WEIHNACHTSAKTION „OVB-LESER ZEIGEN HERZ“

Der ganz andere Existenzgründer: Wie Tobias Polsfuß beim Thema Inklusion viele Türen aufstößt

Wie in dieser inklusiven Wohngemeinschaft in Köln sollen sich mithilfe der OVB-Leser auch in Rosenheim bald Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag unterstützen. dpa
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Wie in dieser inklusiven Wohngemeinschaft in Köln sollen sich mithilfe der OVB-Leser auch in Rosenheim bald Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag unterstützen. dpa
  • Ludwig Simeth
    vonLudwig Simeth
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  • Dr. Garbiele Riffert
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Die Schaffung einer inklusiven Wohngemeinschaft in Rosenheim – das ist das Ziel der diesjährigen Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“. Ein Ziel, das Dank der spendenfreudigen Leser immer näher rückt. Was beim Thema Inklusion alles möglich ist, zeigt beispielhaft die Erfolgsgeschichte von Tobias Polsfuß.

Rosenheim/Mühldorf – Tobias Polsfuß ist „total überzeugt“ von seiner inklusiven WG in München. Schon seit sechs Jahren lebt er dort mit Menschen mit Hilfebedarf zusammen. „Ich bin begeistert, weil es so gut funktioniert, andererseits überrascht, dass die Idee so wenig bekannt ist“, sagt der 26-jährige Noch-Student, der soeben seinen Master gemacht hat.

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Er bezahlt keine Miete für sein Zimmer, leistet dafür einen Abend-, Nacht-, und Frühdienst pro Woche und einen Wochenenddienst pro Monat. Er ist als Ansprechpartner bei Fragen greifbar oder organisiert mal einen Wochenend-Ausflug.

Internetplattform installiert

Aber Polsfuß hat auch das Projekt „Wohn:Sinn“ gestartet – eine Internetplattform zur Förderung und Verbreitung von inklusivem Wohnen. Die Seite stieß schnell auf Resonanz. Um das Potenzial seines Erfolgsprojekts „Wohn:Sinn“ gemeinsam weiterzuentwickeln, haben sich mittlerweile inklusive Wohnprojekte aus ganz Deutschland zum Verein „Wohn:Sinn – Bündnis für inklusives Wohnen“ zusammengeschlossen.

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Auch die Politik findet das Modell klasse. So hat Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer den WG-Pionier Polsfuß mit dem „Miteinander-Preis 2019“ ausgezeichnet. In jedem Regierungsbezirk wurde ein vorbildliches Projekt gewürdigt. In Oberbayern fiel die Wahl auf seine Internet-Seite.

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„Mir hat es hier in der inklusiven WG von Anfang an Spaß gemacht“, erinnert sich Polsfuß. „Klar, an manche Sachen musste ich mich erst gewöhnen. Zum Beispiel, dass man aufpassen muss, in einer WG mit neun Leuten nicht seine Privatsphäre zu verlieren. Aber das ist in jeder anderen WG auch so“, schmunzelt er.

So könnte die Weiterentwicklung der Internet-Plattform schon bald zum Beruf des jungen Mannes werden, der seinen Master in Master in „Gesellschaftlicher Wandel und Teilhabe“ abgeschlossen hat. Fördermittel zur Vertiefung des Projekts sind bereits beantragt.

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So wurde Polsfuß zum Existenzgründer der besonderen Art. Er ist ein gefragter Referent und Berater, wenn es um die Bildung inklusiver Wohngemeinschaften geht. Auch beim Katholischen Jugendsozialwerk (KJSW), das mit den Geldern aus der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ eine solche WG in Rosenheim gründen wird, hat er bereits einen Vortrag gehalten.

„Seine“ Münchner WG besteht schon seit 14 Jahren. Von den ersten Bewohnern sind heute noch drei dabei. „Die Mitbewohner mit einer Beeinträchtigung bleiben länger hier und sie sind im Durchschnitt älter als diejenigen ohne Behinderung, die oft nach drei bis fünf Jahren wechseln“, weiß der gebürtige Landshuter. Er und eine weitere nicht beeinträchtigte Mitbewohnerin sind bald sieben Jahre fester Teil der WG: „Das sorgt einerseits für Stabilität, andererseits für lebendigen Wechsel.“

Sieben Außengruppen im Landkreis

Das Katholische Jugendsozialwerk Rosenheim ist in der Region Träger von ambulanten Diensten und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, wie etwa das Emmy-Schuster-Haus oder das Wohnheim am Salzburger Weg. Dazu kommen sieben Außenwohngruppen im Landkreis.

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Neu hinzukommen soll nun mit Unterstützung der OVB-Leser die inklusive Wohngemeinschaft in Rosenheim, in der Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf Augenhöhe zusammenleben. „Ich drücke fest die Daumen, dass möglichst viel Geld dafür gespendet wird“, sagt Polsfuß.

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