Ende einer Urlaubsliebe

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In diesem Haus in Kolbermoor lebte die 44-Jährige mit ihrem Sohn. Der Ex-Freund besuchte die beiden oft.
  • vonStefanie Zipfer
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Kolbermoor - Eine 44-jährige Kolbermoorerin ist am Sonntagabend in ihrer Wohnung umgebracht worden. Dringend tatverdächtig ist der 49-jährige Ex-Freund der Frau, der sich am gleichen Abend auf der Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Kolbermoor das Leben nahm. Die Toten hinterlassen einen vierjährigen Sohn. Grund für das Drama ist vermutlich Eifersucht, das Opfer hatte seit einigen Monaten eine neue Beziehung. **Weitere Bilder & Video auf rosenheim24.de**

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In einem Urlaub mit Freundinnen auf Ibiza schien die junge Frau ihre große Liebe gefunden zu haben. Ein Franke, fünf Jahre älter als sie und Betreiber einer Ferienanlage auf der Sonneninsel, eroberte im Sturm das Herz der Kolbermoorerin. Nach mehrmonatiger Fernbeziehung gab sie ihr Kosmetikstudio in der Brückenstraße auf und zog nach Ibiza. Vor vier Jahren dann schien der kleine Raphael das Glück perfekt zu machen.

Hier nahm sich der gebürtige Bayreuther das Leben.

Doch vor allem die Eifersucht des Lebensgefährten belastete die Beziehung. Vor rund zwei Jahren, so genau wissen es die Nachbarn in der Sepp-Straßberger-Straße nicht mehr, zog die Anfang-Vierzigerin dann allein mit ihrem Sohn zurück in die Heimat. Im Erdgeschoss des Elf-Parteien-Hauses bezog sie eine Wohnung. Die junge Frau war beliebt, Sohn Raphi galt als der kleine Sonnenschein des Wohnhauses. In einem Rosenheimer Kosmetikstudio verdiente die lebenslustige Frau ihr Geld. Das Verhältnis zu ihrem Ex-Freund, der weiter auf Ibiza lebte, blieb aber bestehen.

Nachbarn erinnern sich: "Er war ein freundlicher Mann, der oft zu Besuch kam. Von Spanien schickte er seinem Sohn regelmäßig Pakete." Und, dies dürfte der Schlüssel zu der grausigen Tat am Sonntagabend sein, er schickte seiner Ex oft auch Blumensträuße. Die Nachbarn: "Er schien sie wirklich noch geliebt zu haben."

Doch Menschen leben sich auseinander, entwickeln sich weiter, und in das Leben der Kolbermoorerin trat in den vergangenen Monaten ein neuer Mann. Der Ex-Freund, so berichten Freunde des Opfers, wohnte in letzter Zeit, wenn er in Kolbermoor zu Besuch war, daher auch nicht mehr in der Sepp-Straßberger-Straße, sondern "er kam nur noch in das Haus, um seinen Sohn abzuholen oder zurückzubringen".

Warum aber der Ex-Freund, nachdem er am Sonntagnachmittag seinen Sohn von einem Ausflug wieder bei der Mutter abgesetzt hatte, am Abend offenbar so die Kontrolle verlor, ist der Polizei nach wie vor ein Rätsel. Laut Sprecher Jürgen Thalmeier kam es zwischen beiden zum Streit, in dessen Verlauf der 49-Jährige seinem Opfer "mit einer Vielzahl von Messerstichen" tödliche Verletzungen zufügte. Der kleine Sohn bekam davon zum Glück nichts mit. Laut Polizei schlief er tief und fest.

Gegen 21 Uhr setzte sich der Ex-Freund dann in das Auto der Toten und fuhr damit in Richtung Bahngleise. In einer Wohnsiedlung in Fürstätt parkte er den grauen Ford Focus. Um zirka 21.30 Uhr starb er auf der Bahnstrecke Rosenheim-Kolbermoor.

"Absolut unbegreiflich" sei das Geschehen, erklärte gestern dazu der Chef des Opfers gegenüber unserer Zeitung. Und: "Wir haben nicht nur eine gute Mitarbeiterin, sondern auch eine tolle Freundin verloren." Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo spricht von einer "furchtbaren, schrecklichen Gewalttat", die besonders tragisch sei, weil "ein Kind im Spiel ist".

Wie die Polizei mitteilt, befindet sich der vierjährige Bub im Moment in der Obhut der Schwester der Toten.

rg/sm/zip/Oberbayerisches Volksblatt

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