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Viele Zeugen zu befragen

Ermittlungen nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Gollenshausen

Alle Bewohner dieses Pflegeheims in Gollenshausen waren Anfang Dezember mit Corona infiziert. Der Betreiber der Einrichtung wirft der Heimaufsicht im Landratsamt vor, zu spät Unterstützung angeboten zu haben.
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Alle Bewohner dieses Pflegeheims in Gollenshausen waren Anfang Dezember mit Corona infiziert. Der Betreiber der Einrichtung wirft der Heimaufsicht im Landratsamt vor, zu spät Unterstützung angeboten zu haben.
  • Norbert Kotter
    VonNorbert Kotter
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Weiter auf Hochtouren laufen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach einem massiven Corona-Ausbruch im Pflegeheim „Haus Chiemsee – Wohnen & Pflege“ im Ortsteil Gollenshausen in der Gemeinde Gstadt.

Rosenheim – Wie berichtet, waren Anfang Dezember alle 54 Bewohner des Heims mit dem Coronavirus infiziert. Elf mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auch das Personal war betroffen, zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befanden sich am Freitag, 12. Dezember, noch in Quarantäne. Von diesem Tag an wurde das Heim wegen des Krankheitsausbruchs laut einer Presseerklärung des Landratsamtes bei der Bewältigung der Folgen des Corona-Ausbruchs „unterstützt“. Ein großer Einsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei an jenem Freitag sorgte für Aufsehen.

Befragungen auch über die Feiertage

Zwei Ärzte und ein leitender Notarzt hätten sich ein Bild vom Zustand der Bewohner gemacht. Mitarbeiter des Rettungsdienstes gewährten Unterstützung im Servicebereich und entlasteten das Pflegepersonal, die Feuerwehr übernahm Besorgungsdienste. Ziel war, dem Personal des Heimes so unter die Arme zu greifen, dass der Betrieb trotz der massiven Corona-Beeinträchtigung aufrechterhalten werden konnte. Warum die Polizei ebenfalls anrückte, wurde rasch klar. Es gebe Hinweise auf „fahrlässige Körperverletzung“ hieß es dazu vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Ermittlungen liefen an, die Polizei stellte in dem Heim nach eigenen Angaben 100 Aktenordner, Dienstpläne und Datenträger sicher.

Während der Feiertage befragt

„Mitarbeiter aus unserem Haus wurden auch während der Feiertage befragt“, bestätigte Oliver Winter, der Büroleiter von Landrat Otto Lederer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Das Landratsamt steht in der Angelegenheit auch im Fokus, weil Heimbetreiber Thomas Mühlnikel den Vorwurf erhoben hatte, die Hilfe der Heimaufsicht sei zu spät gekommen.

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Aus einer schriftlichen Stellungnahme der Kreisbehörde geht hervor, dass das Landratsamt generell den Vorwurf zurückweist, Heimbetreiber in ihrem Zuständigkeitsbereich seit Beginn der Corona-Pandemie im Stich gelassen zu haben. „In der ersten Welle der Pandemie waren kleine Sichtungsteams in allen rund 70 Alten- und Pflegeeinrichtungen in Stadt und Landkreis Rosenheim. Die Einrichtungen wurden vor Ort beraten hinsichtlich der Einrichtung von Quarantänestationen sowie im weiteren Umgang mit einem möglichen Ausbruchsgeschehen in der Einrichtung.“

Regelmäßige Prüfungen

Auch die regelmäßigen Prüfungen der Fachstelle für Pflege und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht im Landratsamt seien fortgeführt worden. In über 70 Prozent der Einrichtungen sei trotz der pandemisch begründeten Einschränkungen eine Prüfung durchgeführt worden. Offen lässt das Landratsamt allerdings, ob eine solche Prüfung auch in dem betroffenen Heim in Gollenshausen stattgefunden hat, dennoch: „Kontakt bestand aber zu allen Einrichtungen“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Kreisbehörde auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

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Winter verweist darauf, dass das Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde auch tätig geworden sei, als vor allem in der ersten Welle der Pandemie Schutzkleidung, FFP-2-Masken und Desinfektionsmittel knapp geworden seien. „Da haben wir entsprechendes Material beschafft und die Einrichtungen bei Bedarf, so gut es möglich war, damit versorgt“, so Winter. Grundsätzlich arbeiteten Alten- und Pflegeeinrichtungen eigenständig. Es sei in erster Linie ihre Aufgabe für ausreichend Schutzmaterial zu sorgen und die pflegerische und medizinische Versorgung der Bewohner sicherzustellen.

Wurde das Virus eingeschleppt

Ob die Vermutung des Heimbetreibers zutrifft, dass ein mittlerweile verstorbener Palliativpatient, der sich bei einem Krankenhausaufenthalt infiziert haben könnte, das Virus in die Einrichtung eingeschleppt hat, dazu äußert sich das Landratsamt nicht.

Update - Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels vom 8.1.2021 hatten wir geschrieben, dass Gegenstand der Ermittlungen auch die Frage sei, ob Bewohner des Heims ohne ausreichende Rechtsgrundlage fixiert worden seien. Diese Behauptung ist unzutreffend. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wird nicht wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung mittels Fixierung ermittelt. Es habe auch keinen Anlass für solche Ermittlungen gegeben. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Die Redaktion.

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