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Urteil gegen vier Rosenheimer gefallen

17-Jährigen wegen Drogenschulden brutal überfallen: So lange müssen die Täter ins Gefängnis

Um Drogenschulden einzutreiben, haben vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim einen 17-Jährigen brutal überfallen.
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Um Drogenschulden einzutreiben, haben vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim einen 17-Jährigen brutal überfallen.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Vier Männer aus dem Landkreis Rosenheim waren an einem brutalen Überfall im Herbst 2020 auf einen 17-Jährigen in Marquartstein beteiligt. Hintergrund waren Schulden aus Drogengeschäften, die sie eintreiben wollten. Jetzt ist vor dem Landgericht Traunstein das Urteil gegen die vier Männer gefallen.

Traunstein/Marquartstein/Rosenheim – Die Jugendkammer Traunstein verhängte gegen den 22-jährigen Haupttäter aus Kolbermoor gestern siebeneinhalb Jahre Haft und Unterbringung in einer Entzugsklinik. Einen 33-Jährigen aus Prien schickte das Gericht mit Vorsitzender Richterin Heike Will für vier Jahre hinter Gitter. Zwei weitere Männer kamen mit Bewährungsstrafen und Geldauflagen davon.

Vorgeschichte der Angriffe am 4. Oktober 2020 waren Schulden des 17-Jährigen von 3200 Euro aus Drogengeschäften. Im Zentrum der Anklage stand der Überfall in Marquartstein. Der 22-Jährige mit Alkohol- und Drogenproblemen legte vor der Jugendkammer ein weitgehendes Geständnis ab. Will schilderte, die vier Angeklagten seien von Prien nach Marquartstein gefahren, um die Schulden einzutreiben. Der 17-Jährige habe 50 Euro herausgerückt.

Um an die noch fast 3200 Euro zu gelangen, habe der 33-Jährige den 17-Jährigen vor dem Haus festgehalten, während der 22-Jährige mit einer leeren Bierflasche auf den Kopf des Opfers eingeschlagen habe. Die anderen Männer seien dabei gestanden. Der 22-Jährige und der 33-Jährige hätten den Nebenkläger danach in der fremden Wohnung verbal übel bedroht, ebenso dessen Mutter.

Zugetreten und geschlagen

Während der Ältere den 17-Jährigen fixierte, hab der Jüngere zugetreten und geschlagen. Der 22-Jährige habe dem Geschädigten ein Brotmesser an den Hals gesetzt. Seine Schuhe zu küssen, habe der Jugendliche abgelehnt. Dafür sei er wieder misshandelt worden. Die Faustschläge in der Wohnung hätten die anderen Angeklagten gesehen. Während der gesamten Tatzeit habe der 17-Jährige immer wieder telefoniert, auch mit seiner Mutter, die ihm das Geld hätte leihen sollen. Letztlich hätten die Haupttäter die Mutter tatsächlich auf einem Parkplatz angetroffen – allerdings in Begleitung der Polizei.

Die Kammer wertete den massiven Überfall als „versuchte schwere räuberische Erpressung“ beziehungsweise Beihilfe dazu. Hinzu kamen bei allen Angeklagten weitere Delikte, bei dem 22-Jährigen zusätzliche aus anderen Vorfällen wie Bedrohung des 17-Jährigen via WhatsApp, einem Rauschgiftverkauf und einem Angriff auf einen anderen Geschädigten mit einem Fußkick in das Gesicht.

Die Vorsitzende Richterin führte aus, der Geschädigte habe im Zeugenstand glaubwürdig ausgesagt. Andere Zeugen hätten das Tatgeschehen bestätigt – wenn auch mit unterschiedlichen Erinnerungen zur Reihenfolge des Geschehens. Die Kammer habe dem 22-Jährigen und dem 33-Jährigen gemeinsam den Schlag mit der Bierflasche und den Messereinsatz zugerechnet. Die übrigen Angeklagten hätten über den Plan, das Geld einzutreiben, Bescheid gewusst und einige der Schläge gesehen. Keiner habe versucht, sie zu unterbinden.

Unter offener Bewährung

Ein „minderschwerer Fall“ bei den Ereignissen in der Wohnung komme nicht in Betracht, unterstrich die Vorsitzende Richterin Heike Will. Ein 17-Jähriger sei von vier Erwachsenen bedroht und misshandelt worden. Der 22-Jährige, bei dem das Gericht eine dreieinhalbjährige Vorstrafe einbezogen habe, sei seit Monaten in Unterbringung.

Der Sachverständige habe eine Behandlungsdauer von etwa zweieinhalb Jahren genannt. Einen Vorwegvollzug habe man nicht angeordnet. Der 33-Jährige sei bei den Vorfällen unter offener Bewährung gestanden. Beiden Männern sei eine gewisse Enthemmung durch Alkohol und Drogen zugute zu halten.

Bei dem 20-Jährigen sei Jugendstrafrecht zur Anwendung gelangt. Eine Freiheitsstrafe sei wegen der „Schwere der Schuld“ unumgänglich, hob Frau Will heraus. Die Kammer habe auf 22 Monate mit Bewährung und ein Drogenverbot mit Screenings erkannt. Zudem müsse der 20-Jährige eine Geldauflage von 2 000 Euro an das Suchthilfezentrum des Diakonischen Werks Rosenheim zahlen.

Den 23-Jährigen verurteilte das Gericht zu 20 Monaten Haft mit Bewährung und einer Geldauflage in Höhe von 1 000 Euro, zu leisten an die Abteilung „Häusliche Gewalt“ bei der gleichen Wohlfahrtsorganisation.

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