Christkindlmärkte wegen Corona auf der Kippe? Ein Ort in der Region hat abgesagt

Glühwein und Co. beschäftigen jetzt schon die Organisatoren von Christkindl- und Weihnachtsmärkten. Ob und wie die stattfinden können, ist noch lange nicht sicher.
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Glühwein und Co. beschäftigen jetzt schon die Organisatoren von Christkindl- und Weihnachtsmärkten. Ob und wie die stattfinden können, ist noch lange nicht sicher.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Ja, ist denn jetzt schon Weihnachten? Für Organisatoren von Christkindl-, Advent- und Waldweihnachtsmärkten im Raum Rosenheim durchaus. Sie schwanken zwischen „abgesagt“, „haben wir uns noch nicht mit beschäftigt“ und „findet in irgendeiner Form statt“.

Rosenheim – Schlechte Nachricht für die Raublinger: Ihr Weihnachtsmarkt ist abgesagt. Die Gemeinde wollte nicht bis in den Herbst hinein warten und dann erst absagen. Das sei den Ausstellern, die etwas produzieren, gegenüber unfair. Und da die Situation zum Jahresende nicht abzusehen sei, habe man jetzt abgesagt. „Hoffentlich nächstes Jahr wieder“, sagt Stefan Landprecht, Geschäftsleiter der Gemeinde.

50.000 Menschen auf der Fraueninsel

Einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte der Region findet an den ersten beiden Adventswochenenden auf der Fraueninsel statt. Bei gutem Wetter tummeln sich auf der 300 Meter langen und 600 Meter breiten Insel an zwei Wochenenden zum Teil über 50.000 Menschen an den rund 90 Ständen. Organisiert wird der Christkindlmarkt auf der Insel – ebenso wie der Markt in Prien – von der Prien Marketing GmbH. Dort war „abhalten oder absagen“ noch kein Thema, sagt Magdalena Berka. „Wir warten auf die Entscheidung der Politik, wie es ab Ende August in Bayern weitergeht. Und erst dann beschäftigen wir uns damit.“

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Entscheidung über Christkindlmarkt Bad Aibling

Auf die Entscheidung Ende August warten auch die Bad Aiblinger. Bei schönem Wetter sei am Wochenende der Marienplatz gut gefüllt, sagt Thorsten Bäcker, bis zu 1000 Menschen gleichzeitig seien dann durchaus unterwegs. Der Bad Aiblinger Weihnachtsmarkt soll nach Möglichkeit stattfinden, eventuell an einem anderen Ort. Zum Beispiel am deutlich größeren Volksfestplatz. Noch sei aber alles offen, sagt der Mitarbeiter der Stadt, denn es wisse ja noch keiner, ob es bis zum Advent einen Impfstoff gebe oder für derartige Veranstaltungen ausgearbeitete Hygienevorschriften oder gar eine zweite Coronawelle.

In Wasserburg soll es einen Christkindlmarkt geben. „Der ist für den Einzelhandel in der Stadt extrem wichtig, deshalb wollen wir nicht darauf verzichten“, so Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbands (WFV). Der Vorstand habe verschiedene Szenarien durchgespielt und festgestellt: Die 25 Hütten, gestaltet nach dem Vorbild der Wasserburger Altstadthäuser, können so rund ums gotische Rathaus und in angrenzende Straßenzüge verteilt werden, dass Abstand halten möglich ist.

Winterbasar und Eisbahn sind Corona-Opfer

Die Eisbahn in der Herrengasse mit angeschlossener Alm wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben, so Hasselt. Sie war beim Wasserburger Christkindlmarkt 2019 Publikumsmagnet und regelmäßig von dichten Menschentrauben umstanden. „Ich sehe schwarz für das Winterbasarzelt“, sagt der WFV-Vorsitzende, auch der Perchtenlauf fällt wohl dem Coronavirus zum Opfer, ebenso wie große Teile des Rahmenprogramms. Die Ausschreibung für die Gastronomie- und Verkaufsstände ist gerade angelaufen, Verträge werden aber unter Vorbehalt abgeschlossen, „schließlich weiß heute niemand, wie es im November/Dezember aussieht.“

Das weiß auch Sebastian Gasteiger nicht. Der Vorsitzende des Bad Feilnbacher Trachtenvereins plant deswegen mit seiner Truppe den Waldadvent ganz normal weiter. Das Bühnenprogramm wird von den Einheimischen selber bestritten, da kann der GTEV „D’Jenbachtaler“ kurzfristig reagieren, „Ende Oktober ist für uns Deadline“, so Gasteiger, aber vermutlich sei die Entwicklung schon vorher abzusehen. Jetzt jedenfalls wolle man den über 60 Standlbetreibern eine Absage noch nicht zumuten.

Die Möglichkeit, die Stände weiter auseinander zu ziehen, gebe es im Wald im Naturpark nicht, eine Zugangskontrolle sei nicht machbar, so Gasteiger. Sein Fazit: „Der Waldadvent findet statt wie immer oder er findet gar nicht statt.“

250 000 auf dem Max-Josefs-Platz

Der größte Weihnachtsmarkt der Region wird alljährlich am Max-Josefs-Platz in Rosenheim vom Wirtschaftlichen Verband (WV) ausgerichtet. Etwa 250 000 Besucher tummeln sich dort alljährlich zwischen den 52 Ständen, schätzt WV-Geschäftsführer Klaus Hertreiter.

Er geht davon aus, dass es auch 2020 einen Christkindlmarkt in Rosenheim geben wird, „nur wie der aussieht, das ist völlig offen“. Das sei für den einen oder anderen Standlbetreiber schwierig, mit denen führe man aber gerade Gespräche und wenn jemand diesen Winter aussetzen wolle, sei das kein Problem.

Dann entscheidet sich Schicksal des Rosenheimer Marktes

Im Spätsommer seien Gespräche mit der Stadt geplant, so Hertreiter. „Wir müssen über eine Entzerrung der Besucher nachdenken“ und dann auch mit der Stadt die Möglichkeiten diskutieren. „Und falls das Großveranstaltungsverbot bis zum Jahresende verlängert wird, dann ist sowieso alles obsolet.“

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