Rosenheimer Raserprozess – Vater sagt: „Um den Tod der beiden Mädchen geht es nicht mehr“

  • Michael Weiser
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Auch knapp vier Jahre nach dem tödlichen Frontalzusammenstoß auf der Miesbacher Straße ist der Fall nicht abgeschlossen. Das oberste Landesgericht kassierte das Urteil gegen einen mutmaßlichen Mitverantwortlichen wegen eines Formfehlers. Für die Familien ein Albtraum ohne Ende.

Samerberg/München –Die oberste Instanz spricht von einem „absoluten Revisionsgrund“, die Familien von „Wahnsinn“: Der Prozess um den tödlichen Unfall in Rosenheim, bei dem am 20. November zwei junge Frauen aus Samerberg starben und drei weitere Menschen schwer verletzt wurden, muss teilweise neu geführt werden. Das Bayerische Oberste Landesgericht hob das Urteil gegen einen der Angeklagten, einen 27-jährigen BMW-Fahrer aus Riedering, wegen eines Formfehlers auf. Die Sache wird an das Landgericht Traunstein zurückverwiesen. Bestätigt wurde das Urteil gegen den zweiten Angeklagten.

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Das Urteil gegen den Riederinger wurde wegen eines Versäumnisses für mangelhaft befunden, das womöglich nicht nur dem Landgericht in Traunstein unterlaufen wäre. „Darüber hatten wir selbst nicht nachgedacht“. räumte Verteidiger Dr. Andreas Michel ein. Während des Prozesses war ein späteres Vergehen des zweiten Angeklagten aus Kolbermoor zur Sprache gekommen, ein mutmaßliches Autorennen am Brückenberg in Rosenheim. Während dieser separaten Beweisaufnahme wollten dessen Verteidiger Dr. Andreas Michel und der Angeklagte den Saal verlassen – was der Vorsitzende Richter nach Rücksprache mit dem Staatsanwalt gestattete.

Ein Versäumnis mit Folgen

Allerdings hätte er dazu einen formellen Beschluss fassen müssen – was nicht geschah. Für die Richter in München Grund, das Urteil zu kassieren. Es hätte ja sein können, dass die besagte Beweisaufnahme grundsätzliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit beider Angeklagter weckt, sagte Andrea Muthig, Pressesprecherin des Obersten Landesgerichts – was dann auch die Angelegenheit des Riederingers betroffen hätte. Nun muss der Fall aufgerollt werden, inklusive Gutachten und Zeugenbefragung. „Das ist hart für alle Beteiligten“, räumte Muthig ein.

Nach vier Jahren Neubeginn bei Null: Prozess wegen des Unfalls im November 2016 wird neu aufgelegt.

Vor allem für die beiden Elternpaare aus Samerberg, deren Töchter vor bald vier Jahren starben. „Wir sind erschüttert“, sagt Manuela Daxlberger, Mutter der damals 15-jährigen Ramona. „Wir hatten gehofft, damit abschließen zu können.“ Ralf Rüth, Vater der damals 21-jährigen Melanie, deren Schwester schwer verletzt wurde, sagte, es gehe nur noch um „den richtigen Punkt, das richtige Komma. Um den Tod der beiden Mädchen geht es nicht mehr.“ Das sei Wahnsinn, sagte Rüth. „Da fehlen einem die Worte.“

Vier Jahre nach der fatalen Fahrt geht alles von vorn los

Am 20. November 2016 hatte ein Golf GTI frontal den Wagen der Samerbergerinnen gerammt. Mitschuld trugen nach Meinung des Gerichts die beiden Fahrer aus dem Landkreis, die den überholenden Golf nicht mehr einscheren ließen. Der Fahrer des Golf wurde zu 20 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die beiden Mitverursacher aus dem Landkreis gingen gegen ihre Freiheitsstrafen ohne Bewährung in Berufung, das Urteil in zweiter Instanz fiel sogar noch härter aus: auf zwei Jahre und fünf Monate für den Kolbermoorer, beziehungsweise zwei Jahre und drei Monate für den Riederinger. Sein Prozess beginnt nun bei Null, und das womöglich lange nach dem vierten Jahrestag des Unfalls.

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