Eine Familie im Triathlon-Fieber

Stolzer Ironman: Dr. Harald Funk beim Zieleinlauf. Fotos re
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Stolzer Ironman: Dr. Harald Funk beim Zieleinlauf. Fotos re

Mit dem Auto zur Arbeit fahren: Das ist für Dr. Harald Funk aus Unterwössen verlorene Zeit. Täglich nutzt der 45-Jährige die 15 Kilometer lange Strecke von daheim zum Arbeitsplatz an der Medical Park Klinik Chiemsee für den Triathlonsport. Bei jeder Witterung steigt er aufs Fahrrad oder läuft. Ein Trainingsprogramm, das sich heuer besonders gelohnt hat: Funk wurde Dritter in seiner Altersklasse beim legendären Ironman-Wettbewerb auf Hawaii. Seine Familie ist aus doppeltem Grund stolz auf ihn: Denn auch Ehefrau Heike und die drei Kinder sind leidenschaftliche und erfolgreiche Triathleten.

Bernau/Unterwössen - "Der Mensch ist ein Jäger und Sammler und deshalb eigentlich gebaut dafür, sich zu bewegen", ist Dr. Harald Funk überzeugt. Morgens mit dem Auto zur Arbeit, tagsüber sitzend am Schreibtisch, abends auf dem Sofa vor dem Fernseher: Diese Verhaltensmuster sind nach seinen Erfahrungen gegen die Natur des Menschen. Als Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin in der Medical Park Klinik Chiemsee in Bernau ist Funk tagtäglich mit den Folgen dieser Bewegungsarmut konfrontiert.

Er geht deshalb selber mit gutem Beispiel voran: Als Triathlet schwimmt, radelt und läuft er auch nach seiner Profi-Karriere weiter, wobei Funk Wert darauf legt, dass auch ein kleineres Sportprogramm im Alltag schon große Wirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden auslöst. Er gehörte ebenso wie seine Frau Heike in den 90er-Jahren zu den besten Triathleten in Deutschland - eine Karriere, in deren Fußstapfen heute bereits der älteste Sohn Frederic getreten ist: Der 16-Jährige gehört seit zwei Jahren zur Spitze des deutschen Kaders. Auch der jüngste Sohn (zwölf Jahre) und die Tochter (13) zeigen außergewöhnliches Talent und Ehrgeiz.

Seit Jahren spielt sich der Familienalltag auf den Wettkampfplätzen in Deutschland ab. Hier hatte sich Funk im August bei der Europameisterschaften das Ticket für die WM auf Hawaii gesichert. Mit dem berühmtesten Triathlon der Welt hatte der Mediziner noch eine Rechnung offen: 1996, als er den Triathlon noch professionell als Leistungssport ausübte, schaffte er es zwar bis ins Ziel, war jedoch mit seiner Leistung überhaupt nicht zufrieden. Damals machte ihm die tropische Hitze derart zu schaffen, dass er fast eine Stunde länger benötigte als heuer als Amateur mit 45 Jahren.

Siebenmal hat sich Funk in den vergangenen Jahren für den Ironman-Wettbewerb qualifiziert, erst heuer wagte er den zweiten Anlauf. Mit Erfolg: Der Arzt der Klinik Medical Park Chiemsee mit Sitz in Bernau-Felden legte die 2,4 Meilen Schwimmen in der Brandung des Pazifischen Ozeans, die 112-Meilen-Radfahrt durch die Lavawüste mit ihren unberechenbaren Winden und den Marathonlauf bei sengender Hitze auf glühend heißem Asphalt in neun Stunden und 13 Minuten hinter sich. Nach dem Massenstart beim Schwimmen mit 2000 Athleten kämpfte sich Funk von Platz 63 in seiner Altersklasse bei den Amateuren bis auf Platz drei vor. Besser schnitten nur zwei Ex-Profis ab. Einziger Wermutstropfen für den überglücklichen Drittplatzierten beim härtesten Triathlon der Welt: Ehefrau Heike konnte nicht gemeinsam mit ihm am Wettkampf teilnehmen. Deshalb ist es für Funk das große Ziel, sich ein drittes Mal für Hawaii zu qualifizieren - dann im Doppelpack mit der Gattin.

Der Ironman auf Hawaii: Das ist schließlich die Krönung für jeden Triathleten, obwohl es auch in Deutschland ähnlich strukturierte Wettbewerbe gibt. Doch für einen Mitteleuropäer ist der Wettbewerb am Pazifik eine besondere Herausforderung: Die Hitze erfordert noch mehr Disziplin und Durchhaltevermögen. Funk ging die Strapazen mit einem mentalen Trick an: "Ich habe mich stets auf die nächste Zwischenstation konzentriert und mich Teilstück für Teilstück nach vorne gearbeitet. Wenn die Beine nicht mehr wollten, habe ich mich an schwierige Phasen früherer Wettkämpfe erinnert, die ich auch durchgestanden hatte." Gedanken ans Aufgeben hat sich der Mediziner außerdem verboten, weil Sohn Frederic auf Hawaii als Fan dabei war. "Ich wollte dem Jungen ein gutes Vorbild geben."

Das ist dem Vater gelungen. Doch bereits in den Wochen vor dem Start auf Hawaii hat Funk bewiesen, was mit viel Disziplin zu erreichen ist. Als Arzt ist er beruflich stark engagiert, als Vater von drei Kindern ebenso. Das Training musste in die wenigen freien Stunden integriert werden. "Sehr hilfreich war es, dass meine ganze Familie im Triathlon aktiv ist", betont der 45-Jährige. Verständnis für sein intensives Trainingsprogramm fand er daheim immer - ebenso wie Sparringspartner, die mit ihm joggten, radelten und schwammen. In der Vorbereitungszeit verzichtete Funk außerdem bewusst auf Schokolade, ernährte sich besonders fettarm, sodass einige Kilo purzelten, die er nicht mit über die Laufstrecke schleppen musste.

Jetzt wurde das Trainingsprogramm wieder auf normales Maß heruntergefahren. Das heißt: Es geht mit dem Rad oder laufend morgens und abends von Unterwössen nach Bernau zur Arbeit und wieder zurück. Übrigens auch im strengsten Winter: Dann bleibt das Fahrrad in der Garage, tragen die Füße über Schnee und Eis.

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