40-jähriger Rechtspfleger verliert Beamtenstatus, nachdem er Schuldnerin sexuell bedrängt hatte

Im "emotionalen Ausnahmezustand"

München/Traunstein - Es war ein unmoralisches Angebot, das ein 40-jähriger Rechtspfleger einer 47-jährigen Schuldnerin im April 2009 machte. Die Frau war mit den Raten für eine Geldstrafe in Verzug und rief den Mann an. Am Telefon machte er die erste unsittliche Anspielung. Im Dienstzimmer wurde er dann noch deutlicher. Das Amtsgericht Traunstein hat ihn im Mai 2010 bereits wegen "Vorteilsannahme" zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt (wir berichteten).

Doch vor dem Verwaltungsgericht München erhielt er gestern wohl die schlimmere Strafe: Er wurde aus dem Beamtenverhältnis entlassen.

Los ging es bei dem Telefonat zwischen dem 40-Jährigen und der 47-Jährigen am 4. April 2009. Der Rechtspfleger deutete an, dass weitere Raten nicht mehr gewährt werden könnten. Auf Bitte der Frau, ihr zu helfen, wurde er anzüglich: Wenn sie "1,75 Meter groß und blond" sei, dann könne man "ins Geschäft kommen". Als die Schuldnerin zehn Tage später in sein Büro bei der Staatsanwaltschaft Traunstein kam, drohte er ihr mit einer Haftstrafe - bewilligte aber dann doch die Ratentilgung. Als sich die Frau verabschieden wollte, forderte er sie auf, sich auszuziehen und nackt auf den Tisch zu legen. Weil die Frau einwand, es könne jemand ins Zimmer kommen, sagte der Mann, dass man ja zusperren könne - und legte ihr den Schlüsselbund hin. Die Frau sagte, sie wolle sich außerhalb des Dienstzimmers mit ihm treffen und gab ihm auf Aufforderung ihre Handynummer.

Doch zu einem Treffen zwischen den beiden kam es nicht mehr. Stattdessen ging die 47-Jährige zur Polizei. Der Freistaat enthob den Beamten vorläufig vom Dienst, kürzte ihm das Gehalt um 20 Prozent und betrieb seine Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Im Disziplinarverfahren hoffte der Vater einer fünfjährigen Tochter, der in zweiter Ehe verheiratet ist, nun auf ein mildes Urteil. Er gab zwar alles zu, sprach jedoch von einer "Augenblickstat". Er sei in einem "emotionalen Ausnahmezustand" gewesen - er habe Eheprobleme gehabt.

Doch das beeindruckte das Gericht nicht. Der 40-Jährige ist seine Stelle als Rechtspfleger und seinen Beamtenstatus los. "Er hat seine Amtspflicht aufs Gröbste verletzt", sagte die Vorsitzende Richterin. Er habe seine Machtstellung ausgenutzt. Ein zweimaliges unsittliches Angebot sei nicht zu vertreten. Es komme auch auf das Vertrauen der Öffentlichkeit an. Eine weitere Beschäftigung könne man niemandem vermitteln. "Das Vertrauen ist unwiederbringlich zerstört." mm

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