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Angst eingejagt - Prozess in Traunstein

Senioren nach Schock-Anrufen abgezockt – Darum steht eine 59-Jährige dennoch nicht mehr vor Gericht

Mit erfundenen Schauergeschichten versuchen Betrüger, Senioren ihr Geld aus der Tasche zu ziehen.
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Mit erfundenen Schauergeschichten versuchen Betrüger, Senioren ihr Geld aus der Tasche zu ziehen.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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In Traunstein ist jetzt der Prozess gegen drei Polen fortgesetzt worden, die durch Schockanrufe rund eine Viertelmillion Euro von Senioren erbeutet haben sollen. Das Verfahren gegen eine Mitangeklagte (59) wurde indes abgekoppelt. Das sind die Hintergründe.

Traunstein/Rosenheim – In dem langwierigen, Mitte April gestarteten Prozess um kriminelle Schockanrufe mit einer Beute von circa einer Viertelmillion Euro sitzen jetzt nur mehr drei polnische Staatsangehörige auf der Anklagebank. Die Siebte Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Christina Braune trennte das Verfahren gegen die einzige Frau jetzt ab. Die 59-Jährige ist erkrankt und nicht verhandlungsfähig.

Laut Anklage von Staatsanwalt Dr. Gregor Stallinger gehören die Angeklagten einer kriminellen Organisation an, die mittels Schockanrufen Geschädigte in Angst und Schrecken versetzt hatte. Mitglieder einer Bande zu sein – das haben alle Angeklagten bereits in den ersten Prozesstagen vehement zurückgewiesen. Der 24-jährige Hauptangeklagte soll an allen zwölf Fällen der Anklage mitgewirkt haben. Er soll die anderen Täter von Fall zu Fall zugezogen haben, sei es als Fahrer oder als Abholer hoher Barbeträge.

Geschädigte in Kempten, Marktoberdorf, Ingolstadt, Eckersdorf, Bad Wörrishofen, Rosenheim, Übersee, Bamberg, Nürnberg und Wasserburg sollen zunächst von unbekannten „Keilern“ angerufen worden sein. Zeugen bestätigten, ihnen sei zum Beispiel mit „schweren Verkehrsunfällen“ von Familienangehörigen ungeheure Angst eingejagt worden. Man habe gar nicht mehr richtig denken können, hieß es.

Unter den Geschädigten waren zwei 91-jährige Männer aus Wasserburg und Ingolstadt. Auch sie wurden von nicht identifizierten Anrufern, die sich als „Polizisten“ oder auch „Staatsanwälte“ ausgaben, psychisch massiv unter Druck gesetzt. In einem der Anklagepunkte sollte die – im Hintergrund am Telefon laut weinende – „Tochter“ jemand überfahren haben. In einigen Fällen waren die angeblichen „Opfer“ verstorben.

In Rosenheim dingfest gemacht

Um die Tochter, den Neffen oder einen guten Freund vor dem Gefängnis zu bewahren, zahlten die Geschädigten. Wie verlangt, legten sie hohe Beträge und wertvollen Schmuck zum Beispiel vor der eigenen Haustüre oder an einem Geschäft ab. Nach der letzten Tat am 23. Juni 2021 in Rosenheim konnten Polizeibeamte die vier Angeklagten in einem Pkw dingfest machen. Bei der Durchsuchung fanden sich in einer Tasche fast 26 000 Euro.

Die Hauptverhandlung gegen die drei Männer im Alter zwischen 24 und 53 Jahren geht am 4. Juli weiter. Die Folgetermine reichen mittlerweile bis weit in den August hinein.

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