Schwere sexuelle Nötigung nicht nachweisbar - Ex-Freundin wochenlang beobachtet und belästigt

Eine verhängnisvolle Affäre

Rosenheim - Schwere sexuelle Nötigung und Körperverletzung in mehreren Fällen, so lautete der Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft gegen einen 55-jährigen Bauingenieur erhob. Dessen Ex-Freundin hatte den Mann nach einer - so wurde es in der Verhandlung deutlich - sehr untypischen Beziehung angezeigt.

Das Amtsgericht Rosenheim hatte den Mann beim ersten Haftprüfungstermin zunächst auf freien Fuß gesetzt - mit der Maßgabe, dass er mit der Anzeigenerstatterin in keiner Weise mehr Kontakt aufnehmen dürfe. Kaum hatte der Mann das Gericht verlassen, telefonierte er aber sofort mit der Frau, die ihn beschuldigt hatte. Dann versäumte er auch den ersten Termin der Meldeauflage - und wunderte sich, dass er umgehend festgenommen wurde.

Nach seiner Schilderung vor dem Schöffengericht war dem Angeklagten die Frau von einem Freund "empfohlen" worden, der sie als "leicht zu erobern" geschildert hatte. Diese Empfehlung habe er nutzen wollen, und noch am ersten Abend ihrer Bekanntschaft sei es zu sexuellen Kontakten gekommen.

Dass ihm die Frau nicht treu war, will den Angeklagten nicht gestört haben. Lediglich um sie von ihren Lügen abzubringen, habe er sie eine Zeitlang überwacht. Als er sie etwa eines Nachmittags anrufen und um ein Treffen bitten wollte, habe sie wegen Kopfschmerzen abgesagt. Als er dann wiederholt an ihrer Haustüre läutete, habe ein Italiener aus der Wohnung gerufen, er solle das sein lassen, er wolle in Ruhe Liebe machen!

Niemals, betonte der Angeklagte, habe er die Dame zum Sex gezwungen. Sie geschlagen zu haben, wies er ebenfalls weit von sich. In ihrer "Streitkultur" sei es schon einmal zum gegenseitigen "Schubsen" gekommen. Dabei sei sie auch einmal gestürzt. Aber das sei nie Absicht gewesen! Ein privates Video konnte den 55-Jährigen schließlich entlasten: Darin war das Paar am Tag der angeblichen Vergewaltigung in nackter und zärtlicher Zweisamkeit zu sehen.

Natürlich war der Angeklagte keineswegs pflegeleicht. Er hatte sie - ausweislich der Telefonprotokolle - innerhalb zweier Monate unzählige Male angerufen, wochenlang beobachtet und sie mit Besuchen am Arbeitsplatz belästigt. Per SMS drohte er, im Falle der Trennung ihr familiäres Umfeld mit ihren Sexualgewohnheiten zu konfrontieren.

Die Vorsitzende Richterin am Schöffengericht, Jacqueline Aßbichler, erklärte am Ende, dass einzig der Vorwurf einer versuchten Nötigung beweisbar sei. Das Ge-richt verurteilte den Mann zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung. Auflage: absolutes Kontaktverbot. au

Kommentare