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Verhandlung gegen Rimstinger

Sohn (32) prügelt Vater zum Pflegefall: Unterbringung in Psychiatrie angeordnet

Vor dem Gerichtsgebäude steht eine Statue der Göttin Justitia.
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Vor dem Gerichtsgebäude steht eine Statue der Göttin Justitia.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Ein psychisch kranker 32-Jähriger attackierte seinen Vater in der gemeinsamen Wohnung in Rimsting so massiv, dass der 68-Jährige zum Pflegefall wurde. Das Traunsteiner Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Volker Ziegler ordnete am Montag die zeitlich unbegrenzte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Traunstein/Rimsting –Laut Antragsschrift von Staatsanwalt Wolfgang Fiedler kam es in der Nacht des 2. Oktober 2021 zu einem Streit. Der 32-Jährige hatte trotz Drängen des Vaters seine notwendigen Medikamente nicht genommen, angeblich wegen der unangenehmen Nebenwirkungen. Die Auseinandersetzung eskalierte.

Der Beschuldigte schlug gegen 23 Uhr mit einer Glasflasche mehrfach auf den mit dem Rücken auf einer Matratze liegenden Vater ein. Die Flasche ging dabei zu Bruch. Das blutende Opfer verlor das Bewusstsein. Danach trat der Sohn mehrmals mit dem Fuß ohne Schuhe gegen Kopf und Oberkörper des 68-Jährigen.

Nachbarn hatten in jener Nacht wegen des lautstarken Streits die Polizei verständigt. Der 32-Jährige kam den Beamten der Polizeiinspektion Prien bereits entgegen. In der Wohnung fand die Polizei den bewusstlosen 68-Jährigen.

Der Tatverdächtige leistete gegenüber den Beamten keinerlei Widerstand. Ein Ermittlungsrichter erließ anstelle Untersuchungshaft einen Unterbringungshaftbefehl. Seither lebte der Beschuldigte in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Fachklinik.

Der Vater hatte mehrere Knochenbrüche im Gesicht und im Kopf, darunter eine Fraktur der Schädelbasis, erlitten, eine Lungenprellung, zahlreiche Blutergüsse am Rumpf, an den Armen und vor allem stark blutende Wunden im Bereich des Kopfes.

Komplexe Operation

In der Schönklinik in Vogtareuth wurde der 68-Jährige in einer komplexen Operation ärztlich versorgt. Etwa sieben Wochen wurde er stationär in dem Krankenhaus behandelt. Nach der Entlassung wurde der Vater in eine Wohngemeinschaft für Intensivpflege im Landkreis Rosenheim verlegt, befindet sich im Wachkoma und wird zeitlebens ein schwerer Pflegefall sein.

Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim erklärte, sein Mandant habe seit 2016 bei seinem Vater gewohnt.

Am Tattag sei dem Beschuldigten aufgefallen, dass der 68-Jährige sehr häufig mit Ärzten und Kliniken telefoniert habe. Der 32-Jährige habe den Eindruck gehabt, er solle wieder in eine Einrichtung gebracht werden – „weil er eigenmächtig seine Medikamente abgesetzt habe“.

Schlimme Verletzungen

Über die schlimmen Verletzungen des Vaters berichtete Professor Dr. Bettina Zinka vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München. Die Medizinerin stellte fest, ohne notärztliche Behandlung nach der Tat wäre das Opfer gestorben. Sie sehe sowohl eine potenzielle als auch eine konkrete Lebensgefahr. Der 68-Jährige habe durch mehrmalige stumpfe Gewalteinwirkung irreversible Schäden davongetragen, sei vierfach gelähmt und allein nicht mehr lebensfähig, benötige ständig Sauerstoff, müsse künstlich beatmet und ernährt werden, könne die Augen nicht mehr schließen. Eine Kommunikation mit dem 68-Jährigen sei nicht möglich. Es bestehe keinerlei Aussicht auf Besserung.

Akute Schübe und Denkstörungen

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, sah gestern alle Voraussetzungen für die weitere Unterbringung in der Psychiatrie erfüllt. Die seltene, eh schon äußerst schwere psychische Erkrankung des Beschuldigten mit akuten Schüben und Denkstörungen habe sich im Tatzeitraum zusätzlich verschlechtert – etwa mit der Wahnsymptomatik, sich gegen seinen Vater wehren zu müssen.

Genau an das Geschehen erinnern könne sich der 32-Jährige allerdings nicht. Krankheitseinsicht und Therapiebereitschaft seien nicht erkennbar. Eine hohe Wiederholungsgefahr für ähnliche Taten, zum Beispiel gegenüber pflegenden Personen, sei zu bejahen.

Durch den Vater bedroht gefühlt

Angesichts der Fakten plädierten sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger auf Unterbringung in der Psychiatrie. Der Beschuldigte habe sich durch den Vater bedroht gefühlt.

Um einer Unterbringung zuvorzukommen, habe der Sohn den Vater geschlagen und getreten, argumentierte Wolfgang Fiedler. Für den versuchten Totschlag, gepaart mit schwerer und gefährlicher Körperverletzung, könne der 32-Jährige nicht bestraft werden.

Harald Baumgärtl hob heraus, sein Mandant habe nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt und deshalb keinen versuchten Totschlag begangen. Aufgrund des Krankheitsbildes und der Krankheitsentwicklung sei Unterbringung auszusprechen. Eine Aussetzung zur Bewährung sei derzeit nicht möglich.

Tötungsvorsatz angenommen

Das Urteil des Schwurgerichts deckte sich mit den Schlussanträgen. Vorsitzender Richter Volker Ziegler unterstrich, der tragische Sachverhalt stehe eindeutig fest. Der Vater habe sich immer für seinen kranken Sohn und gegen dessen Unterbringung eingesetzt. Das Schwurgericht habe einen bedingten Tötungsvorsatz angenommen.

Weitere Gewalttaten seien krankheitsbedingt zu erwarten: „Dann trifft es einen Mitpatienten, einen Pfleger, einen Nachbarn.“

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