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Prozess am Landgericht Traunstein

Gemeinsam Arbeitskollegin (32) aus Rosenheim missbraucht: Haftstrafe für Vergewaltiger

Weil er gemeinsam mit einem 39-Jährigen eine Arbeitskollegin (32) in deren Wohnung in Rosenheim vergewaltigt hatte, muss ein 51-jähriger Mann in Haft.
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Weil er gemeinsam mit einem 39-Jährigen eine Arbeitskollegin (32) in deren Wohnung in Rosenheim vergewaltigt hatte, muss ein 51-jähriger Mann in Haft.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Weil sie ihre Arbeitskollegin (32) im August 2020 in deren Rosenheimer Wohnung gemeinsam vergewaltigt hatten, mussten sich jetzt zwei Männer – 51 und 39 Jahre alt – in Traunstein vor Gericht verantworten. Einer der Vergewaltiger muss nun in Haft, der andere kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Traunstein/Rosenheim – Ein Abend mit zwei „guten Freunden“ und viel Alkohol endete mit der gemeinschaftlichen Vergewaltigung einer Rosenheimerin (32) in deren Wohnung. Die Erste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will verurteilte einen Arbeitskollegen (51) des Opfers gestern zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, einen weiteren Kollegen (39) zu 22 Monaten Haft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Unter den Auflagen war ein zweijähriges Alkoholkonsumverbot mit sechs bis zwölf Screenings pro Jahr auf eigene Kosten.

Mit Getränken vor der Haustür

Die Männer waren mit der 32-Jährigen seit Jahren befreundet – ohne sexuelle Annäherungen. Nach Besuch eines Lokals war die 32-Jährige in der Nacht des 21. August 2020 schon zu Hause, als die Männer mit Getränken nachkamen. Die Frau zog sich zum Schlafen zurück. Die Angeklagten verabschiedeten sich vorgeblich. Stattdessen entkleideten sie das zumeist bewusstlose Opfer.

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Der 51-Jährige drang zunächst mit einem Finger in sie ein, während der andere Oralverkehr an der Frau vornahm. Danach übte der ältere Mann den Geschlechtsverkehr mit der 32-Jährigen aus. Das könne er „jetzt doch nicht machen“, reagierte der 39-Jährige. Gut einen Monat später wanderten sie in Untersuchungshaft.

Chatverkehr nach der Tat

Die Angeklagten hatten die Tat über ihre Verteidiger am ersten Prozesstag einräumen lassen und führten das Geschehen auf die hohe Alkoholisierung zurück. Wer den Anstoß zu den sexuellen Handlungen gegeben habe, wisse man nicht. Das Ganze sei „eine spontane Idee“ beider gewesen.

Einen Chatverkehr nach der Tat, in dem von Wiederholen des Geschlechtsverkehrs die Rede war, bezeichneten die Verteidiger als „blödes Gerede“. Die Anwälte präsentierten einen Täter-Opfer-Ausgleich mit Zahlung von 25 000 Euro Schmerzensgeld an die Nebenklägerin.

Opfer in psychiatrischer Behandlung

Die 32-Jährige musste dank der Geständnisse nicht mehr nach Einzelheiten der Vergewaltigung durch ihre „Freunde“ befragt werden, nur noch zu den psychischen Folgen. Sie fand während der Corona-Pandemie keine therapeutische Hilfe, befindet sich jedoch inzwischen in psychiatrischer Behandlung. Die 32-Jährige hatte sich drei Wochen nach dem Vorfall an die Polizei gewandt. Nach und nach waren die Erinnerungen bruchstückhaft zurückgekommen. Andeutungen des jüngeren Angeklagten ihr gegenüber, offenbar aus schlechtem Gewissen, trugen zusätzlich bei, ihr vieles ins Gedächtnis zu rufen.

Angaben seien „extrem glaubhaft“

Staatsanwalt Moritz Weinhart plädierte auf Freiheitsstrafen von viereinhalb Jahren für den 51-Jährigen und vier Jahren für den 39-Jährigen. Die Angaben des Opfers seien „extrem glaubhaft“ gewesen. Die Angeklagten hätten im Ermittlungsverfahren geschwiegen, sogar versucht, die Geschädigte in ein schlechtes Licht zu rücken. Alles andere als Geständnisse wäre bei dieser Beweislage „töricht“ gewesen.

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Die Chatverläufe nach der Tat seien „die Oberfrechheit“. Weinhart: „Sie vergewaltigen die Frau, machen sich lustig über sie und planen die nächste Vergewaltigung, wenn sie betrunken sind.“ Der Staatsanwalt betonte, Strafen mit Bewährung kämen nicht in Betracht. Opferanwalt Jakob Gerstmeier aus Kolbermoor schloss sich an und appellierte an die Angeklagten, sich an das Kontaktverbot zu halten.

Der Verteidiger des 39-Jährigen, Maximilian Pauls aus München, hob den Wert des Geständnisses, das eine lange Beweisaufnahme erspart habe, und den „mustergültigen Täter-Opfer-Ausgleich“ heraus. Der Grund für die Tat liege ausschließlich im Alkoholkonsum jener Nacht. Objektive Beweismittel gebe es nicht. Durch das „schlechte Gewissen“ seines Mandanten sei die Tat überhaupt erst aufgedeckt worden. Eine Strafe von maximal einem Jahr neun Monaten mit Bewährung sei angemessen,

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Verteidiger Dr. Markus Frank aus Rosenheim bezeichnete das Schmerzensgeld als sehr hoch. 20 000 Euro davon habe die Nebenklägerin bereits erhalten. Für den 51-Jährigen sei – auch angesichts der „minimalen Beweisaufnahme“ und der Schadenswiedergutmachung – eine Strafe nicht mehr als zwei Jahren mit Bewährung ausreichend.

Täter können sich „nicht freikaufen“

Will unterstrich im Urteil, der 39-Jährige müsse sich die Taten des 51-Jährigen zurechnen lassen. Er habe dessen Tun toleriert und teils selbst parallel sexuelle Übergriffe vorgenommen. Will betonte, mit einem Täter-Opfer-Ausgleich könne man sich „nicht freikaufen“. Der Tatbeitrag des 39-Jährigen sei geringer als der des 51-Jährigen.

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