Einzigartige Rohbauräume

+
Die Baustelle besichtigten Finanzminister Georg Fahrenschon, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Landrat Josef Neiderhell und Dr. Johannes Erichsen, der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. In den Räumen beginnen bereits die Aufbauarbeiten für die Landesausstellung. Und so ist etwa auch schon ein Sternenhimmel angebracht.

Zweckentfremdet als Lager fanden sie in den vergangenen Jahrzehnten keine Beachtung: Viele Räume im Schloss Herrenchiemsee waren 1886, als König Ludwig II., der Erbauer des Abbildes von Versailles, starb, noch nicht vollendet. Und auch in der Zeit danach erfuhren sie keine Fertigstellung. Jetzt, 125 Jahre nach dem Tod des Märchenkönigs, gehen die Türen in zehn dieser unfertigen Säle im Nordflügel auf. Die Bayerische Schlösserverwaltung hat 5,4 Millionen Euro in die Hand genommen und die Räume in ihrer überlieferten Form für eine moderne Nutzung hergerichtet. *Video auf chiemgau24.de*

Chiemsee – Nach über einem Jahr gehen die Bauarbeiten nun zu Ende. Und ein erster Nutzer steht schon längst vor der Tür: In den unvollendeten Räumen zeigt das Haus der Bayerischen Geschichte von Mai bis Oktober die Landesausstellung „Götterdämmerung – König Ludwig II. und seine Zeit“.

Der Umbau gehe „jetzt auf die Zielgerade“, freute sich gestern Nachmittag Finanzminister Georg Fahrenschon, als er die Baustelle besichtigte. Nicht nur der Zeit-, sondern auch der Kostenrahmen werde eingehalten. Der Übergang erfolgt seinen Angaben zufolge in diesen Tagen nahtlos: Die Bauarbeiter gehen – und die Ausstellungsmacher kommen.

Fahrenschon sprach von einer der „wichtigsten Baustellen in Bayern“. Genutzt werde die „einzigartige Chance“, in unvollendeten Räumen im Schloss multifunktionale Veranstaltungsflächen zu schaffen. So sei daran gedacht, sie nach der Landesausstellung für Konzerte, Ausstellungen, Seminare und andere Nutzungen anzubieten.

Der Umbau erfolgte unter der Maßgabe, den einzigartigen Rohbaucharakter der Räume zu erhalten und gleichzeitig die hohen technischen Anforderungen an die Museums- und Veranstaltungsnutzung zu erfüllen. Umfangreiche Maßnahmen waren erforderlich – angefangen von der Verbesserung der Statik über Maßnahmen zum Brandschutz bis hin zur Klimatisierung und Beheizung der Räume.

417.000 Besucher auf Herrenchiemsee

Die „Götterdämmerung“ ist von 14. Mai bis 16. Oktober im Schloss Herrenchiemsee täglich von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Initiator der Ausstellung ist das Haus der Bayerischen Geschichte, Mitveranstalter die Schlösserverwaltung und der Landkreis Rosenheim.

Die Schlösser im Freistaat stehen nach wie vor hoch in der Gunst der Kulturinteressierten. „Auch 2010 kamen wieder rund fünf Millionen Besucher in Bayerns Schlösser und Burgen. Eine schöne Bestätigung für die Attraktivität des bayerischen Kulturerbes – und für den Erfolg unserer Bemühungen, es zu erhalten und bestmöglich zu präsentieren“, bilanziert Dr. Johannes Erichsen, der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die meisten Besucher seien 2010 wieder in Schloss Neuschwanstein gewesen: 1,3 Millionen – und damit fast fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Plätze zwei und drei belegen seinen Angaben zufolge die beiden weiteren Königsschlösser Ludwigs II., Linderhof und Herrenchiemsee, mit 451.000 beziehungsweise 417.000 Besuchern.

1873 hatte König Ludwig II. die Herreninsel als Standort für sein Neues Schloss Herrenchiemsee gekauft. Er plante ein Abbild von Versailles, einen „Tempel des Ruhmes“ für König Ludwig XIV. von Frankreich, den der bayerische Monarch grenzenlos verehrte. 1878 begann der Bau des Schlosses auf der Herrenin-sel nach Plänen von Georg Dollmann. 1886 starb König Ludwig II. – das Bauvorhaben war noch nicht vollen-det.

von Gernot Pültz

Kommentare