Nach Anzeige von Kreisfischereiverein

Freispruch für „Fischwilderer“ in Raublinger Gewässern – Unschuld für Richterin erwiesen

Wegen Fischwilderei in Raublinger Gewässern stand ein Miesbacher vor Gericht.
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Wegen Fischwilderei in Raublinger Gewässern stand ein Miesbacher vor Gericht.
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Nach großem Ärger um die angebliche Fischwilderei eines Miesbachers folgte die Quittung: 1200 Euro Strafe. Weil der 34-Jährige das nicht auf sich sitzen lassen wollte, erhob er Einspruch. Denn eigentlich, so ist er überzeugt, war alles ganz anders. So sah es dann auch das Gericht.

Raubling – Bei einem Familien-Ausflug wurde ein Angler wegen Beseitigen von verbotenen Legangeln der Fischwilderei verdächtigt (wir berichteten). Der Kreisfischereiverein hatte den Miesbacher angezeigt. Dieser hatte Einspruch gegen den Strafbefehl, der eine Geldstrafe von 1200 Euro vorsah, erhoben. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim kam es zu einem Freispruch.

Angelberechtigung für den gesamten Landkreis

Der 34-jährige Filialleiter, der eine Angelberechtigung für den gesamten Landkreis Rosenheim verfügt, schilderte den Sachverhalt aus seiner Sicht: Er wollte nach eigenen Angaben eigentlich nur einen gemütlichen Angel-Ausflug samt seiner Ehefrau und den beiden Kindern unternehmen. Am Donnerstag, dem 23. April, entschloss der Miesbacher sich, am Grießenbach bei Raubling zu angeln.

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Legangeln überwacht von Wildkamera

Gegen 10 Uhr am Vormittag habe er bemerkt, dass sich seine Leine in dort ausgelegten Fangleinen verheddert hatte. Zwei verbotene dauerhaft ausgelegte „Legangeln“, die dort angebracht waren, habe er entfernt, und sei auf eine dritte gestoßen. Gleichzeitig entdeckte er, so seine Schilderung, eine Wildkamera, die wohl zur Überwachung dieser verbotenen Geräte montiert worden war.

Teleskopangel für Rechtshänder

Der Fischereiaufseher, durch die ausgelöste Kamera alarmiert, schickte zwei ehrenamtliche Fischerei-Kontrolleure an die besagte Stelle. Vor Ort gab es dann zunächst ein Missverständnis: Der Angler hielt nämlich die beiden Kontrolleure für die Eigentümer der verbotenen Gerätschaften. Entsprechend aufgebracht sprach er diese an. Die Anderen wiederum hielten ihn für den Fischwilderer. So gab es ein Streitgespräch, dass damit endete, dass die Fischereiaufsicht ihn – obwohl er korrekte Erlaubnisscheine vorweisen konnte – wegen Fischwilderei anzeigte. Die Erlaubnisscheine wurden darüber hinaus ebenfalls eingezogen. Eine dort vorgefundene Teleskopangel des Wilderers sei ein Gerät für Rechtshänder gewesen, berichtete der Angeklagte. Für ihn als Linkshänder sei so ein Gerät völlig nutzlos.

Weitere Legangeln am Grießenbach gefunden

Der Fischereikontrolleur sagte aus, dass er auf die Meldung der Fischereiaufsicht an das Gewässer gekommen sei und dort den Angeklagten samt Familie angetroffen habe. Der Miesbacher habe sich auch ordnungsgemäß mit gültigen Papieren als berechtigter Angler ausgewiesen. Wie lange diese Legangeln vorher schon vorhanden waren, konnte er nicht sagen. Er bestätigte auch, dass später wiederum solche Legeangeln am Grießenbach vorgefunden wurden.

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Ziel Wilderer auf frischer Tat ertappen

Der Leiter der Fischereiaufsicht erklärte, dass am Vortag diese verbotenen Geräte aufgefallen waren und man deshalb diese Wildkamera montiert habe. So wollte man den Wilderer auf frischer Tat erwischen. Nachdem die Kamera ausgelöst habe, hätte man die beiden Kontrolleure losgeschickt. Diese hätten dann den Angeklagten angetroffen. In seiner Anzeige war vermeldet, dass der Angeklagte ohne eigenes Angelgerät unterwegs gewesen sei.

Die anderen Zeugen hingegen bestätigten, dass der Angeklagte durchaus seine Ausrüstung mit sich hatte. Der Zeuge musste eingestehen, dass es sich dabei lediglich um einen Rückschluss seinerseits gehandelt habe. Des Weiteren musste er bestätigen, dass es weder auf den Fotos noch anderweitige Hinweise darauf gab, dass der Angeklagte ein ertappter Fischwilderer war – außer der Tatsache, dass er sich beim Wildererwerkzeug befand. Und ja, es seien auch später solche Legeangeln am Grießenbach gefunden worden.

Keine weiteren Zeugen notwendig

Weitere Zeugen waren nun nicht mehr von Nöten. Der Staatsanwalt machte es kurz: Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte sich hier der Verdacht auf Fischwilderei nicht bestätigt. Deshalb sei der Angeklagte wegen erwiesener Unschuld freizusprechen.

Verwertung der Fotos wäre nicht zulässig gewesen

Der Verteidiger Rechtsanwalt Sascha Dieterich hatte dem nur zuzustimmen, verwies aber darauf, dass eine Verwertung von Fotos dieser Wildkamera als Beweise ohnehin nicht zulässig gewesen wäre. Die vorsitzende Richterin Maike Merlin erklärte es für glaubhaft, dass der angeklagte Mann auf einem ganz normalen Angelausflug und so absolut schuldlos in Verdacht gewesen sei.

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