Einelternfamilien keine Randgruppe

Gerade auf dem Land sind Alleinerziehende gesellschaftlich noch nicht voll anerkannt.  Foto dpa
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Gerade auf dem Land sind Alleinerziehende gesellschaftlich noch nicht voll anerkannt. Foto dpa

Der Landkreis Rosenheim will Einelternfamilien mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Eine vom Jugendhilfeausschuss gebilligte Orientierungshilfe soll ein ers-ter Schritt dazu sein.

Rosenheim/Landkreis - Landrat Josef Neiderhell kündigte in diesem Zusammenhang an, das Gespräch mit dem Kreisvorstand des Bayerischen Gemeindetags zu suchen. Sein Ziel ist es, eine Studie zur Situation von Einelternfamilien im Landkreis Rosenheim in einer gemeinsamen Veranstaltung von Kreistag, Gemeindetag und Jugendhilfeausschuss vorzustellen.

Obwohl inzwischen rund ein Fünftel der Mütter und Väter ihre Kinder alleine erziehen, wird diese Lebensform in ländlichen Regionen noch nicht durchgehend als voll- oder gleichwertige Familienform gesellschaftlich anerkannt, heißt es in dem Papier. Deshalb wird in der Orientierungshilfe auf einen konkreten Maßnahmenkatalog zur Unterstützung von Einelternfamilien weitgehend verzichtet und stattdessen das Werben für die Belange dieser Familienform in den Vordergrund gestellt.

Da fast 20 Prozent der Kinder in solchen Familien aufwachsen, habe die Jugendhilfe ein besonderes Interesse an dieser Gruppe, stellte der Leiter des Kreisjugendamtes, Johannes Fischer, fest. 60 bis 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die im Landkreis Rosenheim Leistungen im Rahmen der Jugendhilfe erhalten, leben in Einelternfamilien. Fischer betonte ausdrücklich, dass Einelternfamilien nicht per se größere Schwierigkeiten bei der Erziehung ihrer Kinder hätten als Familien mit beiden Eltern. Voraussetzung dafür sei aber eine gute soziale Einbindung in die Familie, Verwandtschaft, im Freundeskreis oder im Gemeinwesen, damit in schwierigen Situationen Ansprechpartner zur Verfügung stünden oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung geleistet werden könne, so Fischer.

Um Einelternfamilien bei der sozialen Integration in einer Gemeinde zu unterstützen, wird unter anderem ein Familienbeauftragter als Anlaufstelle vorgeschlagen. Er soll auch den Aufbau be-darfsgerechter Angebote und Strukturen vor Ort fördern. Als eine Art Fürsprecher soll er die Belange dieser Personengruppe auf kommunalpolitischer Ebene vertreten. Wichtig wäre den Autoren der Orientierungshilfe dabei die personelle Kontinuität in dieser Funktion.

Das Papier zeigt auch einige Möglichkeiten auf, wie Einelternfamilien unter die Arme gegriffen werden kann. Diese beginnen mit der Unterstützung bei der Beantragung von Hilfen durch die Gemeinden bereits ab der Schwangerschaft, spätestens aber ab der Geburt, umfassen die Beratung in Fragen des Alltags, der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit sowie der Erziehung und enden damit, den Kindern selbst den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu ermöglichen. Da ältere Kinder und Jugendliche über das Internet zu erreichen sind, bedeutet das für die Gemeinden, ihren Internetauftritt zu überprüfen, ob die verschiedenen Altersgruppen relevante Informationen auf der Homepage finden.

Im Resümee der Orientierungshilfe wird darauf hingewiesen, dass die Angebote für Einelternfamilien eng mit den örtlichen Gegebenheiten zusammenhängen und daher vor Ort geplant und auch gestaltet werden sollen. Das nun gebilligte Papier ist das Ergebnis eines Workshops, an dem Vertreter von der Caritas Erziehungsberatung Rosenheim, dem Diakonischen Werk Rosenheim, der Ehe- und Partnerschaftsberatung der Erzdiözese München und Freising, Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, dem Sozialdienst Katholischer Frauen, dem Jobcenter, dem Kinderschutzbund Rosenheim, dem Gemeindetag im Landkreis, dem Caritas Kinderdorf Irschenberg, dem Jugendhilfeausschuss sowie dem Landratsamt Rosenheim mit dem Kreisjugendamt mitwirkten. re

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