Ex-Freundin in Ruhpolding gegen Wand gedrückt und gewürgt: Haftstrafe für Nordfriesen (24)

Weil er seine Ex-Freundin gewürgt und mit Pfefferspray attackiert hatte, muss ein 24-jähriger Mann aus Nordfriesland ins Gefängnis.
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Weil er seine Ex-Freundin gewürgt und mit Pfefferspray attackiert hatte, muss ein 24-jähriger Mann aus Nordfriesland ins Gefängnis.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Weil er unter anderem seine Ex-Freundin gewürgt und mehrere ihrer Familienangehörigen mit Reizgas attackiert hatte, muss ein 24-jähriger Mann aus Nordfriesland für 15 Monate in Haft. Noch im Gerichtssaal kündigte der 24-Jährige lautstark an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

Traunstein/Ruhpolding – Ein 24-Jähriger attackierte seine Ex-Freundin in Ruhpolding Ende 2018/Anfang 2019 übel. Er würgte sie in ihrer Wohnung, besprühte sie und Familienmitglieder mit CS-Reizgas, beleidigte sie mit bösen Worten. Wegen versuchter Nötigung, vorsätzlicher Körperverletzung, dreifacher gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung verhängte das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Ulrike Stehberger jetzt 15 Monate Haft ohne Bewährung gegen den Nordfriesen.

Zunehmende Aggressivität und Eifersucht

Der Angeklagte und die Ruhpoldingerin hatten sich im Juni 2018 kennengelernt. Im Spätsommer 2018 bemerkte die Frau seine zunehmende Aggressivität und Eifersucht. Immer öfter geriet das Paar in Streit. Dann forderte die Freundin, er solle ausziehen. Bis zur Abholung durch seine Mutter kurz vor dem Jahreswechsel durfte er noch bei der Zeugin wohnen bleiben.

Beim ersten Tatvorwurf wollte der 24-Jährige die „Ex“ am 29. Dezember 2018 nicht aus ihrer Wohnung gehen lassen. Er drückte sie gegen die Wand, hielt ihr den Mund zu und würgte sie. Letztlich konnte sich die Frau befreien und flüchten. Verletzt wurde sie dabei nicht.

Attacke mit Pfefferspray

Fünf Tage später zog der Angeklagte aus der Wohnung aus. Beim Verlassen drehte er sich um und sprühte unvermittelt Pfefferspray zurück in die Räume. Die Zeugin und zwei weitere Personen trugen Reizungen der Atemwege davon. Eine Tonaufzeichnung auf dem Handy der Ex-Freundin mit den telefonischen, an Bedrohung grenzenden Beschimpfungen durch den 24-Jährigen am 1. März 2019 sprach für sich. Das Gericht verzichtete deshalb in diesem Punkt auf jede weitere Beweiserhebung.

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Die Ruhpoldingerin wirkte noch immer psychisch beeinträchtigt durch die Vorkommnisse. Insgesamt hörte Stehberger sechs Zeugen an, darunter einen Beamten der Ruhpoldinger Polizei.

Der Angeklagte spielte in dem Prozess sein Handeln herunter, mutmaßte ein Komplott der Familie, um ihn loszuwerden. Einzig die Aussage seiner Mutter und deren Lebensgefährten stützte diese Annahme. Die Mama gab weiter an, der Sohn habe keinesfalls mit Reizgas in die Zimmer, nur draußen im Bereich ohne Personen auf den Boden gesprüht.

Der sechsfach, auch einschlägig vorbestrafte 24-Jährige war als Kind verhaltensauffällig, lebt in schwierigen Familienverhältnissen, braust schnell auf, wenn ihm etwas nicht passt, hat keinen Beruf erlernt, dazu noch Alkohol- und Drogenprobleme. Er verbrachte bereits einige Zeit im Gefängnis. Zu den Tatzeiten war er trotz gewisser Persönlichkeitszüge voll schuldfähig, wie der psychiatrische Gutachter, Landgerichtsarzt Fredi Watzlawik, attestierte.

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„Gegenseitige Provokationen“ schloss Staatsanwältin Karin Hahn im Plädoyer auf 17 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung nicht aus. Dabei bezog sie – wie später die Verteidigerin und das Gericht – eine viermonatige Vorstrafe mit ein. Die Geschädigten hätten die Vorfälle glaubwürdig geschildert. Zu dem Telefonat meinte die Anklägerin: „ADHS entschuldigt solche Ausraster nicht.“

„Die Zeugin hat nicht gelogen“, betonte Verteidigerin Petra Behnisch aus Traunstein. Jedoch sei die Gewaltausübung durch den 24-Jährigen „am unteren Ende“ gewesen. Er habe nicht gezielt in die Wohnung gesprüht. Sie sehe zwar eine Nötigung, tue sich aber schwer bezüglich Körperverletzung. Die Strafe solle maximal acht Monate betragen. Die Frage der Bewährung stellte die Anwältin ins Ermessen des Gerichts.

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Das Amtsgericht gelangte zu einem Schuldspruch in allen Punkten der Anklage. Die Zeugin habe einen sehr glaubhaften Eindruck gemacht. Stehberger hielt dem 24-Jährigen sein Teilgeständnis zugute, die angespannte Situation, den Beziehungskonflikt, eine krankheitsbedingte leichte Erregbarkeit. Andererseits wisse er, dass er schnell zu Aggressionen neige, habe aber die Medikamente abgesetzt. Negativ wirkten die Vorstrafen.

„Sozialprognose nicht günstig“

Zum Thema Bewährung unterstrich die Richterin: „Ich sehe keinen Grund, anzunehmen, dass Sie künftig keine Straftaten mehr begehen.“ Der Angeklagte lege keinen besonderen Eifer an den Tag hinsichtlich Ausbildung und Job. Die Sozialprognose sei nicht günstig. Der 24-Jährige reagierte erbost auf das Urteil und kündigte lautstark Berufung an.

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