So erlebt eine Rosenheimerin die Corona-Krise in Südkorea – „Organisation ist der Wahnsinn“

Die Rosenheimerin Heidi Storandt lebt und arbeitet seit Anfang Februar in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.
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Die Rosenheimerin Heidi Storandt lebt und arbeitet seit Anfang Februar in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.
  • vonTina Blum
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Die Rosenheimerin Heidi Storandt arbeitet für das Goethe-Institut in Seoul. Anfang Februar hat sie in der Hauptstadt Südkoreas ihre neue Stelle angetreten. Den OVB-Heimatzeitungen erzählt die 34-Jährige, wie sie die Pandemie in Asien erlebt.

Demonstrationen gegen strenge Corona-Regeln, wie derzeit in Deutschland, gibt es in Südkorea nicht. In der Hauptstadt Seoul geht man mit der Corona-Pandemie anders um. „Wie die koreanische Regierung das hier organisiert hat, ist der Wahnsinn“, sagt Heidi Storandt. Die Rosenheimerin lebt und arbeitet seit Anfang Februar in der asiatischen Metropole. Erst kürzlich hat sie sich freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Nach 52 Stunden war das Ergebnis da: Negativ. Bis dahin musste sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Die läuft in Südkorea anders ab als in Deutschland. 

Strenge Regeln für Quarantäne 

„Wer ein Arbeitsvisum hat, darf sich zu Hause in Quarantäne begeben. Sonst muss man in eine staatliche Quarantäneanstalt“, sagt Heidi Storandt. Diese erinnern an Jugendherbergen, werden von Regierungshelfern überwacht und liegen meist außerhalb der Städte, sagt sie. Während der Quarantäne müssen Betroffene zwei Mal täglich Fiebermessen. 

Zweimal täglich Fiebermessen 

Die Werte müssen sie anschließend in eine App eingetragen werden. Ebenfalls bekommt man spezielle Müllsäcke. „So kann der Corona-Müll vom normalen Müll unterschieden werden“, sagt Heidi Storandt. Nach einigen Tagen erhält jede Person in Quarantäne mehrere Anrufe. „Man wird gefragt, wie es einem geht. Ein paar Tage später meldet sich auch ein Psychologe, um sich zu erkundigen, wie man mit der Isolation klarkommt“, sagt die 34-Jährige. Die koreanische Regierung schicke auch Essenspakete mit haltbaren Lebensmitteln an die Menschen in Quarantäne. So weit sei es bei ihr aber nicht gekommen.

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Die strengen Quarantäneregeln gelten vor allem für Einreisende nach Südkorea. Die Isolation gilt für 14 Tage. Dazu werden sie direkt am Flughafen empfangen und in die Testzentren gebracht, sagt Heidi Storandt. Ihre Institutsleitung sei vor Kurzem aus Deutschland zurückgekehrt und habe von ihr von dem Prozedere erzählt. Heidi Storandt ist Anfang Februar nach Südkorea geflogen, um dort ihren neuen Job beim Goethe-Institut anzutreten. Als Expertin für Unterricht koordiniert die Gymnasiallehrerin Schulprojekte in Südasien. Derzeit sind viele davon abgesagt. Stattdessen finden Online-Kurse statt. „Zur Zeit habe ich eher einen Bürojob“, sagt Heidi Storandt. 

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Kurz nachdem sie in Seoul ankam, gab es den großen Boom bei den Infektionszahlen in Korea. „Das war schon ein bisschen beängstigend. Neuer Job, neues Land und dann eine solche Krise“, sagt sie. Zurück nach Deutschland fliegen wollte sie aber nicht. Das Institut habe regelmäßig informiert. Das normale Leben geht weiter Die Pandemie erlebt sie seitdem ohne große persönliche Einschränkungen. Zwar sei die südkoreanische Bevölkerung dazu angehalten, Masken zu tragen. Doch das normale Leben geht weiter. Dafür stehen überall Desinfektionsmittelspender bereit. „Es hängt auch mal ein Desinfektionsmittelspender an einem Baum im Park. Auch in Bus und Bahn gibt es das“, sagt Heidi Storandt. 

App informiert über Neuinfektionen 

Ganz ohne Entbehrungen geht es aber dann doch nicht. „Die Regierung erfasst alle Daten der Menschen und kontrolliert die Bewegungen der Menschen“, sagt Heidi Storandt. Während ihrer 52-Stunden-Quarantäne habe sie erlebt, wie das abläuft. Über die App erhielt sie täglich zehn bis zwölf Benachrichtigungen über neue Corona-Fälle. Den Erkrankten werden Nummern zugeteilt und in der App werden seine Aufenthaltsorte veröffentlicht. „So kann man nachvollziehen, ob man auch selbst dort war und sich vielleicht angesteckt hat“, sagt Heidi Storandt. 

Staat überwacht die Bevölkerung 

Die Regierung überwacht dazu GPS-Daten des Smartphones und die Kreditkartendaten – vor allem derer, die in Quarantäne sind. Tricksen könne man nur schwer. „Handy zu Hause lassen und Bar zahlen, bringt nicht viel. Die Regierung hat auch Zugriff auf die öffentliche Videoüberwachung. In unserem Wohnkomplex gibt es auch Kameras“, sagt sie.

Von den Anti-Corona-Demonstrationen in ihrer Heimat Rosenheim hat Heidi Storandt von Bekannten und Familie gehört. „Ich finde es wichtig, dass man nicht alles hinnimmt und öffentliche Debatten anstößt“, sagt sie. Über so manche Verschwörungstheorie kann sie nur den Kopf schütteln. „Die staatliche Überwachung kann man infrage stellen. Aber man erlebt hier in Südkorea schon, dass es bei der Bekämpfung des Virus etwas bringt“, sagt Heidi Storandt.

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