Coronavirus: Der Fall Gütersloh bereitet dem Tourismus in Oberbayern heftige Sorgen

Volle Kraft voraus - im Tourismus der Region wird das wohl noch lange Zeit nicht der Fall sein.
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Volle Kraft voraus - im Tourismus der Region wird das wohl noch lange Zeit nicht der Fall sein.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Der Tourismus in der Region Rosenheim und am Chiemsee erholt sich von den Corona-Folgen - aber nur langsam. Und dann war da noch Gütersloh... Wie das zarte Pflänzchen der Erholung verdorren könnte.

Rosenheim - Von überstandener Corona-Krise oder gar vollständiger Entwarnung wollen Gastronomen und Experten in der Region Rosenheim nicht sprechen.“ Schon jetzt stehen viele Betriebe mit dem Rücken zur Wand“, sagt etwa Kriesvorsitzende Theresa Albrecht vom Hotel- und Gaststättenverband. „Viele werden schon die erste Corona-Krise jetzt nicht überleben.“

Gütersloh macht Gastronomen in der Region  Sorgen

Da kommen die Nachrichten aus Nordrhein-Westfalen zur Unzeit. Nach größeren Corona-Ausbrüchen etwa in Gütersloh hat das bayerische Gesundheitsministerium ein Beherbungsverbot erlassen, das seit Donnerstag (25. Juni) gilt.

Demnach dürfen Menschen aus Corona-Rigebieten wie dem Landkreis Gütersloh nicht beherbergt werden. Ausgenommen sind Menschen, die über einen negativen Corona-Test verfügen und ein ärztliches Attest vorweisen.

„Schade für Menschen aus Gütersloh“

Der Rosenheimer Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, weiß um die Sorgen, die viele Hoteliers und Wirte plagen. Er ist dennoch auf Seiten von Ministerpräsident Markus Söder, auch, was das faktische Urlaubsverbot für einige Menschen aus dem Westen der Bundesrepublik betrifft.

„Das ist schade für die Menschen aus Gütersloh“, sagte Stöttner den OVB-Heimatzeitungen. „Und für die Hoteliers ist es schwierig. Aber wenn wir Sicherheit haben wollen, sind konsequente Regeln besser.“ Das „ewige Hin und Her“ schade der Wirtschaft enorm, sagt der Vorsitzende des Tourismusverbands Oberbayern. Bayern fahre nach der Devise „lieber langsamer und dafür stabiler“ seine Wirtschaft wieder hoch.

Alarmierende Zahlen aus Gastronomie und Hotellerie

Dem stimmt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands, zu. Der Bad Aiblinger weiß aus einer Blitzumfrage unter den Mitgliedern des Verbands, dass der Neustart von einem beispiellos niedrigen Punkt aus erfolgt. Er kann alarmierende Zahlen nennen.

So verzeichnen die Hoteliers im Juni 65 Prozent weniger Buchungen als im Vorjahresmonat, im August sind es 61 Prozent und im September noch 59 Prozent.

Die Einbrüche bis Anfang Juni sind gewaltig. Gastronomen auch der Region sprechen von 83 Prozent Einbußen. Fürs gesamte Jahr gehen sie von mindestens 57 Prozent aus. „Das ist in einer Branche, die nahezu keinerlei Liquiditätsdecke hat existenzbedrohend.“ Dennoch verteidigt er das strengere Vorgehen des Freisaats. „Die Gesundheit steht immer an erster Stelle“, sagt er. „Und man kann es eben auch so sehen, dass der Urlaub in Bayern einfach sicher ist.“

Der Motor läuft - aber nicht auf vollen Touren

Mittlerweile werden Regelungen lockerer, Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin Chiemsee-Alpenland Tourismus, zieht eine gemischte Zwischenbilanz seit dem Ende des Lockdowns. „Die Nachfrage nach kleineren Einheiten wie Urlaub auf dem Bauernhof ist teilweise sehr gut. Die Hotels melden jedoch, dass es nicht so gut läuft.“

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Ähnlich gehe es den Wirten, und das nicht nur wegen der Abstandsregelungen und ihrer Folgen für die Kapazitäten an  Sitzen. „Es fehlt das Gruppengeschäft, es fehlen die Familienfeiern.“

Ähnliches beobachten Urlaubsexperten auch anderswo. Etwa bei der Touristinfo Wasserburg. „Der typische Tagestourist möchte gerne shoppen und einkehren“, sagt Andrea Aschauer von der Info. Doch da sei die Laune aufgrund der Auflagen noch immer gedämpft.

Bayern besonders hart betroffen?

Was die Gastronomen nervt: die von Region zu Region unterschiedlichen Auflagen. Theresa Albrecht ärgert sich nicht so sehr über die hohen Reisehürden für Touristen aus Gütersloh, sie sieht – trotz der harschen Kritik des Landrats dort – auch keine erneute rufschädigende Wirkung. „Der Imageverlust ist schon da, weil wir sehr strenge und langwierigere Maßnahmen als andere Bundesländer oder auch Österreich ergriffen haben.“

So habe sich der Eindruck verfestigt, dass Bayern besonders hart betroffen sei. Problematisch für die Konkurrenzfähigkeit sei auch, dass Österreich – ungeachtet neuer Erkenntnisse über die zentrale Rolle Ischgls als Corona-Hochburg –   schneller aus den Startlöchern gekommen sei. Sowohl, was die Wellnessbereiche in Hotels betreffe, als auch Öffnungszeiten für Speiselokale, Biergärten und Clubs.

Wer trägt die Stornokosten?

Da nimmt die Dehoga-Vorsitzende auch die bayerische Politik in die Pflicht. Österreich verweise stets darauf, wie wichtig die Tourismusbranche für die österreichische Wirtschaft sei, sagt sie. „Doch auch bei uns ist die Branche wichtig. Wir gehören neben Gesundheitsbetrieben zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region.“

Christina Pfaffinger sekundiert ihr. „Es darf nicht sein, dass unsere Betriebe einen Wettbewerbsnachteil haben.“ Und auch Dehoga-Geschäftsführer Geppert mahnt staatliche Hilfe an – bei einem akuten Problem. Da Urlauber aus Risikogebieten ihre bayerischen Reisepläne zerrissen hätten, stehen Stornierungskosten im Raum. „Da erwarten wir“, so sagt es Geppert, „gegebenenfalls eine Entscheidung.“

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