs hochgepriesener Landratskandidat Rainer Auer hat die in ihn gesetzten Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Er hat mit seinem mauen Ergebnis nicht nur den Einzug in die Stichwahl verpasst, seine Kandidatur auf der Kreistagsliste hat der Gruppierung wohl nicht einmal einen zusätzlichen Sitz beschert. Im Gegensatz zu den Freien Wählern, für deren Listenführer Sepp Hofer die Stichwahl zwar ebenfalls eine zu hohe Hürde war, der dank seiner Popularität aber erheblich zum Gewinn von zwei Mandaten beitrug.

Grund zur Freude haben vor allem die Grünen, auch wenn Landratskandidatin Ulla Zeitlmann in der zweiten Runde am 29. März mit Otto Lederer einen CSU-Hochkaräter mit deutlichem Vorsprung als Mitbewerber hat. Dennoch: Ein Plus von fünf Kreistagssitzen ist ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt.

Man darf jetzt vor allem auf die Wahlanalysen der Gebeutelten gespannt sein. CSU und SPD müssen sich dringend über langfristige Konzepte unterhalten, mit denen sie Vertrauen zurückgewinnen können. Die Frage nach einer personellen Veränderung an der Spitze beider Kreisverbände dürfen sie nicht ausklammern.

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