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Hagel, Sturm und viel Regen

„Zwischen Euphorie und Depression“: So sehen die Rosenheimer Bauernvertreter das Erntejahr 2021

Hagelkörner haben den Mais auf einem Feld in der Gemeinde Pfaffing ordentlich in Mitleidenschaft gezogen.
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Hagelkörner haben den Mais auf einem Feld in der Gemeinde Pfaffing ordentlich in Mitleidenschaft gezogen.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
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Die Erntebilanz der Rosenheimer Landwirtschaft steht heuer im Zeichen von Hagel, Unwettern und ausgiebigem Regen. Doch die Bauernvertreter vermelden mit Preissteigerungen auch Positives. Ein Überblick.

Rosenheim – Für Kreisobmann Josef Bodmaier war das Erntejahr 2021 ein „Wechselbad der Gefühle“. So fasst er es in einem Satz zusammen. Und schiebt hinterher: „Zwischen Euphorie und Depression war alles dabei.“ Das klingt extrem.

Kreisobmann Josef Bodmaier und Kreisbäuerin Katharina Kern.

Doch die Erfahrungen, die Landwirte in der Region in diesem Jahr gemacht haben, geben ihm Recht. Mehrere große Hagelereignisse zerstörten Unmengen an Mais, Getreide und Grünland, wie viele Bilder belegen. „Das hat von leichten Ernteeinbußen bis hin zu Totalausfällen geführt“, berichtet der Kreisobmann.

Getreideaussaat verspätet möglich

Und auch das Grünland sei heuer nicht so ertragreich wie im vorherigen Jahr gewesen. Das erste Mal mähen Landwirte ihre Wiesen gewöhnlich Anfang Mai, 2021 war das laut Bodmaier vielerorts erst Ende Mai möglich. Die Erträge seien deshalb um zehn bis 15 Prozent zurückgegangen. Grund war das kühle Wetter im Frühjahr. Grünland mag es eher warm.

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Wegen der Kälte war dem Kreisobmann zufolge auch die Getreideaussaat für den Sommer erst zwei Wochen später als normalerweise möglich. Die niedrigen Temperaturen haben auch die Obsternte beeinträchtigt. „Die ist heuer weit unterdurchschnittlich“, sagt er. Im April und Mai war es so kalt, dass viele Blüten erfroren seien, ergänzt Kreisbäuerin Katharina Kern. „Durch den nassen Sommer ist auch viel Obst faulig geworden.“

Sturmschäden im Wald

Während die Temperaturen und der Hagel Probleme für die Felder waren, hatten die Waldbesitzer im Landkreis laut Bodmaier mit „Orkan- und Sturmschneisen“ zu kämpfen. In Halfing habe es zum Beispiel große Schäden gegeben. Positiv in diesem Jahr sei, dass der Baumschädling Borkenkäfer nicht viel Schaden angerichtet habe. Der kühle Frühling sei für den Vermehrungszyklus des Insekts nicht ideal gewesen.

Den Holzpreis in diesem Jahr nennt er ein „Kuriosum“. Gegen Ende des Winters sei der Preis mit rund 50 Euro für einen Kubikmeter Schnittholz sehr niedrig gewesen – obwohl die Nachfrage in der Baubranche und vonseiten Privatleuten aufgrund der Pandemie geboomt habe. Holz war Mangelware. Dann stieg der Preis. Im Moment liegt er zwischen 95 und 102 Euro. Ein guter Preis, wie Bodmaier findet.

Kartoffelernte fällt mager aus

Mit der Kartoffelernte sind die Bauernvertreter dagegen nicht zufrieden. Die Ernte sei heuer etwas mager ausgefallen, auch die Qualität sei nicht so gut wie sonst. Besonders bei denen, die auf Lehmböden wachsen, sagt Kern. Dort staue sich bei Regen das Wasser, die Kartoffeln würden schnell faulig und seien weniger haltbar. Und geregnet hat es in diesem Jahr ziemlich viel. Der Preis von einem Kilogramm Biokartoffeln liegt Bodmaier zufolge teilweise zwischen einem Euro und 1,70 Euro. „Das ist das Zehnfache vom normalen konventionellen Kartoffelpreis“, sagt er.

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Anders als bei der Erntebilanz im vergangenen Jahr entwickelte sich der Milchpreis etwas positiver. Er liegt momentan für ein Kilogramm konventionell erzeugte Milch zwischen 35 und 36 Cent. „Das ist auch dringend notwendig und diese Tendenz nach oben muss sich fortsetzen“, betont Bodmaier. Die Produktionskosten stiegen jedes Jahr und auch den landwirtschaftlichen Betrieb selbst am Laufen zu halten, werde immer teurer, ergänzt Kern.

Immer mehr Landwirte stellen auf Bio um

Der Preis für Biomilch ist laut dem Kreisobmann seit Jahren immer sehr konstant. Ein Bauer bekommt für ein Kilogramm zwischen 48 und 50 Cent. Auch in der Region Rosenheim würden immer mehr Landwirte auf Bio umstellen, obwohl viele Molkereien nur wenige neuen Zulieferer annähmen.

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Mit dem Schlachtviehpreis für Kühe kann Bodmaier leben. Dieser sei „erfreulich“. Im Durchschnitt habe im vergangenen Jahr ein Kilogramm Rindfleisch 2,81 Euro gekostet, heuer liege der Preis bei 3,68 Euro. Auch dass 2020 wegen Ausfällen in der Gastronomie und im Bereich der Volksfeste kaum Fleisch nachgefragt wurde, habe sich geändert. Für die Region sei das wichtig. Denn die meisten Landwirte hielten hier Fleckvieh, eine klassische Zweinutzungsrasse für Milch und Fleisch.

„Ferkelpreise sind ruinös“

Die Preise für Schweinefleisch und Ferkel empfindet Bodmaier hingegen als katastrophal. In Bayern koste ein Kilogramm Schweinefleisch 1,30 Euro. Zu wenig, um kostendeckend zu wirtschaften. „Ein Schweinemäster zahlt so 20 bis 30 Euro pro Tier drauf.“ Wegen der Schweinepest, die immer noch ein Problem sei, werde auch nicht viel einheimisches Fleisch exportiert. „Aber wir importieren aus Brasilien und Spanien. Dann gibt es hier ein Überangebot“, fügt Kern hinzu

Bei den Ferkelpreisen sieht es nicht besser aus. Diese sind laut Bodmaier „ruinös“. Ein Tier mit 28 Kilogramm koste nur 30 Euro. „Wenn es so weitergeht, werden viele Ferkelerzeuger aufhören.“

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