Fiskus um 1 Million Euro geprellt? Rosenheimer (61) muss sich vor Gericht verantworten

Eine Million Euro soll ein Rosenheimer dem Fiskus vorenthalten haben.
+
Eine Million Euro soll ein Rosenheimer dem Fiskus vorenthalten haben.

Der Vorwurf wiegt schwer. Eine Million Euro soll ein Mann (61) in den Jahren 2005 bis 2010 dem Fiskus vorenthalten haben. Jetzt wird dem Rosenheimer vor dem Landgericht München II der Prozess gemacht.

Von Angela Walser

Rosenheim/München – Die Anklage lautet auf Steuerhinterziehung in 18 Fällen. Der Mann ist nicht geständig, reduzierte den Steuerschaden aber um 350.000 Euro.

Laut Staatsanwaltschaft soll der 61-Jährige aus der IT-Branche sein Einkommen über eine Firma mit Sitz in Salzburg erwirtschaftet haben. Doch bei der Gesellschaft handelte es sich wohl nur um eine Postadresse. Sein Geld verdiente der Angeklagte demnach als freiberuflicher Software-Entwickler bei einer großen deutschen Technik-Firma. Er selber arbeitete von Rosenheim aus. Sein Einkommen soll er aber nicht vor Ort versteuert haben.

Lesen Sie auch: Prozess gegen Rosenheimer (52) wegen Sozialbetrugs in Millionenhöhe – Bewährung unwahrscheinlich

Über eine anonyme Anzeige wurde der Digital-Experte beim Finanzamt angeschwärzt. Daraufhin begannen die Steuerfahnder zu ermitteln. Der frühere Rosenheimer Sachgebietsleiter, der schon lange im Ruhestand ist, berichtete von der Anzeige. Darin wurde beschrieben, dass der Mann sein Geld in Deutschland nicht versteuere, sondern über eine Scheinfirma in Salzburg laufen lasse.

Von der österreichischen Firma wusste beim Finanzamt Rosenheim niemand etwas. Der Auslandsprüfer fand schließlich heraus, dass der 61-Jährige der einzige Gesellschafter war, kein Gehalt beziehe und vermutete, dass die Firma nur als Mantel bestehen würde.

Lesen Sie auch: Kreditvergaben in Feldkirchen-Westerham manipuliert? Millionenschaden für Rosenheimer Sparkasse

Weil der Salzburger Firmensitz in Grenznähe liegt, fuhr der Rosenheimer Ermittler selber nach Salzburg. Mit den österreichischen Kollegen ging er zum vermeintlichen Firmensitz. „Das Haus machte einen heruntergekommenen Eindruck“, erinnerte sich der Sachgebietsleiter.

„Es gab kein Firmenschild, kein Klingelschild, nur den Hinweis eines deutschen Bauträgers.“ Später sei herausgekommen, dass der Angeklagte dort als Untermieter gemeldet war und sich mit der anderen Firma die Miete teilte. „Für mich bestand der Verdacht der Steuerhinterziehung“, sagte der Ex-Beamte.

Vorsitzender Richter hakt nach

„Kommt diese Konstellation öfters vor?“, hakte der Vorsitzende Richter Stefan Weickert nach. „Für mich war es das erste Mal“, erwiderte der pensionierte Steuerfahnder.

Lesen Sie auch: Stichwort Steuerhinterziehung – So funktioniert die Selbstanzeige

Er habe Firmenmäntel in Liechtenstein und der Schweiz kennengelernt, nicht aber in Österreich. Dort habe er oft Liebesnester in Zweitwohnungen gefunden, die als Firmen getarnt worden seien. Eine echte Motivation für einen Firmenmantel konnte er nicht benennen.

Angeklagter macht keine Angaben

Der Angeklagte hatte über seinen Verteidiger bereits zu Prozessauftakt erklären lasen, dass er keine Angaben macht. Er wollte aber auch kein Geständnis ablegen. Damit wurde auch jeder Deal hinfällig. Das Gericht hatte angeboten, bei einer Zahlung von 200 000 Euro und einem vollständigen Geständnis eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren zu garantieren. Ohne Geständnis könne auch eine Gefängnisstrafe in Frage kommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Kommentare