Verhandlung in Traunstein

Erwischt in Rosenheim: Mann soll altem Kumpel für Straftaten die Identität gestohlen haben

Verhandlung in Traunstein: Dreisten Identitätsklau wirft die Staatsanwaltschaft einer 37-jährigen Frau vor. Foto dpa
+
Verhandlung in Traunstein: Dreisten Identitätsklau wirft die Staatsanwaltschaft einer 37-jährigen Frau vor. Foto dpa
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
    schließen

Als Kinder waren sie in Nordrhein-Westfalen die besten Freunde. Am Montag sehen sie einander vor Gericht in Traunstein wieder. Der eine als Zeuge, der andere als Beschuldigter: Er soll unter der Identität seines alten Kumpels betrogen und gestohlen haben. In Rosenheim wurde der Angeklagte festgenommen.

Traunstein - „Mir geht es darum, dass er eine gerechte Strafe erhält. Wegen des Leids, das er mir bereitet hat.“ Aus Michael R.‘s Stimme ist jeder freundschaftliche Ton verschwunden. Und doch war der Mensch, den der Merzenicher am Montagvormittag vor Gericht wiedersehen wird, mal mehr als ein mutmaßlicher Straftäter. Einst sei er ein Freund gewesen, erst im Kindergarten, dann in der Schule. Das sagt Michael R. (36) über den Menschen, der sich heute ab 10 Uhr am Amtsgericht Traunstein verantworten muss. Unter anderem wegen Betrugs und Diebstahls, wegen Urkundenfälschung und falscher Versicherung an Eides statt. Und alles unter dem Namen von Michael R., der als Zeuge geladen ist.

Lesen Sie auch:

Richterin Andrea Titz wieder am Landgericht Traunstein – „Wie nach Hause zu kommen“

Beschuldigte ist Xenia-Maria M. (37), die in ihrem früheren Leben Thomas M. hieß. Die gemeinsam verbrachte Kindheit soll dieser Thomas M. ausgenützt haben,  Michael R. die Identität zu stehlen. „Er wusste sehr viel über mich“, bestätigte Michael R. den OVB-Heimatzeitungen vor der Verhandlung im Schöffengericht.

In des Freundes Namen bestellt und eingekauft

Mit der erschlichenen Identität, so sieht es der Staatsanwalt, habe der frühere Sandkastenfreund Waren bestellt, Versicherungen abgeschlossen, Raten für ein Auto vereinbart, eine Wohnung in Rosenheim gemietet. Alles ohne die Absicht, irgendetwas davon zu bezahlen. Ein Alptraum sei das gewesen, sagt R., immer wieder seien Rechnungen auch von Inkassounternehmen in seinem Briefkasten gelandet.

Lesen Sie auch:

„Geht doch zu Fuß auf den Berg“: Münchner mit kurioser Forderung an Frau aus Kreis Rosenheim

Michael R. konnte sich auf die Spur seines mutmaßlichen Peinigers setzen und dessen Rosenheimer Vermieterin warnen, und die wiederum benachrichtigte die Polizei. Der präsentierte er prompt den falschen Personalausweis, den er sich mit Hilfe der erschlichenen Geburtsurkunde von Michael R. in München hatte ausstellen lassen. Ohne Erfolg, die Rosenheimer ließen sich nicht täuschen und nahmen ihn im Dezember 2018 fest.

Lesen Sie auch:

Kinderpornografie als „Selbstversuch“? Bergener (61) „unter Zweifeln“ freigesprochen

Zu klären gilt es heute in Traunstein, was Thomas M., beziehungsweise Xenia-Maria M. aus welchen Motiven tat. Aber wohl auch, wie sie so leicht Behörden täuschen konnte. Ins Gefängnis wird sie auf jeden Fall müssen - als sie in Rosenheim festgenommen wurde, hatte sie sich bereits einer Haftstrafe in der JVA Euskirchen wegen Computerbetrug entzogen. Sie war einfach aus dem Freigang nicht zurückgekehrt.

Kommentare