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Eine Trasse aus Luftballons und Mahnfeuer: Demonstration gegen den Brenner-Nordzulauf

Der Protest gegen den Brennernordzulauf geht über Altersgrenzen hinweg: Das Schild, das Stephanie Bruckner in der Hand hält, hat ihre Tochter Mona gemalt. Aus eigenem Antrieb, wie die Zehnjährige sagt. „Denn ich will nicht dass unsere Gegend zerstört wird.“ Thomae
  • VonJohannes Thomae
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„99 Luftballons gegen den Brenner-Nordzulauf“: Unter diesem Motto wurde am Samstag im Norden Rosenheims gegen das Bauprojekt demonstriert. Die Bürgerinitiativen „BrennerRO“ und „Brennerdialog Großkarolinenfeld“ befürchten eine Hochtrasse, große Brückenbauwerke und eine breite Schneise in der Landschaft, sollte die Trasse dort umgesetzt werden. Zudem brannten rund 30 Mahnfeuer.

Rosenheim –Sollten die 17 Bürgerinitiativen, die sich in der Region gegen den Brennernordzulauf engagieren je nach einem gemeinsamen Motto suchen, der Satz „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ wäre ein gutes. Denn viele von den rund 600 Bürgern, die sich am Samstag zu einem Mahnfeuer am LangenpfunzenerKreisel eingefunden hatten, antworteten genau damit auf die Frage, warum sie zu dieser Veranstaltung gekommen sind.

„Eine Region hält zusammen“: Dominik Prikril von der Bürgerinitiative in Kolbermoor. Thomae

Der Stephanskirchener Bürgermeister Rainer Auer sieht die „Hoffnung“ aber durchaus sehr konkret gefasst. „Wenn sich nur genügend finden, die wieder und wieder und wieder ihren Protest deutlich machen, dann kommt irgendwann selbst die Politik daran nicht mehr vorbei“, sagte er am Rande der Veranstaltung.

Mit Luftballonsdie Dimension sichtbar machen

Für Thomas Riedrich vom Brennerdialog Rosenheim geht es darum, den Bürgern immer wieder die Auswirkungen eines Trassenbaus auf ihre unmittelbare Nachbarschaft deutlich zu machen. Vor Ort geschah dies durch eine Luftballonkette, die die rund 17 Meter Höhe markierten, in der die Trasse im Bereich des Langenpfunzener Kreisels vermutlich verlaufen würde. 

Denn noch immer, so Riedrich, gäbe es viele in der Region, die sich von den Dimensionen der für die Trasse nötigen Bauwerke und von den Auswirkungen einer jahrelangen Großbaustelle keine Vorstellung machten.

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In diesem Sinne gaben Rainer Auer und Thomas Riedrich in ihren Reden auch noch einmal Grundinformationen zum Protest gegen den Brennernordzulauf. Kernpunkt war, dass die Bestandsstrecke sehr wohl in der Lage sei, den zu erwartenden Zugverkehr zu verkraften.

Das wohl größte Mahnfeuer brannte an der Staatsstraße 2080 und leuchtete hell. Stache

Scharf gingen beide dabei nicht nur mit Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), sondern mit der Politik allgemein ins Gericht, da man dort nur mit ausgewählten Zahlen argumentiere – nämlich jenen, die ins Konzept passten. Besonders erbost zeigte sich Auer von dem Argument etlicher, auch in der Region verwurzelter Politiker, dass man darauf achten werde, den Trassenverlauf unter die Erde zu bringen und damit natur- und menschenverträglich laufen zu lassen. So ein Versprechen sei angesichts der tatsächlichen Praxis bei Bahnbauten nicht zu halten und deshalb nur eines: „reine Augenwischerei.“

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Zwar seien auf der Bestandsstrecke auch nach ihrer Ertüchtigung, die zwingend auch zusätzliche Lärmschutzabsicherung auf Neubaustreckenniveau beinhalten müsse, in der Tat nur Höchstgeschwindigkeiten von 220 statt 230 Stundenkilometern möglich. Doch sei zu fragen, ob der dadurch entstehende minimale Zeitverlust die Nachteile einer Neubaustrecke rechtfertige.

Vor gut 600 Teilnehmern fassten Thomas Riedrich (sitzend rechts) und Rainer Auer (sitzend links) die Kritikpunkte der Bürgerinitiativen gegenüber dem Trassenneubau beim Brennernordzulauf zusammen. In der Mitte Werner Schmaler von der Initiative BrennerRo, die die Veranstaltung mitorganisierte. Thomae

Gegner sehen auch verkehrstechnische Nachteile für Rosenheim

In diesem Zusammenhang wurden nicht nur die Zerstörung einer besonderen Natur- und Kulturlandschaft genannt, sondern auch massive verkehrstechnische Nachteile für die Stadt Rosenheim, deren Nahverkehrsverbindung in den Großraum München erschwert würde. Zudem seien viele Bauern in der Region durch den zu erwartenden Flächenverlust in ihrer Existenz massiv bedroht.

Zu den möglicherweise Betroffenen zählt auch der Biobauer Jakob Wallner, der neben dem Mahnfeuer am Langenpfunzener Kreisel weitere organisiert hat. Mindesten 25 Feuer wurden nach Angaben der Veranstalter im Verlauf des Samstagabends entlang des Trassenverlaufs bis Ostermünchen entzündet.

Organisatoren zählen rund 600 Teilnehmer

Auch sonst zeigten sich die Organisatoren über den Erfolg ihrer Aktion rundum zufrieden: Die Tatsache, dass nach ihrer Zählung rund 600 Teilnehmer gekommen waren, zeige, dass die Probleme, die Neubautrassen mit sich brächten, nun auch im Rosenheimer Norden zunehmend bewusst würden. Und ganz in ihrem Sinne dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass offensichtlich etliche Teilnehmer aus dem Rosenheimer Süden gekommen waren um – nach eigener Aussage – Flagge zu zeigen und den Schulterschluss zu demonstrieren.

So sieht es auch Gottfried Albrecht aus Thansau: „Wenn nur die ganze Region zusammenhält, fängt die Politik sie vielleicht doch noch zu überlegen an. Daran glaube ich, und deshalb stehe ich hier“. Denn wie gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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