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„Die Menschen werden mir fehlen“

Geschäftsführer des Inn-Salzach-Klinikums Dr. Danzl geht in den Ruhestand

Zufrieden mit seinem Lebenswerk: Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, geht in diesen Tagen in den Ruhestand.
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Zufrieden mit seinem Lebenswerk: Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, geht in diesen Tagen in den Ruhestand.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Wer in den Ruhestand geht, wünscht sich ein ruhiges letztes Arbeitsjahr. Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, hat das Gegenteil erlebt: Das letzte war ein besonders turbulentes – mit Groß-Krise wegen Corona und Großbaustelle.

Wasserburg – Trotzdem: Danzl wirkt wenige Tage vor dem Ende seiner 34-jährigen Tätigkeit in Wasserburg entspannt – und zufrieden mit dem Erreichten.

„Eines meiner härtesten Jahre“

Personell und finanziell gut aufgestellt, das Mammutvorhaben gemeinsamer Neubau mit der Romed-Klinik Wasserburg gut auf den Weg gebracht: So startete Danzl ins Jahr vor dem Ruhestand. Dann kam Corona – und der Dauer-Krisenmodus. „Jeden Tag neue Hiobsbotschaften“, ständig neue Hygieneauflagen und die Notwendigkeit, ein psychiatrisches Krankenhaus pandemiegerecht aufzustellen: „Es war eines meiner unangenehmsten und härtesten Jahre“, sagt der 65-Jährige.

Als „heimtückisch“ hat er das Virus erlebt, frustrierend fand er die Tatsache, dass es immer wieder Rückschläge zu verzeichnen gab, enorm sei der organisatorische Aufwand gewesen beim Aufbau von Testzentrum und Corona-Stationen, groß die Sorge um Mitarbeiter und Patienten. „Heute sind wir covidfrei“, sagt er, „und morgen kann es schon wieder anders sein.“

Nach wie vor kein Normalbetrieb

Nach wie vor kann das Inn-Salzach-Klinikum aufgrund der vielen Hygieneauflagen keine Normalbelegung fahren. 2020 habe es deshalb Ausgleichszahlungen gegeben. Und 2021? „Es wird unter den jetzigen Bedingungen kaum ohne Verlust gehen“, bedauert er. Einmalig könne die Klinik dies verkraften, über mehrere Jahre nicht – eine wirtschaftliche Herausforderung auch für seinen Nachfolger Dr. Karsten Jens Adamski.

Doch das letzte Jahr vor dem Ruhestand hat auch Positives gebracht: Die Großbaustelle laufe trotz Pandemie gut, „wir sind einigermaßen im Zeitplan“. Im Frühjahr 2022 werden die ersten Abteilungen umziehen. Überlegungen, wie die räumliche Situation am Inn-Salzach-Klinikum verbessert werden kann, haben Danzls Karriere in Gabersee wie ein roter Faden durchzogen. In den vergangenen 30 Jahren seien sicherlich 100 Millionen Euro verbaut worden, berichtet er.

1986, als er anfing, gab es noch Schlafsäle. Systematisch wurden Pavillons in Zwei-Bett-Zimmer umgebaut. Millionen flossen in den Brandschutz.

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In den vergangenen 34 Jahren, in denen Danzl in leitender Funktion die Geschicke der Klinik steuerte, stieg die Zahl der Mitarbeiter von 300/400 auf 1700, sank gleichzeitig die Anzahl der Betten von 800/900 auf 540.

1975 hatte der Gesetzgeber einen Quantensprung in der Psychiatrie vollzogen: Der Personalschlüssel für die medizinische, therapeutische und pflegerische Betreuung der Patienten wurden stark erhöht. Nur die Budgets waren gedeckelt, ein mühsamer Kampf um die personelle Ausstattung begann, erinnert sich Danzl.

„Kaum ein Fach in der Medizin hat sich so stark entwickelt wie die Psychiatrie“, findet er. Früher ging es ums Wegsperren, ein psychiatrisches Krankenhaus hieß Anstalt und hatte einen Verwahrcharakter. „Heute sind wir eine moderne Akutklinik“, sagt Danzl. Was ihn besonders freut: „Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.“ Früher hätten sich Menschen, die an Depression erkrankt seien, geschämt, heute sei dies eine von der Gesellschaft akzeptierte Krankheit.

Vorrreiterrolle bei der Öffnung nach außen

Das Inn-Salzach-Klinikum hat nach Danzls Überzeugung deutschlandweit eine Vorreiterrolle bei diesem Prozess übernommen – auch durch die bewusste Öffnung nach außen, etwa durch das Kulturprogramm im Festsaal. „Mauern und Zäune sind gefallen – auch in den Köpfen vieler Menschen.“

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„Es hat sich so viel getan, es war eine schöne Zeit“, sagt der scheidende Geschäftsführer deshalb. Er hat es nach eigenen Angaben nie bereut, seine Arbeitsstelle bei der staatlichen Lotterieverwaltung in München zugunsten des Inn-Salzach-Klinkums aufgegeben zu haben.

Hier war er zuerst Leiter der Wirtschaftsabteilung, dann ab 1997 Verwaltungsleiter, ab 1998 nach Umwandlung in einen Eigenbetrieb Krankenhausdirektor, ab 2007, als das Kommunalunternehmen (kbo) des Bezirks gegründet wurde, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH Inn-Salzach-Klinikum. Jetzt geht er mit Wehmut im Herzen, „denn die Menschen werden mir fehlen“, sagt Danzl, der oft seinen Schreibtisch verließ, um den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern zu pflegen.

Eins wird er jedoch nicht vermissen: „Den bürokratischen Wahnsinn, den die Gesundheitsberufen aushalten müssen.“

Zum Karriereende einen Dackelwelpen

Er freut sich darauf, zum ersten Mal in seinem Leben nicht terminlich fremdbestimmt zu sein. Am ersten Tag des Ruhestands holt Danzl seinen neuen Dackelwelpen vom Züchter ab. Außerdem will er sich intensiver als in den Jahren zuvor der Familie widmen – vor allem den bald fünf Enkeln.

Mit dem Wohnmobil soll es von Schnaitsee aus auf Reisen gehen. Außerdem muss er sich in eine neue Rolle einfinden. „Meine Frau hat schon klargestellt: Daheim ist sie der Chef“, sagt er schmunzelnd.

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