Kreistagswahl Rosenheim: Das Endergebnis lässt weiter auf sich warten

Es wird ausgezählt – und dennoch lagen bis gestern Abend aus einigen Kommunen noch nicht alle Ergebnisse der Kreistagswahl vor. Reisner
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Schwarzer Tag für die CSU, Freude bei den Grünen: Im neuen Kreistag bleiben – nach vorläufigem Ergebnis – die Christsozialen zwar stärkste Kraft, sie verlieren aber Sitze. Gewinner sind die Grünen. SPD und Freie Wähler müssen Federn lassen. AfD und Linke ziehen erstmals ein.

Update 17. März, 17.47 Uhr

Immer noch kein Endergebnis für die Kreistagswahl

Das Ergebnis der Kreistagswahl im Landkreis Rosenheim lässt weiter auf sich warten: Dienstag, 17. März, setzten sich die technischen Schwierigkeiten fort – die Daten der Gemeinde Großkarolinenfeld ließen sich bis in die Abendstunden nicht übermitteln.

Bis Redaktionsschluss standen die Ergebnisse von zwölf Wahllokalen noch aus, weshalb die endgültige Besetzung der insgesamt 70 Kreistagssitze nach wie vor nicht feststand. „Wir hoffen, dass sich Mittwoch die Probleme lösen lassen“, erklärte die Sprecherin des Landratsamtes, Ina Krug, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Die Tendenz bei 467 von 479 Wahllokalen: 26 Sitze für die CSU und damit sieben weniger als 2014; 14 Sitze für die Grünen, die mit einem Plus von fünf Sitzen die großen Gewinner der Wahl wären; acht Sitze für die Freien Wähler (+2); fünf Sitze für die SPD (-3); sechs Sitze für die Parteifreien/ÜWG (wie 2014); drei Sitze für die ÖDP (wie 2014); zwei Sitze für die Bayernpartei (-1) und ein Sitz für die FDP (wie 2014). Neu ins Kreisparlament kommen nach aktuellem Stand (Dienstag, 17.30 Uhr) die AfD mit vier Sitzen und der Zusammenschluss aus Die Linke, Piraten, Mut Bayern, Die Partei und V-Partei mit einem Sitz.

Fest steht inzwischen das amtliche Endergebnis der Landratswahl, das der Kreiswahlausschuss Dienstagnachmittag, 17. März, festgestellt hat. Damit ist es nun auch offiziell bestätigt: CSU-Kandidat Otto Lederer und Ursula Zeitlmann von den Grünen gehen in die Stichwahl (29. März). Wesentliche Veränderungen zum vorläufigen Ergebnis vom Wahlabend gab es nicht. Otto Lederer hatte mit 52 263 Stimmen die meisten Wähler hinter sich vereinen können. Ursula Zeitlmann erreichte 20 299 Wählerstimmen.

Aufgrund der Corona-Krise wird es bei den Stichwahlen für Landrat und Bürgermeister im Landkreis keinen Gang zur Wahlurne geben. Auf Anweisung der Bayerischen Staatsregierung werden für die Stichwahl von Amts wegen Briefwahlunterlagen versendet.

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Die Erstmeldung vom 16. März

Rosenheim – Die Corona-Krise machte auch vor den Kommunalwahlen nicht Halt – und dezimierten in so manchen Städten und Gemeinden die Wahlhelfer. Die Folge: Das Auszählen zog sich länger hin als gewöhnlich – und entsprechend ließ auch das Ergebnis der Kreistagswahl auf sich warten.

Bis Redaktionsschluss (Montagabend, 16. März) stand lediglich ein vorläufiges Ergebnis fest auf der Basis von 383 von 479 Wahllokalen im Landkreis. Es fehlten: die Kreistags-Ergebnisse aus den Städten Wasserburg und Bad Aibling; und aus den Gemeinden Großkarolinenfeld, Riedering, Rohrdorf, Prutting und Flintsbach. Das endgültige Ergebnis werde erst für Dienstag, 17. März, erwartet, erklärte die Sprecherin des Landratsamtes, Ina Krug, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Zugewinn für die Freien Wähler

Tendenzen lassen sich nach gut zwei Drittel der ausgezählten Wahllokale bereits feststellen: Die CSU wird offensichtlich deutliche Verluste einfahren und ihre bislang 33 Sitze im Kreistag mitnichten halten können. Das vorläufige Zwischenergebnis lag bis Redaktionsschluss bei 27 Sitzen.

Hier die Ergebnisse der Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen

Nach Zugewinn sieht es bei den Grünen aus: Sie können ihre Kreistagsfraktion möglicherweise von neun auf 13 Sitze ausweiten. Auch bei den Freien Wählern sah es bis Redaktionsschluss nach Zugewinn aus: Von bislang sechs auf dann möglicherweise acht Sitze.

SPD auf dem absteigenden Ast

Weiter auf dem absteigenden Ast: die SPD. Sie dürfte, sollte sich das Zwischenergebnis bewahrheiten, bis zu vier Sitze verlieren (von 8 auf 4).

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Gleichbleibend-stabil ist die Tendenz bei den Parteifreien/ÜWG mit sechs Sitzen, der ÖDP mit drei Sitzen und der FDP mit einem Sitz. Die Bayernpartei könnte einen Sitz verlieren und bei zweien landen.

Neu in den Kreistag einziehen werden wohl die AfD – nach aktuellem Stand fünf Sitze – und der Zusammenschluss aus Die Linke/Mut Bayern/Piraten/Die Partei/V-Partei mit einem Sitz.

Insgesamt 586 Kandidatinnen und Kandidaten auf zehn Listen hatten sich bei der Kommunalwahl 2020 um einen der insgesamt 70 Sitze im Kreistag beworben.

Hohe Wahlbeteiligung in Eggstätt

Höchst unterschiedlich fielen die Wahlergebnisse für die Landratskandidaten in den einzelnen Kommunen quer durch den Landkreis aus. Ebenso die Wahlbeteiligung. Spitzenreiter: die Gemeinde Eggstätt, wo 82,1 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Die geringste Wahlbeteiligung hatte die Stadt Wasserburg aufzuwarten mit gerade mal 50,5 Prozent. Der landkreisweite Durchschnitt lag bei 61,6 Prozent (2014: 56,6 Prozent).

Die Top-Ergebnisse der Landratskandidaten

Ähnlich die Spannbreite bei den Kandidaten: CSU-Bewerber Otto Lederer, der schlussendlich mit 41,1 Prozent in die Stichwahl einzog, fuhr in seiner Heimatgemeinde Tuntenhausen das beste Ergebnis ein: mit stattlichen 67,7 Prozent – womit er auch das parteiübergreifend beste Einzelergebnis erreichte. Wenig Chancen hatte Lederer indes in Stephanskirchen, wiederum Heimatgemeinde von Kontrahent Rainer Auer: Hier landete der CSU-Kandidat sein schlechtestes Ergebnis mit 17,3 Prozent – während ÜWG/Parteifeie-Kandidat Auer auf heimischem Boden sein Top-Ergebnis mit 61,3 Prozent verbuchte. Auer wiederum musste insbesondere im Westen und Norden des Landkreises Federn lassen, wo er vielerorts nur einstellige Ergebnisse in Kauf nehmen musste (Wasserburg: 3,2 Prozent). Insgesamt kam Auer auf 13,3 Prozent und schrammte nur denkbar knapp – ihm fehlten 3457 Stimmen (2,7 Prozentpunkte) – aneiner Stichwahl mit Otto Lederervorbei.

Hier war Ursula Zeitlmann stark

In der Stichwahl mit insgesamt 20 297 Stimmen: Ursula Zeitlmann von den Grünen (16 Prozent). Ihre besten Ergebnisse landete sie in Wasserburg (26,6 Prozent) und Prien (26,4 Prozent). Wenig Zuspruch fand sie indes bei den Wählern in Vogtareuth (6,8 Prozent), Schechen (7,1 Prozent) und Stephanskirchen (7,4 Prozent).

Sepp Hofer von den Freien Wählern lieferte sich ebenso den Wahlabend über ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Zeitlmann und Auer um den Einzug in die Stichwahl – und hatte letztendlich mit 16 274 Stimmen (12,8 Prozent) das Nachsehen. Sein Top-Ergebnis landete Hofer in seiner Heimatgemeinde Halfing mit 36,9 Prozent, gefolgt von Eiselfing (23,5 Prozent) und Amerang (22,7 Prozent). Hofers schwächste Ergebnisse: in Stephanskirchen (5,0 Prozent) und Bad Aibling (5,4 Prozent).

Hochburgen der SPD

Landkreisweit kam SPD-Kandidatin Alexandra Burgmaier auf lediglich 6,4 Prozent (2014: 8,1 Prozent) – doch in ihren Hochburgen fuhr die SPD durchaus noch zweistellige Ergebnisse ein. So in Wasserburg (13,2 Prozent), Kiefersfelden (12,6 Prozent) und Kolbermoor (11,2 Prozent) sowie in Burgmaiers Heimatgemeinde Raubling (17,3 Prozent).

Mit jeweils 2,2 Prozent im landkreisweiten Ergebnis vergleichsweise abgeschlagen: ÖDP-Kandidat Josef Fortner (2014: 4,3 Prozent) und Florian Weber von der Bayernpartei (2014: 6,9 Prozent). Beide kamen auch in den einzelnen Kommunen nicht über einstellige Ergebnisse hinaus; ebenso die FDP, die mit Walter Pakulat landkreisweit nur 1557 Stimmen (1,2 Prozent) erreichte.

Hier wählt man viel AfD

Auf Anhieb 4,8 Prozent erreichte die AfD, die mit Michaela Eglseer erstmals eine Landratskandidatin gestellt hatte. Ihre besten Ergebnisse erzielte sie in Kolbermoor (7,7 Prozent), Rott (6,9 Prozent) und Bruckmühl (6 Prozent). Die geringste Zustimmung erfuhr die AfD-Kandidatin in Neubeuern mit 1,7 Prozent.

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