Enkeltrick bei Rosenheimer Seniorin scheitert – Schwangere „Abholerin“ muss ins Gefängnis

Mehrere Rentner in Rosenheim wurden zum Jahreswechsel Opfer von Enkeltrickbetrügern.
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Mehrere Rentner in Rosenheim wurden zum Jahreswechsel Opfer von Enkeltrickbetrügern.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Mit dem Enkeltrick versuchte eine 25-jährige Polin Anfang des Jahres unter anderem mehrere Senioren aus Rosenheim über den Tisch zu ziehen. Doch die Frau, dreifache Mutter und derzeit hochschwanger, wurde von der Polizei erwischt – und am Montag zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Traunstein/Rosenheim – Den „Enkeltrick“ nutzen kriminelle Banden, um von älteren Menschen hohe Beträge zu erbeuten. Vier Mal war eine Organisation zum Jahreswechsel erfolgreich, drei Mal, unter anderen in Rosenheim, scheiterte die Masche. Eine „Abholerin“ – eine 25-jährige Polin, dreifache Mutter und im siebten Monat schwanger – verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs am Montag zu einer Haftstrafe von vier Jahren.

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So funktioniert der "Enkeltrick"

Der Ablauf des „Enkeltricks“ ist stets gleich. „Keiler“, oft aus der Türkei, rufen bei älteren Menschen an und spiegeln ihnen die Notlage eines Verwandten vor. Immer wieder glauben Senioren, wirklich mit einem nahen Menschen zu sprechen, der dringend Hilfe benötigt. Dann schicken so genannte „Logistiker“, die sich in der Nähe des jeweiligen Tatorts aufhalten, „Abholer“ los. Über Mittelsmänner gelangt die Beute zu der Bande im Ausland.

10.000 Euro für „Cousine Christa“

Im Prozess am Montag ging es unter anderem um „Cousine Christa“, die von einer Dame in Rosenheim am 8. Januar für ein soeben ersteigertes Auto 10 000 Euro wollgte. Das Perfide an dieser Geschichte war: Die Frau hatte tatsächlich eine Cousine gleichen Namens. Die Anruferin forderte die alte Dame auf, das Geld an einer Sparkassenfiliale an der Innstraße zu übergeben.

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Die Seniorin war gesundheitlich nicht in der Lage, soweit mit ihrem Rollator zu gehen. Deshalb einigte man sich einen Treffpunkt an der Norma-Filiale in der Gießenbachstraße. Die Übergabe platzte – weil die Abholerin die Dame mit falschem Nachnamen anredete. Die Seniorin rückte ihr Geld nicht mehr heraus, ging in den Supermarkt und rief von dort aus die Polizei an. Die Beamten waren Minuten später da. Die Angeklagte war jedoch schon geflüchtet.

15 000 Euro Beute holte sich die Betrüger stattdessen zwei Tage später bei einem Opfer in Hofheim im Taunus ab, das am Telefon eine Bekannte namens „Jasmin“ vermutete, die den Betrag als Anzahlung für eine Wohnung brauchte. Für die „Tochter Annett“ und deren Autokauf waren die am 22. Januar erschwindelten 18 000 Euro eines Mannes in Dresden gedacht.

Seniorin aus Leipzig schöpft Verdacht

Um 45 000 Euro wollte die Bande eine Frau in Leipzig am 29. Januar 2020 schröpfen. Doch die Seniorin schöpfte sofort Verdacht, spielte aber weiter mit. So dass Polizeibeamte die „Abholerin“ im Empfang nehmen konnten. Ein Angehöriger der Kriminalpolizei am Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtete gestern Details aus den Ermittlungen. Auf die Spur der 25-Jährigen sei man über den Fall im Januar 2020 in Rosenheim gekommen.

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Nach Verhandlungen der Prozessbeteiligten über die Höhe der Strafe bei einem Geständnis schlug die Kammer gestern eine Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren neun Monaten und vier Jahren drei Monaten vor. Die Angeklagte ließ über Verteidiger Olaf Groborz aus München den verbliebenen Teil der Anklage einräumen. Von den erbeuteten 33 000 Euro sollte die 25-Jährige 5000 Euro erhalten. Alles tue ihr sehr leid, sie schäme sich dafür, zitierte der Anwalt seine Mandantin. Ihr sei erst jetzt bewusst, was sie den alten Menschen angetan habe.

„Besonders verwerflich“

Staatsanwalt Thomas Peter plädierte auf eine Freiheitsstrafe am obersten Rand der Strafspanne. Der Betrug mit dem „Enkeltrick“ sei besonders verwerflich. Positiv wirke, dass den Geschädigten eine erneute Aussage erspart geblieben sei – wegen ihres Alters, ihrer Gebrechlichkeit und ihrer Scham.

„In Angst und Schrecken versetzt“

Im Urteil hob der Vorsitzende Richter heraus, alte Menschen würden durch die Anrufe „in Angst und Schrecken versetzt“. Die Opfer würden dazu gebracht, Geld zu übergeben. Höchstwahrscheinlich stehe im vorliegenden Fall eine größere Organisation dahinter.

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