Bei Unfalleinsatz zusammengebrochen

Tod eines Kameraden: Feuerwehr Attel-Reitmehring unter Schock

Peter Riedl.
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Peter Riedl.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Peter Riedl von der Feuerwehr Attel-Reitmehring starb bei einem Einsatz auf der B 304 im Beisein seiner Söhne. Die Trauer bei Familie und Kameraden sitzt tief.

Wasserburg – Walter Blüml, Vorsitzender der Feuerwehr Attel-Reitmehring, ringt auch zwei Tage nach dem Tod des Kameraden Peter Riedl bei einem Unfalleinsatz auf der Bundesstraße 304 nach Worten. Tief sitzt auch bei den Kollegen der Schock über den plötzlichen Tod des 59-Jährigen. Unerwartet war bei ihm eine Embolie während des Einsatzes aufgetreten. Seine beiden Söhne, ebenfalls Feuerwehrmänner, waren am Unfallort mit dabei.

Peter Riedl bricht plötzlich zusammen

Der Einsatz, bei dem Peter Riedl verstarb, war jedoch relativ unspektakulär verlaufen. Am Mittwoch hatten der plötzliche Schneefall und die damit einhergehende Glätte auch auf der Bundesstraße 304 in Reitmehring für eine Kollision von zwei Pkws gesorgt. Ein Insasse wurde beim Aufprall leicht verletzt. Die Feuerwehr Attel-Reitmehring wurde zur Sicherung der Unfallstelle gerufen.

Dabei brach Peter Riedl urplötzlich zusammen, wurde unter laufender Reanimation, begonnen von Feuerwehrkollegen, fortgesetzt vom Rettungsdienst, ins Krankenhaus Ebersberg gebracht und verstarb dort.

Eine sehr aktive Feuerwehr-Familie

„Wir Helfer werden in solchen Momenten zu hilflosen Helfern“, verdeutlicht Walter Blüml die Gefühlslage. Die Kameradinnen und Kameraden sind emotional viel gewohnt angesichts schwieriger Einsätze, bei denen oft Menschenleben auf dem Spiel stehen und tragische Schicksale zu verarbeiten sind. Doch wenn es einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau trifft, „klappt das ansonsten geschlossene Visier, das wir im Einsatz tragen, hoch“, sagt Blüml.

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Der verstorbene Kamerad stammt aus einer sehr aktiven Feuerwehrfamilie, zwei Söhne und eine Tochter sind ebenfalls aktiv. Peter Riedl war seit über 40 Jahren im Einsatz, wurde erst 2019 für diese Treue geehrt. Er war bei der Feuerwehr Attel-Reitmehring Gruppenführer, Maschinist und in der Vergangenheit Atemschutzwart.

„Peter war ein Top-Mann, auf den man sich verlassen konnte“

Der Krankenpfleger, Stationsleiter am Klinikum Haar und gebürtige Reitmehringer, galt als sehr erfahrene und gewissenhafte Einsatzkraft. Gemeinsam mit seiner Ehefrau engagierte er sich auch stark im Vereinsleben der Feuerwehr.

„Der Peter war ein Top-Mann, auf den man sich verlassen konnte, diese Verlässlichkeit ist heute ein seltenes Gut geworden“, sagt Kommandant Thomas Lerch. Er ist mit Peter Riedl, der zehn Jahre älter war, quasi in der Feuerwehr Attel-Reitmehring groß geworden, hat mit dem Kameraden in den vergangenen Jahrzehnten viel gemeinsame Zeit bei Einsätzen, Übungen und im Vereinsleben verbracht.

Feuerwehren unterstützen sich gegenseitig

Die Kollegen, die beim Einsatz dabei waren, wurden noch am Mittwoch vom PSNV-Team (Psychosoziale Notfallversorgung) des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim sowie von Diakon Wimmer betreut. Auch Kreisbrandrat Richard Schrank und Kreisbrandinspektor Stephan Hangl standen den Aktiven in den schweren Stunden zur Seite, berichtet Blüml.

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Kommandant Lerch rechnet es außerdem seinem Kollegen Niko Baumgartner, Kommandant der Stadtfeuerwehr Wasserburg hoch an, dass dieser bei der Beendigung des Einsatzes auf der Bundesstraße einsprang. „Wir Feuerwehren in der Stadt ziehen an einem Strang“, darin sieht Lerch sich erneut bestätigt.

Trauerarbeit in der Lockdownzeit schwer

Die Feuerwehr Attel-Reitmehring meldete ihre Einsatzbereitschaft am Mittwoch und Donnerstag ab, die Kollegen aus Wasserburg-Stadt und Edling übernahmen. Im Laufe des 7. Januar Tages meldete die Feuerwehr Attel-Reitmehring sich zum Dienst zurück.

Die Aufarbeitung des Geschehenen geht weiter. Aufgrund der Kontaktauflagen des Lockdowns sind zum Bedauern von Blüml persönliche Treffen zur Trauerarbeit nicht möglich. „Vieles läuft derzeit über Telefongespräche“, sagt er. „So ein Unglück während eines Einsatzes ist sehr selten. Wir befinden uns nach wie vor im Schock, sind in Gedanken vor allem bei der Familie unseres Kameraden.“

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