Kontakte statt Verbote

Rosenheimer Geschäftsführer eines Fitnessstudios will Menschen gezielt auf Coronavirus vorbereiten

Leere an den Geräten: Die Rosenheimer Fitnessstudios sind aufgrund des Lockdowns geschlossen. Aus der Sicht von Studiobetreiber Michael Rauscher der „völlig falsche Ansatz“.
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Leere an den Geräten: Die Rosenheimer Fitnessstudios sind aufgrund des Lockdowns geschlossen. Aus der Sicht von Studiobetreiber Michael Rauscher der „völlig falsche Ansatz“.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Salutogenese ist das sperrige Zauberwort von Michael Rauscher. Für den Geschäftsführer des Rosenheimer Fitnessstudios bedeutet der medizinische Ansatz, den Körper mit gezielten Reizen auf den Coronavirus vorzubereiten. Kontakte statt Verbote seien daher der einzig richtige Weg aus der Krise.

Rosenheim – Umarmungen als bewusster Reiz, mehr Sauerstoff ohne Maske und vermehrte Sozialkontakte als Mittel gegen Corona. Diese auf den ersten Blick seltsam wirkenden Maßnahmen sind der Vorschlag von Michael Rauscher, dem Geschäftsführer des Fitnessstudios Robinson Wellfit.

Das Prinzip hinter der offensiven Strategie heißt Salutogenese und beschäftigt sich im Gegensatz zu den bisherigen Schutzregelungen damit, wie man das Immunsystem des Menschen stärken kann. Der auf persönlichen Tests basierende Ansatz ist in der Medizin nicht neu, stößt jedoch sowohl in der Politik als auch bei den Ärzten nur bedingt auf Zustimmung.

„Starke Zweifel“ am aktuellen System

„Das bisherige System geht in eine völlig falsche Richtung“, ist sich Rauscher sicher, wenn er einen Blick auf die aktuellen Corona-Regelungen wirft. Anstatt sich aktiv mit der Gesundheit der Menschen zu befassen, versuche die Deutsche Bundesregierung, teilweise wirkungslose Schutzmaßnahmen einzuführen, die völlig am Ziel vorbeiführen.

Der Rosenheimer Geschäftsführer möchte daher ein System entwickelt, bei dem man den Menschen analysiert, Risikogruppen erkennt und gezielt gegen die jeweiligen Schwachstellen steuert. Mit der Förderung seines „Intellegent Personal Training“ (IPT) könne man, mit einer guten Infrastruktur, dem „mit Turbo auf uns zurasenden Virus“ entgegentreten.

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Wünscht sich mehr Unterstützung: Michael Rauscher, Geschäftsführer des Fitnessstudios Robinson Wellfit in Rosenheim.

Die Idee des ehemaligen Leistungssportlers (Triathlon) ist dabei ein vernetztes System, das in kleinerem Ausmaß bereits in seinem Rosenheimer Fitnessstudio eingesetzt wird. Mithilfe eines Fragebogens kann man seinen Gesundheitszustand grob ermitteln.

Eine künstliche Intelligenz bewertet die Ergebnisse und schätzt die sogenannten Gesundheitsreserven des jeweiligen Kunden ein. Anschließend kann man, je nach Bedarf, mit Labortests weitere Daten wie Blutdruck oder den Stoffwechsel bestimmen. „Das System erkennt dann, wenn jemand gewisse Risiken besitzt, an denen man ansetzen und arbeiten kann“, erklärt Rauscher.

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Mithilfe von Training und Ernährung könne man das Immunsystem dann soweit stärken, dass man sich Schritt für Schritt wieder neuen Reizen, also fremden Kontakten, annähern kann. Wenn diese Maßnahmen flächendeckend integriert und im Gesundheitssystem vernetzt werden könnten, wäre man laut Rauscher gegen Corona gewappnet.

Rosenheimer Vorschlag findet wenig Zuspruch

In der Politik reagiert man zunächst Verhalten auf den Vorschlag des Fitnessstudio-Geschäftsführers, den er unter anderen dem bayerischen Gesundheitsministerium und dem Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner zukommen ließ.

Das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sehe zwar, dass die Prävention in Zeiten von Corona bereits eine wichtige Säule darstellt. „Da es aber bislang keinen Impfstoff und keine spezielle Therapie gab, war es unerlässlich, sofort umsichtig und zielgerichtet Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“

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Der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner sieht in dem Ansatz der Salutogenese durchaus eine Hilfe beim Kampf mit dem Virus. Ihm gefällt vor allem „die psychische Komponente“, da es sich um eine aktive und positive Herangehensweise handelt. Daher sieht er Rauschers Idee zwar durchaus als wichtigen Baustein, allerdings nur im Bereich der Vorsorge.

Auch der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Rosenheim, Dr. Fritz Ihler, differenziert bei der Idee Rauschers in Maßnahmen zum Schutz und zur Prävention. „Der Ansatz der Salutogenese wird den Virus grundsätzlich nicht interessieren. Schließlich kann sich jeder mit Corona infizieren, auch rundum gesunde Leute.“

Natürlich würde man wahrscheinlich mit einem guten Immunsystem besser mit dem Virus umgehen können. In Zeiten einer Pandemie müsse man allerdings versuchen, dass man Corona gar nicht bekommt. Erst wenn man die Zahlen im Griff hat, kann man sich laut Ihler im zweiten Schritt mit einer besseren Vorsorge beschäftigen. Solange blieben Maske und Kontaktverbot ein sinnvolles Mittel.

Fitness als Helfer gegen Corona

Für Rauscher steht jedoch fest, dass das ganzheitliche System eines guten Immunsystems der richtige Weg im Kampf gegen Corona ist. Er sucht trotz zahlreicher Absagen nach wie vor Unterstützung, um seine künstliche Intelligenz deutschlandweit einsetzen zu können.

Auch wenn seine Software zunächst einmal nicht angenommen wird, so sollte man seiner Meinung nach wenigstens die Fitnessstudios wieder öffnen, um den Menschen die Möglichkeit einer gesunden Lebensweise zu ermöglichen.

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