Ende der Corona-Zwangspause: Hütten in der Region rüsten sich für Bergfreunde

+
Nein, nicht von einer Drohne aus wurde dieses Traumbild vom Gipfel der Hochries mit Hochrieshütte geschossen, sondern von einem Fotografen, der mit einem Ultra-Leichtflugzeug unterwegs war und die Hütte überflogen hat.
  • vonAlexandra Schöne
    schließen
  • Martin Tofern
    schließen

Kaiserschmarrn, Brotzeit und Bier: Darauf können sich Bergsteiger und Wanderer nun wieder freuen. Denn seit dieser Woche dürfen im Zuge der Corona-Lockerungen die bayerischen Hütten öffnen – zumindest die Außenbereiche. So haben sich die regionalen Almwirte gerüstet.

Rosenheim – Die Durststrecke ist vorbei: Nach wochenlangem Umsatzverlust, bedingt durch die Schließung der Gastronomie, dürfen auch die bayerischen Almen am vergangenen Montag ihre Hüttengärten wieder für Bergliebhaber öffnen. Am kommenden Montag, 25. Mai, können auch die Innenbereiche wieder genutzt werden. In der Gori-Alm auf der Kampenwand hat Paul Moosmüller die Zeit während des Shutdowns genutzt, um seine Hütte auf Vordermann zu bringen. Zusammen mit seiner Familie hat er neue Barhocker gezimmert, die Toilettenräume renoviert und die Böden neu gefliest. Außerdem wurde laut Moosmüller daran gearbeitet, die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, die auch in Almhütten gelten.

 Desinfektionsspender und abgerückte Tische

Sprich: genügend Abstand zwischen den Tischen, Desinfektionsmittelspender und ausgeschilderte Wege zu den Toiletten. Und noch eine Sache musste bedacht werden: „Von jedem Gast müssen die Kontaktdaten notiert werden“, sagt Moosmüller. „Wir haben Zettel vorbereitet, die ausgefüllt und dann aus Datenschutzgründen in einer Box verwahrt werden.“

Gäste nehmen die Situation mit Humor Um alles vorzubereiten und zu regeln, habe er Wochen gebraucht. „Das war viel Arbeit.“ Eine erste kleine positive Bilanz kann Moosmüller schon ziehen. Da die Hütte seit Montag geöffnet hat, habe er schon Gäste empfangen können. „Auf der Alm haben alle die ganze Situation eher mit Humor genommen“, sagt er. „Die Gäste waren kontaktfreudig, man hat sich unterhalten und auch mal über eine lustige Maske lachen können“, freut er sich.

Etwaige Angst  der Besucher "unbegründet"

In den nächsten Wochen hofft er vor allem auf gutes Wetter. „Wenn es jetzt drei Wochen lang regnet, bringt uns das nicht viel.“ Außerdem wünscht er sich, dass die Leute sich auch trauen, zur Hütte zu kommen und nicht aus Angst vor großen Menschenmengen fernbleiben.

Der Vorsitzende der DAV-Sektion Rosenheim Franz Knarr sieht besonders die gesetzlichen Vorschriften als besonders schwierig für die Hüttenwirte. Bei diesen stehe nicht die Praktikabilität der Bewirtschaftung im Vordergrund, sondern vor allem die Hygienevorschriften. Hinzu komme das zusätzliche Personal, das notwendig sei, um die Registrierung der Gäste sowie die Platzzuweisung zu leisten. Bei der Hochrieshütte, die zur DAV-Sektion Rosenheim gehört, ist diese Vorgabe genau das Problem. „Bei uns ist immer zu viel Andrang, um die Registrierung von allen Gästen zu leisten“, sagt Wirtin Sarah Hohenegg.

Lesen Sie auch: Durch die Wirtsalm geht die Grenze: Von bayerischem Bier und Tiroler Wein

Deshalb hätten sie sich entschlossen, die Terrasse nicht zu öffnen. Stattdessen gebe es seit Montag bei schönem Wetter einen To-go-Betrieb. „Die Leute können sich bei uns mit Essen und Getränken versorgen und sich dann rund um die Hütte ins Gras setzen“, erklärt Hohenegg. Auf diese Weise könne jeder etwas bekommen und niemand müsse aus Platzgründen abgewiesen werden.

Seilbahn wegen Sanierung geschlossen

Ein Problem bei der Hochries ist laut Knarr vor allem die wegen Sanierung geschlossene Seilbahn. Daraus entstehe ein Versorgungs- und auch Entsorgungsproblem. Aufgrund der geschlossenen Bahn müsse zur Hochrieshütte alles mit dem Auto hoch und auch wieder herunter gefahren werden. Frühestens ab Anfang Juni könne die Kabinenbahn wieder in Betrieb genommen werden.

Samerbergs Bürgermeister Georg Huber hofft, dass der Sessellift hingegen etwas früher fahren kann. Trennwände zwischen den Tischen Im Chiemgau werden die meisten Almen und Berghütten spätestens ab Christi Himmelfahrt am morgigen Donnerstag wieder öffnen. „Wir halten uns an die Vorgaben der Landesregierung und haben die Tische auseinandergerückt“, sagt Wirtin Viola Vogelmann von der Nattersbergalm oberhalb von Seegatterl in Reit im Winkl.

Das könnte Sie auch interessieren: Infos zur Urlaubsregion Chiemsee-Alpenland 

Die Alm sei klein, die umliegenden Wiesen sehr weitläufig. Auch Thomas Götschl von der Feldlahn-Alm hat für ausreichend Platz zwischen den Tischen gesorgt. Er kann noch mit einer Besonderheit aufwarten: ein Gehege mit Eseln und Ziegen für kleine und große Kinder. Auch am anderen Ende des Landkreises Rosenheim hat man sich für die Wiedereröffnung gerüstet.

Wirte nutzen Zeit für Renovierungen

Der Außenbereich der Tregler Alm bei Bad Feilnbach ist seit gestern wieder zugänglich – mit brandneuer Pflasterung. Die Wirte Tanja und Markus Millauer haben die Zeit für Renovierungsarbeiten genutzt. Außerdem wurden draußen zwischen den Tischen Trennwände installiert. „Wir werden den Bereich draußen sicherlich noch weiter aufteilen, sodass auch Einzelpersonen ihren Platz bekommen“, sagt sie. „Jetzt werden wir aber erst einmal abwarten und schauen, wie groß der Ansturm ist.“ Der wird, denkt sie, vor allem am morgigen Vatertag groß sein. „Ich hoffe aber, dass die Leute vernünftig sind und sich an die Regeln halten.“

Kommentare