„Existenzbedrohend für Gastronomen“: Rosenheimer Wirte über die Auswirkungen der Coronakrise

Werden die Cafés und Restaurants bald völlig leer bleiben und die Betreiber auf ihren Rechnungen sitzenbleiben? dpa
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Werden die Cafés und Restaurants bald völlig leer bleiben und die Betreiber auf ihren Rechnungen sitzenbleiben? dpa
  • vonAlexandra Schöne
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Die Ankündigung der bayerischen Staatsregierung, dass Restaurants und Gaststätten zunächst nur von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben dürfen, sorgt bei den Gastronomen in der Region für heftige Unruhe. Sie befürchten massive finanzielle Einbußen. Sie hoffen auf Hilfe durch die Politik. Manche entwickeln aber auch kreative Lösungen.

Rosenheim – „Das ist eine Existenzfrage für alle Gastronomen, für manche mehr, für andere weniger. Die Lage ist insgesamt sehr schwierig“, sagt Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga nach der Ausrufung des Katastrophenfalls durch die bayerische Regierung.

In Gasträumen maximal 30 Besucher erlaubt

Wie Ministerpräsident Markus Söder am Montagvormittag bekannt gab, dürfen Restaurants und Gaststätten vorerst nur noch von 6 bis 15 Uhr geöffnet haben. Maximal 30 Personen sind in den Gasträumen erlaubt, außerdem muss zwischen ihnen ein Abstand von je 1.5 Metern eingehalten werden.

„Das wird dramatische Auswirkungen für uns Betreiber haben“, befürchtet Albrecht. „In Bayern gibt es eh schon ein Wirtshaussterben, das besonders die Traditionsbetriebe bedroht. 80 Prozent der bayerischen Gaststätten sind Klein- und Mittelbetriebe, die sind gegen solche Ausfälle überhaupt nicht versichert“, sagt die Inhaberin des Gasthofes mit angeschlossener Metzgerei „Hotel zur Post“ in Rohrdorf. „Wir haben schon sehr viele Stornierungen von Veranstaltungen erhalten. Die Metzgerei soll zwar für den normalen Betrieb offen gehalten werden, aber die Gaststätte könnte man eigentlich schließen.“

Für Unternehmer ist die Coronakrise eine Wirtschaftskrise

Dass nichts wirklich geplant werden könne, sei ein weiteres Problem. Die Unsicherheit sei groß: „Jeder Tag ist anders, es gibt immer wieder Veränderungen. Für uns als Betroffene ist das sehr belastend und schlimm.“ Albrecht appelliert an die bayerische Regierung, an die Gastronomiebetriebe zu denken und sich zu kümmern: „Ich wünsche mir, dass kulant mit unserer Branche umgegangen wird.“

Auch Marisa Steegmüller, Geschäftsführerin der Flötzinger Brauerei, beobachtet die Entwicklungen durch die Ausbreitung des Coronavirus besorgt. „Ich sehe die Coronakrise wie eine Wirtschaftskrise. Das ziehe ich die Politik zur Verantwortung. Sie sollte mehr für die Wirte tun, da die ganze Situation für viele existenzbedrohend ist.“ Die Bierproduktion sei zunächst trotz allem gesichert. „Die Brauerei und natürlich in erster Linie die Mitarbeiter sollen geschützt werden. Deshalb gibt es keine Brauereiführungen mehr und es kommt niemand mehr rein, der sich dort nicht unbedingt aufhalten muss“, so Steegmüller.

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Die Löhne und Gehälter würden weiterlaufen. Durch die vielen Ausfälle von Festen, wie zum Beispiel das Starkbierfest in Raubling, und durch die Ausfälle in den Gaststätten entstehe großer wirtschaftlicher Schaden.

Lieferservice statt Gaststubenbetrieb

„Da müssen wir schauen, wie und vor allem wie lange wir das überbrücken können. Der wirtschaftliche Aspekt macht einem große Sorgen.“ Das Starkbier, das bereits gebraut wurde und wegen des abgesagten Starkbierfestes nicht mehr ausgeschenkt werden kann, wird weiterverwendet. „Daraus soll Bierschnaps gebraut werden“, erklärt Steegmüller. „Das Bier ist viel zu schade zum Wegwerfen.“

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Einige Betriebe in der Region haben sich kreative Lösungen überlegt, um dem Verdienstausfall entgegenzuwirken. Der Wirt des Stechl Kellers in Wasserburg, Peter Fichter, schließt sein Lokal ganz und setzt bis auf Weiteres auf Lieferservice. In der Küche werde gekocht, das Essen dann in Tupperdosen gepackt und anschließend zu den Kunden ausgefahren. Alternativ können diese ihre Bestellungen am Fenster der Gaststätte abholen.

Bäckerei richtet Semmeln-Lieferservice ein

Ähnlich macht es die Hofbäckerei Steingraber in Feldkirchen-Westerham. „Bis 16 Uhr können die Leute täglich ihre Bestellung aufgeben, per Telefon oder E-Mail. Am nächsten Morgen bringt ein Fahrer die Backwaren zu ihnen an die Haustür. Bezahlt wird beim Fahrer oder per Überweisung“, erläutert Bäckereichef Florian Steffl. „Ältere Mitbürger oder auch diejenigen, die das Haus nicht verlassen möchten, kommen so an frische Semmeln und Brezen.“

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