Experten aus der Region geben Tipps, damit der Badespaß nicht zur tödlichen Gefahr wird

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Viel Arbeit für Bayerns Rettungskräfte: Gerade während der Corona-Pandemie sind die Seen und Flüsse gut besucht, auch der Chiemsee. Die Wasserwacht-Ortsgruppe Prien-Rimsting hat alle Hände voll zu tun.

Eine unaufmerksame Minute, schon ist es passiert: Das Kind ist unter Wasser. Doch nicht nur Kinder sind der Gefahr von offenen Gewässern ausgesetzt, auch für Erwachsene kann der Badespaß zur tödlichen Gefahr werden. Auf was Ausflügler unbedingt achten sollten, haben Experten aus der Region verraten.

Von Anna Hausmann

Rosenheim/Traunstein – Laut der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken im vergangenen Jahr 95 Menschen in ganz Bayern – so viel wie in keinem anderen Bundesland. Waren es im Landkreis und in der Stadt Rosenheim 2019 noch vier Fälle, zählt die Statistik heuer bereits fünf. Rettungskräfte erklären, wie man sich im Wasser richtig verhält.

Ein besonders tragisches Unglück ereignete sich vor zwölf Jahren im Bereich der Mangfall, die Richtung Rosenheim fließt und dort in den Inn mündet: Ein Achtjähriger fiel bei Heufeld ins Wasser, die Strömung wirbelte ihn spiralförmig nach unten. Der Bub wurde zunächst gerettet, verstarb aber dann doch.Die Aiblinger Wasserwacht drehte damals einen Film, um auf die Gefahren im Wasser aufmerksam zu machen. Die Thematik sei immer noch hochaktuell. „Die Walzen sind lebensgefährlich, sie haben einen Waschmaschineneffekt“, weiß Christian Wieseke, Vorsitzender der Aiblinger Wasserwacht. Aus eigener Kraft komme man nicht mehr aus dem Fluss. Leicht könne man im Wasser die Orientierung verlieren. Die Verletzungsgefahr sei hoch – von Beinbrüchen bis hin zu schweren Kopfverletzungen sei mit allem zu rechnen. Wiesekes Ratschlag: Wenn irgendwie möglich, Ruhe bewahren, vielleicht könne man sich mit den Beinen vom Grund abstoßen.

Alz birgt Stromschnellen

Von den Zeugen eines solchen Geschehens ist schnelles Handeln gefordert. Mit langen Ästen oder Seilen könnten sie versuchen, die Person aus dem Wasser herauszuholen. Aber: „Gehen Sie unter keinen Umständen selbst ins Wasser“, so Wieseke. Die Umstehenden sollten sofort unter der Nummer 112 einen Notruf absetzen. Am Ufer der Mangfall seien die Flusskilometer ausgewiesen, diese bräuchten die Rettungskräfte. „Nennen Sie den Ort und wie viele Personen sich im Wasser befinden.“ Bis heute merke man noch das Hochwasser der vergangenen Woche an den Gewässern: Auch die DLRG Traunstein-Siegsdorf bekam die Auswirkungen zu spüren. Der Pegel der Alz sei gewaltig angestiegen, so der technische Ausbildungsleiter Stefan Augster. Am Wochenende kenterte eine fünfköpfige Familie auf dem Gewässer und musste von Einsatzkräften der DLRG gerettet werden. Am Dienstag wurden zwei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren im Bereich der Laufenau bei Altenmarkt von der Strömung mitgerissen. Das seien keine Einzelfälle, weiß Augster. Immer wieder gerieten Menschen in die Stromschnellen, besonders auf der Strecke von Truchtlaching nach Altenmarkt.

Kein Alkohol auf dem Wasser

„Die Alz ist ein Wildwasser, jederzeit kann ein Baum in den Fluss fallen, die Verletzungsgefahr ist enorm.“ Er appelliert an die Vernunft der Menschen: Bei schlechtem Wetter soll niemand ins Wasser, erst recht nicht mit Kindern. Das Landratsamt warne nicht umsonst vor Hochwasser. Badegäste sollten nur die ausgeschilderten Ein- und Ausstiege benutzen.

Ein weiteres Problem beobachten er und sein Team vermehrt: der Verzehr von Alkohol auf dem Gewässer. Er ließe die Menschen leichtsinnig werden,Flaschen und Dosen landen im Wasser. „Ein falscher Tritt ins Wasser, und der Fuß ist aufgeschnitten.“

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Gefahren birgt auch der Chiemsee als stilles Gewässer: Schnell entfernten sich Schwimmer zu weit vom Ufer, erklärt Werner Vietz, stellvertretender Vorsitzender der Wasserwacht Prien-Rimsting. Von Prien auf die Herreninsel seien es 600 bis 800 Meter, was wiederum 40 Bahnen im Schwimmbad wären – und das aber nur für die einfache Strecke. „Im kalten Wasser kühlt der Körper schnell aus, die Muskeln werden mit weniger Sauerstoff versorgt.“ Außerdem würden sich viele Badegäste vor dem Schwimmen nicht abkühlen, gingen überhitzt ins Wasser. So sacke im See der Kreislauf rapide ab – eine Gefahr für jung und alt.

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Baderegeln für

Die Badeseen rund um Rosenheim seien relativ sicher, ist Florian Städtler von der Wasserwacht Rosenheim überzeugt. „Die meisten Unfälle hängen mit internistischen Notfällen zusammen, etwa einem Herzinfarkt oder einem Kreislaufkollaps.“ So erging es im August 2017 einer Frau aus Ecking, die im Simsee ertrank. Erst nach einer Woche wurde ihre Leiche gefunden. Die meisten Badeunfälle ließen sich vermeiden, wenn jeder die Baderegeln beachte, so Städtler. Der Klassiker unter den Regeln: nicht mit vollem Magen ins Wasser. „Die meisten Unfälle passieren an fließenden Gewässern, wenn Schwimmer die eigenen Fähigkeiten überschätzen“, so Städtler. Gerade heuer sei der Ansturm auf die Seen und Flüsse aufgrund der Corona-Pandemie sehr stark. „Bitte nehmt aufeinander Rücksicht“, mahnt er. Immer wieder ertrinken Menschen, während andere es nicht bemerken.

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