Gut gerüstet für den Ansturm

77 000 Schüler in Bayern machen in diesem Jahr Abitur - mit verschiedenen Maßnahmen schaffen die Hochschulen und Universitäten Platz für die Studenten.  Foto dpa
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77 000 Schüler in Bayern machen in diesem Jahr Abitur - mit verschiedenen Maßnahmen schaffen die Hochschulen und Universitäten Platz für die Studenten. Foto dpa

Mit dem doppelten Abiturjahrgang und der ausgesetzten Wehrpflicht erwarten die Hochschulen mehr Studienanfänger denn je. Bayernweit nehmen in diesem Jahr rund 77 000 Schüler an den Abiturprüfungen teil - fast doppelt so viele wie im letzten Jahr. Auch die Rosenheimer Hochschule für angewandte Wissenschaften wappnet sich für den Ansturm.

Rosenheim - Im vergangenen Jahr schrieben sich in Rosenheim rund 1200 Studenten ein. 30 Prozent davon waren Gymnasiasten. Ob es heuer mehr werden, kann Karina Hilbrecht, Referentin der Hochschulleitung, noch nicht sicher sagen. "Die Zahl der Studienanfänger ist bereits in den Vorjahren größer geworden. Wir rechnen auch heuer mit einem gemäßigten Anstieg."

Mit den beiden neuen Studiengängen "Energie- und Gebäudetechnik" und "Wirtschaftsmathematik mit Ausrichtung Aktuarwissenschaften" sei nun Platz für etwa 100 zusätzliche Studenten. Bei der Wahl der beiden Studienangebote sei die Nachfrage bei den Studenten gleichermaßen berücksichtigt worden wie die der Wirtschaft. "In diesen Bereichen werden gut ausgebildete Menschen durchaus benötigt", sagt Hilbrecht. Das Wissenschaftsministerium müsse Neuerungen wie diese genehmigen. So werde beispielsweise berücksichtigt, ob es den Studenten möglich sei, später in der näheren Umgebung Arbeit zu finden.

Bei Erstellung des Studieninhalts arbeite die Hochschule mit der Industrie zusammen, um zu klären, welche Kompetenzen von den Absolventen dieses Studiengangs erwartet werden. Für jeden Studiengang würden vier bis fünf Professoren benötigt.

Die räumlichen Kapazitäten werden laut Hilbrecht demnächst mit dem Kauf eines Gebäudes an der Westerndorfer Straße erweitert. Darüber hinaus seien verschiedene Maßnahmen geplant, wie zum Beispiel der Ausbau der Bibliothek von 650 auf 800 Quadratmeter. Das hängt jedoch nicht nur mit dem doppelten Abiturjahrgang zusammen: "Unsere Bibliothek platzt einfach aus allen Nähten", meint Hilbrecht. Um Platz dafür zu schaffen, zieht die Verwaltung intern um.

Bei dem Umbau sollen Ruhezonen für die Studenten entstehen, in denen sie ungestört lernen können. Daneben schafft die Hochschule verstärktelektronische Bücher und Zeitschriften, sogenannte "E-Books" an. Damit soll es den Studierenden möglich werden, ortsungebunden Texte herunterzuladen. Der Betrieb der Bibliothek werde durch den Umbau nicht beeinträchtigt. "Die Hauptarbeiten finden in den Sommerferien 2011 statt", so Pressesprecherin Regine Falk. Finanzielle Unterstützung bekommt die Hochschule vom bayerischen Wissenschaftsministerium, das knapp 1,5 Millarden Euro für die Kapazitäts-Erweiterungen an Hochschulen und Universitäten in Bayern bereitstellt.

Da die Abiturienten des neunstufigen Gymnasiums ihre Prüfungen bereits Mitte April hinter sich haben, gibt es an der Hochschule Rosenheim verschiedene Angebote, um die Zeit bis zum Studienbeginn im Oktober zu überbrücken. So kann laut Hilbrecht beispielsweise das Grundpraktikum vor Studienbeginn absolviert werden: "Es muss vor Beginn des Praxissemesters abgeschlossen sein und kann in allen Betrieben, die zum Studiengang passen, abgeleistet werden - von der Marketingabteilung bei BMW für Studenten im Bereich Betriebswirtschaft bis hin zu kleinen Schlossereien bei Ingenieurs-Studiengängen."

Außerdem könnten angehende Studenten mit dem Angebot der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb) schon vor Studienbeginn Punkte sammeln. Nach einer erfolgreichen Bewerbung und Einschreibung an der Hochschule im Herbst 2011 werden die erzielten Ergebnisse der virtuellen Lehrangebote für das jeweilige Studium angerechnet. "Bisher haben wir gute Erfahrungen mit diesem Programm gemacht", fasst Karina Hilbrecht zusammen. Die Teilnehmer müssten dafür nicht wesentlich disziplinierter sein als während des Studiums. "In der Gruppe können sich die Studenten allerdings gegenseitig motivieren und mitziehen."

Auch mit den Brückenkursen der Fakultäten Innenarchitektur und Informatik böten sich den Abiturienten Möglichkeiten, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Die Teilnehmer lernten dabei Wissenswertes, das im späteren Studium vorausgesetzt werde.

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