Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Erkältung? Grippe? Covid-19? - wie erkenne ich den Unterschied?

Erkältungssaison
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Halten Sie Abstand zu Erkrankten, akut Erkrankte sollten vor allem besonders gefährdeten Menschen, wie Schwangeren, Säuglingen, alten oder immungeschwächten Menschen, fern bleiben.
  • Barbara Nazarewska
    vonBarbara Nazarewska
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Im Herbst fangen wir uns schnell einen Infekt ein. Doch heuer kommt die bange Frage dazu: Ist mein Schnupfen harmlos – oder habe ich mich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt? Die wichtigsten Fakten auf einen Blick.

Warum wir jeden Herbst aufs Neue mit Erkältungen kämpfen müssen? „Die meisten Viren sind so schlau, dass sie sich immer wieder verändern“, erklärt Prof. Dieter Melchart, Experte für Komplementärmedizin und Naturheilkunde an der Technischen Hochschule Deggendorf. Mit diesem Trick entwischen selbst solche Erreger dem Immunsystem, mit denen der Körper bereits Kontakt hatte. Außerdem gibt es sehr viele verschiedene Viren, die Erkältungen auslösen. Darum gibt es – anders als gegen die Grippe – auch keine Impfung, die vor Erkältungen schützt. Eine solche ist aber im Gegensatz zur Influenza eher harmlos.

Die AHA-Regel schützt am besten

In Pandemie-Zeiten dürfte die AHA-Regel jedem bekannt sein: Abstand halten, (Hand-)Hygiene, Alltagsmaske. Und diese Regel schützt auch nicht nur vor dem neuartigen Coronavirus, sondern auch vor vielen anderen (Erkältungs-)Viren. „Regelmäßiges Händewaschen“ sei das A und O, sagt daher Experte Melchart: Erkältungsviren werden nämlich nicht nur durch Niesen übertragen, sondern auch, wenn man einem Erkrankten die Hand schüttelt oder Oberflächen berührt, auf denen Viren lauern, etwa Türklinken oder Haltestangen in Bus und U-Bahn. Wer heimkommt, sollte sich daher zuallererst gründlich die Hände waschen! Denn: Jeder neigt dazu, sich mit den Händen an Nase oder Augen zu fassen – oft unbewusst.

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Befolgen wir also heuer die AHA-Regel aufgrund der Pandemie ganz bewusst, könnten wir glimpflicher durch die Erkältungszeit kommen: mit weniger Schniefen, Husten, Halsweh. Das zumindest vermuten und hoffen auch Experten, wie Dr. Sebastian Brechenmacher, Hausarzt aus Krailling (Kreis Starnberg) und Kolumnist unserer Zeitung. 

Symptome sind oft nicht eindeutig

Bin ich nur erkältet? Habe ich etwa die Grippe? Oder gar Covid-19? Leider lässt sich das nicht allein anhand der Symptome eindeutig festellen. Denn die ähneln sich, zum Teil sogar sehr (siehe Grafik). „Eine Testung auf Covid-19 macht meines Erachtens bei jeglichen Erkältungssymptomen Sinn, da Sars-CoV-2 alle Symptome verursachen kann“, rät auch Experte Brechenmacher. „Gerade hier in Bayern! Wo sich jeder – auch Gesunde – testen lassen kann. Wie soll man einem Menschen mit Erkältung erklären, dass man ihn nicht testet, den nächsten Gesunden, der zur Tür reinkommt, aber schon?“

Es gibt dennoch gewisse Unterschiede

Eine Grippe gleicht – im Gegensatz zu einer Erkältung – eher einem Hammerschlag: „Innerhalb weniger Stunden fühlen sich die Patienten sterbenskrank, bekommen oft hohes Fieber“, erklärt Dr. Brechenmacher. Wenn zudem Muskel- und Gliederschmerzen dazukommen, sind das Anzeichen, dass es sich um eine Influenza handelt. Auch bei Covid-19 ist Fieber ein häufiges Symptom, Muskel- und Gliederschmerzen kommen indes nur manchmal vor. Kinder reagieren auf das neuartige Coronavirus allerdings häufig ganz anders als Erwachsene: Während Ältere meist Fieber, trockenen Husten, manchmal auch Halsschmerzen haben, oft über eine Einschränkung bzw. gar den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns klagen, sind die Kleinen bei Covid-19 vor allem von Kopfschmerzen und Müdigkeit betroffen, dazu Fieber; Husten tritt schon seltener auf, deutlich seltener eine Einschränkung bzw. der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Das hat jüngst eine britische Studie ergeben, die im „British Medical Journal“ publiziert wurde. Zudem gelten Kinder besonders oft bei Covid-19 als asymptomatisch, sprich: Sie haben gar keine Symptome – tragen das Virus aber dennoch in sich. Aber: Während sie bei der Grippe als „Treiber“ gelten, spielen sie bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus eine eher untergeordnete Rolle, wie aktuelle Daten nahelegen.

Eine Grippe-Impfung macht definitiv Sinn

Die Pandemie stellt uns heuer vor ein neues, großes Problem: „Es können Corona und Grippe gleichzeitig auftreten – und das ist keine gute Situation. Die Grippe-Impfung nimmt einen kleinen Teil des Risikos im Winter weg“, sagt Prof. Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt die Grippe-Impfung für ältere Menschen über 60, für Patienten mit Grunderkrankungen und für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen sowie im Gesundheitswesen, zudem für Schwangere. Angesichts der Pandemie halten verschiedene Mediziner die Impfung auch bei Kindern für sinnvoll: „So werden etwa die Großeltern vor einer Ansteckung geschützt“, sagt Prof. Salzberger. Denn: Ältere haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf – sowohl bei Grippe als auch bei Covid-19.

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