Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Interview mit Prof. Dr. Peter Young

Werden Sie im Schlaf von Gespenstern verfolgt? Ein Professor aus Bad Feilnbach kann helfen

Chefarzt Prof. Dr. Peter Young. Foto: Medical Park
+
Chefarzt Prof. Dr. Peter Young.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
    schließen

Bad Feilnbach - Es gibt Gespenster. Oder zumindest Menschen, die sie sehen. Und zwar nicht als Einbildung. Sondern als Ergebnis einer Schlaflähmung. Was das ist, wie man hilft, wie wertvoll Schlaf ist: Darüber spricht der Schlaf-Spezialist Prof. Dr. Peter Young, Chefarzt bei Medical Park Bad Feilnbach, im Interview.

Herr Dr. Young, sehen Sie manchmal selbst Gespenster?

Prof. Dr. Peter Young: Ein Gespenst ist nur das, was als solches empfunden wird. Ich glaube nicht an Gespenster, aber Patienten mit Schlaflähmung können sie sehen. Und ich kümmere mich um Schlaflähmung. Die ist aber, anders als die Gespenster, etwa klinisch Handfestes.

Unheimliche Begegnungen: Im Grenzbereich zwischen Wachen und Schlafen sind sie gar nicht so selten.

Was ist denn Schlaflähmung?

Young: Unser Schlaf ist gekennzeichnet durch eine Form der Bewusstlosigkeit und Muskelentspannung. Beim Einschlafen sinkt die Anspannung der Muskeln. Es gibt verschiedene Phasen des Schlafes, den Tiefschlaf etwa, oder den Traumschlaf. Und dann gibt es den REM-Schlaf, den man daran erkennt, dass der Schlafende seine Augen hinter geschlossenen Lidern heftig bewegt. Und das ist der Schlafanteil, in dem die Muskeln am stärksten entspannt sind. In diesem REM-Schlaf sind wir fast komplett bewegungsunfähig. Augen, Atem, Schließmuskeln funktionieren noch, aber der Rest ist komplett gelähmt. Und da kann durch eine Fehlsteuerung die Schlaflähmung kommen. Wenn man nämlich schon bei Bewusstsein ist, sich aber der Körper noch in der Entspannung des REM-Schlafs befindet. Wenn also das Hirn schneller wach ist als die Muskelsymptome zurückgehen, dann wache ich auf und erlebe einen Zustand der Lähmung. Und das kann mit Halluzinationen wie von Gespenstern einhergehen.

Und man kann nicht mal davonlaufen – gruselig!

Young: Ja, das für die allermeisten Menschen ein beunruhigender Zustand. Es gibt diesen Zustand für die meisten Menschen selten, oft nur ein-, zweimal im Leben. Er dauert maximal eine Viertelstunde lang, kann aber auch nur ein paar Sekunden lang anhalten. Zwischen 5 bis 15 Prozent erleben das aber wohl auch häufiger. Repräsentative Zahlen gibt es nicht.

Lesen Sie auch: Wie Bad Feilbach zum Corona-Sonderfall wurde – RKI-Statistiker sind weiter am Werk

Hängt dieser Zustand mit einer Erkrankung zusammen?

Young: Ja, mit Narkolepsie. Daran erkrankt, erleben das Menschen sehr oft. Das ist, wenn Menschen anfallartig einschlafen. Und dafür haben wir in Bad Feilnbach auch ein Programm.

Was kann man tun?

Young: Gegen die Schlaflähmung an sich kann man wenig machen. Wobei wir die Medikamente, die wir Menschen mit Narkolepsie geben, auch gegen Schlaflähmung verabreichen. Man kann das also im Rahmen einer Narkolepsie-Therapie medikamentös behandeln. Wir haben aber auch eine krankheitsverarbeitende begleitende Therapie, mit Bewegungsprogrammen und mit einer veränderten Struktur des Tages, Herangehensweisen, die Patienten im Alltag unterstützen. Für isolierte Schlaflähmung, eine Schlaflähmung also, die sich losgelöst von einer Krankheit einstellt, braucht man meistens keine Therapie. Es geht oft eher darum, die Gutartigkeit der isolierten Schlaflähmung zu betonen und dem Patienten Angst vor einer Rückkehr dieses Zustands zu nehmen.

Man schläft besser auf dem Land

Gibt es Regionen, in denen die Menschen schlechter schlafen?

Young: Wir haben mal einen Schlafatlas aufgelegt. Da haben wir geschaut, wie es wo mit der Schläfrigkeit aussieht. Wir wissen, dass vor allem Menschen auf dem Land und in der Stadt unterschiedlich schlafen. Auf dem Land schlafen die Menschen eine halbe Stunde länger. Und die Schlafzufriedenheit ist auf dem Land größer. Gut, das waren nur 2000 Befragte über ganz Deutschland, insofern ist unsere Aufstellung da nicht repräsentativ. Aber ich sehe, dass durch zunehmende Digitalisierung und Mediennutzung in den Industrieländern die Gesamtschlafzeit abnimmt – um über eine Stunde im Vergleich zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ebenfalls interessant: Nach fulminantem Anstieg der Corona-Zahlen in der Region: 3G auch am Arbeitsplatz?

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Schlaf der Menschen?

Young: Generell nimmt die Schlafzufriedenheit durch Sorgen ab. Aber: Eine Baseler Studie zeigt, dass seit Ausbruch von Corona insgesamt die Schlafdauer um halbe Stunde zugenommen hat.

Weil das Pendeln entfällt?

Young: Genau. Weil die Menschen die Synchronisierung der sozialen Anforderungen mit ihrem Schlafverhalten besser bewältigen können. Menschen, die Spättypen sind, haben die Möglichkeit, erst um 9 Uhr anzufangen. Die subjektive Schlafqualität wird aber nicht unbedingt besser. Der Social Jetlag fällt auch geringer aus, weil wir mehr Spielraum zur Selbstbestimmung haben. Den verschiedenen Chrono-Typen kommt das Homeoffice zu pass. Je nachdem, ob ich eine Lerche oder eine Eule bin, kann ich den Tag besser an mein Schlafverhalten anpassen.

Sie arbeiten auch mit Schlaflabors zusammen. Was ist denn das?

Young: Wir selber haben hier in Bad Feilnbach noch keines, wir bauen aber gerade eines auf, mit zwei Plätzen. Das ist grundsätzlich ein geschlossener Raum mit Verkabelung, über die man bei einem Patienten Atmung, Hirnströme, Herzfrequenz und -schlag, Beinbewegung und mehr kontrollieren kann. Dafür verkabelt man Patienten über Dioden am ganzen Körper, und die Daten werden in den Computer eingespeist. Gleichzeitig wird der Patient mit einer Videokamera überwacht. Schlaflabore sind geräuscharm eingerichtet und klimatisiert, sie sind aber durch das Krankenhaussystem kaum mehr finanzierbar. Daher haben auch wir immer mehr häusliche Schlafuntersuchung im Angebot. Technisch kann ich das auch in der Klinik oder gar zu Hause machen.

Haben Sie einen besten Tipp für guten Schlaf?

Young: Einen einzelnen allerbesten Ratschlag gibt es nicht. Außer vielleicht dem hier: dass man seinen eigenen Schlaf wirklich ernst nehmen soll. Die Verkürzung der Gesamtschlafzeit hat mit der Vorstellung zu tun, dass man seinen Schlaf anpassen kann, wie man es braucht.

Wie lange schlief eigentlich Napoleon?

Wenig Schlaf, ein Kennzeichen wichtiger Menschen.

Young: Ja, Napoleon kam mit drei Stunden aus, bei Merkel sollen es fünf sein. Es gibt tatsächlich Kurzschläfer. Aber wenn jemand, der acht Stunden braucht, dauerhaft sechs Stunden schläft, dann ist das so, als ob ich mit Füßen der Größe 42 dauerhaft Schuhe der Größe 39 trage, Das macht etwas kaputt. Zweitens sollte man sich überlegen, wie viel Schlaf man wirklich braucht. Drittens kann man schon mal akzeptieren, dass man nicht so viel geschlafen hat. Das ist biologisch und psychologisch zunächst mal kein Drama. Wer dazu neigt, schlecht zu schlafen, kann prüfen, ob er in der richtigen Umgebung schläft. Menschen, die sich für einen längeren Zeitraum in ihrem Schlaf gestört fühlen, sollten mit ihrem Hausarzt sprechen. Und an den Schlafmediziner denken. Ein Mensch mit Herzschmerzen geht ja auch zum Kardiologen.

Den seinen gibt´s der Herr im Schlaf.

Young: Und wir können dabei helfen. Wir haben eine Schlaf-Reha gegen Narkolepsie, aber auch um Patienten mit chronischer Schlaflosigkeit können wir uns kümmern. Nach einer Nacht mit Schlaflosigkeit ist doch die erste Reaktion, früher ins Bett zu gehen. Die richtige Reaktion ist aber, später ins Bett zu gehen, um die Phase des Wachliegens zu verkürzen. Lange Liegezeiten ohne Schlaf haben die Entwicklung schlechteren Schlafverhaltens zur Folge. Bei Anspannung setzen wir also weniger auf Medikamente, sondern vielmehr auf verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Es gibt aber übrigens auch die gesunden Schläfer. Die kann gar nichts erschüttern.

Zahlt die Versicherung eine Schlaftherapie?

Young: Es gibt über 80 unterschiedliche Formen von Schlafstörungen, von Atmungsstörungen über das Schnarchen bis hin zum Nicht-Einschlafen. Es ist eine klar anerkannte Erkrankung. Eine eigene Krankheitsgruppe in der Vergütungsstruktur der Versicherungen. Schlafmedizin ist keine Wellness-Medizin.

Kommentare